Prof. Martin Rennert, Präsident der UdK Berlin
Als im November 1960 John F. Kennedy zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde war ich sechs, und seine Rede zum Amtsantritt im Januar 1961weckte im ganzen Land Begeisterung. In dieser gab es einen sprichwörtlich gewordenen Satz: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, frage, was Du für Dein Land tun kannst.“ Von unserem heutigen, desillusionierten Europa aus betrachtet, ist es vielleicht überraschend, dass dieser Satz in meiner Grundschulklasse tags darauf auf einer Wandtafel zu lesen war und wir einige Zeit damit zubrachten, zu besprechen, was das wohl bedeutete. Ich weiß, dass dieser Satz weit mehr als einer Generation so präsent wurde wie mir – was immer jeder daraus gemacht hat.
Die Universität der Künste Berlin
Die UdK Berlin zählt zu den größten, vielseitigsten und traditionsreichsten künstlerischen Hochschulen der Welt. Das Lehrangebot der vier Fakultäten Bildende Kunst, Gestaltung, Musik und Darstellende Kunst sowie des Zentralinstituts für Weiterbildung umfasst in über 40 Studiengängen das ganze Spektrum der Künste und der auf sie bezogenen Wissenschaften. Mit dem Promotions- und Habilitationsrecht gehört die UdK Berlin darüber hinaus zu den wenigen künstlerischen Hochschulen Deutschlands mit Universitätsstatus.
Künstlerische Exzellenz
Das Herzstück der UdK Berlin ist die künstlerische Ausbildung. Hervorragend besetzte Professuren in allen Fakultäten sowie die stete Weiterentwicklung von Lehrkonzepten tragen dazu bei, das hohe Niveau der künstlerischen und künstlerisch-wissenschaftlichen Ausbildung an der UdK Berlin zu sichern und kontinuierlich zu verbessern.
Fast alle Studiengänge der UdK Berlin stehen in einer Jahrhunderte alten Tradition. 1975 zusammengeführt in die damalige Hochschule der Künste (HdK), haben sie sich von einzelnen Akademien zu vernetzten Fakultäten entwickelt. Ohne in ihren künstlerischen und gestalterischen Disziplinen Kompromisse einzugehen, ermöglichen sie durch interdisziplinäre Projekte, gemeinsame theoretische Ansätze und die Stärkung der wissenschaftlichen Bereiche eine Gesamtsicht auf die Künste. Die UdK Berlin gibt ihren Studierenden so schon frühzeitig und im geschützten Raum des Studiums die Möglichkeit, sich mit anderen Kunstformen auseinander zu setzen und zu experimentieren, um so die Grenzen der eigenen Disziplin zu erkennen und zu erweitern.
Hochschulübergreifende Zentren
Die Kunsthochschulen Berlins bündeln ihre Potentiale in zwei hochschulübergreifenden Zentren: Dem Jazz-Institut Berlin (JIB), in dem Studierende und Lehrende der UdK Berlin und der Hochschule für Musik Hanns Eisler zusammenarbeiten, und dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz (HZT). Letzteres verbindet nicht nur UdK Berlin und die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, sondern vernetzt sich durch die Kooperation mit Tanzraum Berlin mit der freien professionellen Tanzszene Berlins.
Lehrerbildung
Zusätzlich zum Studium der Freien Künste und der Musik bietet die UdK Berlin die Möglichkeit, die Fächer Musik und Bildende Kunst auf Lehramt zu studieren. Neben dem künstlerischen Kernfach studieren die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in Bachelor/Masterstruktur ein wissenschaftliches Zweitfach an einer der anderen Universitäten Berlins. Die UdK Berlin ist die einzige Hochschule in Berlin, die Kunst- und Musiklehrer ausbildet. Die Eignungsprüfungen sind vor allem künstlerische Aufnahmeprüfungen, die Ausbildung erfolgt in Klassen, die sich aus Studierenden der Freien Kunst und aus Lehramtsstudierenden zusammen setzen.
Forschung und künstlerisch-gestalterische Entwicklungsprojekte
Forschung an der UdK beschreibt ein weites Feld: Von der klassischen Forschung in den auf die Künste bezogenen Wissenschaften über die anwendungsbezogene (Auftrags-)Forschung bis hin zum künstlerisch-gestalterischen Experiment.
In zahlreichen Industriepartnerschaften, u. a. mit der Deutschen Telekom, dem Fraunhofer-Institut und Siemens werden kreative Potentiale und herausragende Forschung miteinander verbunden.
Der Forschungserfolg der UdK ist nicht nur messbar an den erfolgreichen Produkten und Verfahren und den zahlreichen Existenzgründungen, sondern auch an den vielen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mitfinanzierten wissenschaftlichen Vorhaben; wie etwa dem ersten von der DFG geförderten Graduiertenkolleg an einer deutschen Kunstuniversität „Praxis und Theorie des künstlerischen Schaffensprozesses“ (1998-2005).
Daran anknüpfend, entwickelt die UdK Berlin derzeit eine Graduiertenschule für die Künste und die Wissenschaften. Das postgraduale, transdisziplinäre und internationale Qualifikationsprogramm fördert den Dialog zwischen den Künsten und Wissenschaften und richtet sich an herausragende Lehrende und Absolventinnen aller künstlerischen und wissenschaftlichen Fächer.
Weiterbildung für die Kultur- und Kreativwirtschaft
Dank ihrer exzellenten künstlerischen und gestalterischen Ausbildung verlassen jährlich rund 600 potentielle Freiberufler oder Existenzgründerinnen die Hochschule – damit ist die UdK Berlin ein Motor der Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin. Um die Berufsfelder ihrer Absolventen und Absolventinnen gestaltend zu prägen, hat die UdK eine strategische Weiterbildungsinitiative gestartet und Maßnahmen zur Unterstützung von Existenzgründern entwickelt:
Das 2007 gegründete Zentralinstitut für Weiterbildung (ZIW) bündelt die Weiterbildungsangebote der UdK Berlin und ausgewählte Angebote der anderen künstlerischen Hochschulen Berlins. Das Angebot umfasst derzeit sechs weiterbildende Masterstudiengänge, Sommerakademien und Zertifikatskurse. Durch eine intensive Berufsfeldforschung erschließt das ZIW weitere innovative Tätigkeitsfelder in der Kreativ- und Kulturwirtschaft.
Darüber hinaus informiert und berät das Career & Transfer Service Center (CTC) der UdK Berlin Studierende und Absolventen/innen aller künstlerischen Hochschulen Berlins über ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und dem Weg in die Selbständigkeit.
Mit dem Ziel, die Arbeitsmarktentwicklung nachhaltig zu stärken und junge, gut ausgebildete, kreative und kulturschaffende Menschen an die Stadt zu binden, erarbeitet die UdK als Ideengeberin zusammen mit verschiedenen Partnern ein Konzept für einen „Gründercampus Kreativwirtschaft“.
Internationale Vernetzung
Durch vielschichtige Beziehungen ist die UdK Berlin international hervorragend vernetzt. Insgesamt pflegt die UdK Berlin über 130 internationale Hochschulpartnerschaften, über 800 ausländische Studentinnen und Studenten - das entspricht etwa 20 % aller UdK-Studierenden - sind aktuell an der Universität eingeschrieben. Jährlich verbringen mehr als 100 Studierende der UdK Berlin einen Teil ihrer Ausbildung im Rahmen von Austauschprogrammen im Ausland. Schwerpunkte der internationalen Zusammenarbeit setzt die UdK Berlin zum einen beim Austausch von Studierenden und Lehrenden, aber auch im hochschulpolitischen Diskurs mit international führenden Kunst- und Musikhochschulen.
Veranstaltungsort UdK
Mit über 500 Veranstaltungen jährlich ist die UdK Berlin ein wichtiger Kulturveranstalter in Berlin. Fast täglich stellen sich die Studierenden der UdK Berlin in Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen, Liederabenden, Lesungen, Vorträgen und Präsentationen der Öffentlichkeit. Im UdK-eigenen Theater UNI.T zeigen die Schauspiel-, Tanz- und Musical-Studierenden ihre Arbeit, und die zwei großen Konzertsäle der UdK Berlin geben Raum für das Hochschulorchester und für zahlreiche Konzerte unterschiedlichster musikalischer Richtungen. Darüber hinaus kooperiert die UdK Berlin mit zentralen Kultureinrichtungen der Stadt wie dem Deutschen Theater, dem Maxim-Gorki-Theater, der Komischen Oper Berlin, den Berliner Festspielen, dem Haus der Kulturen der Welt, dem Jüdischen Museum Berlin, dem Museum für Kommunikation und vielen anderen.
Das Veranstaltungs-Highlight des Jahres sind die Musikfestwochen „Crescendo!“ im Mai/Juni, bei denen die Fakultät Musik die ganze Bandbreite ihres musikalischen Spektrums präsentiert, und der „Rundgang“. Hier öffnet die UdK Berlin zum Ende des Sommersemesters für drei Tage ihre Ateliers, Klassen, Probenräume, Studios und Werkstätten. Dabei nutzen jedes Jahr über 10.000 kunst- und kulturinteressierte Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, dem künstlerischen Nachwuchs über die Schulter zu schauen.