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Sound Studies – Akustische Kommunikation
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Installationen

"Vertical Wire Music"
Reinterpretation von Alvin Luciers "Music On A Long Thin Wire"
von Martin Backes, Heidrun Schramm und Christoph Illing (Masterabsolventen Sound Studies 2008)

Was passiert, wenn man einer 30m lange Stahlsaite senkrecht in die Mitte einer Wendeltreppe spannt und sie mit Magneten und Sinusgenerator zum Schwingen bringt? Drei Absolventen des Masterstudiengangs Sound Studies entwickelten die Idee, eine Arbeit von Alvin Lucier neu zu interpretieren. Das Ergebnis ist eine Klang-Installation, die Ihresgleichen sucht. Ein pulsierender, lebendig schwebender Sound, den man über sieben Stockwerke verteilt erleben kann. Die Installation wurde beim Sound Studies Open Doors am 18. Oktober eröffnet und ist in der westlichen Wendeltreppe des UdK-Gebäudes in der Lietzenburger Straße 45, 10789 Berlin (westliche Wendeltreppe) begehbar. Der Eintritt ist frei.



Interview: Martin Backes (Sound Studies Absolvent 2008) im Gespräch mit Holger Schulze

Holger Schulze (HS): In den letzten Semestern habt Ihr gemeinsam mit Prof.
Dr. Martin Supper daran gearbeitet, eine Arbeit des amerikanischen
Komponisten und Klangkünstlers Alvin Lucier (*1931) an der UdK umzusetzen.
Um was geht es bei Luciers "Music On A Long Thin Wire"?


Martin Backes (MB): Um den nötigen Freiraum für Experimente zu schaffen,
wollten wir das Werk von Anfang an nicht unbedingt originalgetreu
umsetzen. Da wir uns also nicht genau an die Partituranweisung Alvin
Luciers gehalten haben, geht es also vielmehr um eine Reinterpretation des
  Stückes. Die Arbeit selbst könnte man als eine Art Gratwanderung
zwischen Kunst-Performance, Komposition und Wissenschaft beschreiben. Ein
nicht-lineares System, das völlig ohne „Performer“ auskommt und für sich
selbst steht. Dabei wird eine ca. 30m lange Stahlsaite gespannt, die von
Strom durchflossen mittels Magneten und Sinusgenerator zum Schwingen
gebracht wird. Dieses einfache Zusammenspiel schafft dabei ein komplexes
System, das sich permanent verändert und dadurch eine ganz eigene Magie
entwickelt. Lucier selbst nannte es einmal „die Poesie der
Naturwissenschaften“, was ich in diesem Zusammenhang sehr schön finde.


HS: Wer hat alles bei dem Projekt mitgewirkt?

MB: Das Team setzte sich zusammen aus Heidrun Schramm, Christoph Illing
und meiner Wenigkeit. Zusätzlich bekamen wir glücklicherweise noch von
allen Seiten die nötige Unterstützung – namentlich von Martin Supper, dem
gesamten Sound Studies Team, den Handwerkern der UdK und von Hauke Harder
dem Assistenten von Alvin Lucier selbst. Wir möchten uns an dieser Stelle
bei allen Beteiligten für die mehr als tatkräftige Unterstützung noch
einmal recht herzlich bedanken.


HS: Welchen Schwierigkeiten saht Ihr Euch bei der Umsetzung gegenüber?

MB: Aufgrund der baulichen Gegebenheiten des Treppenhauses mussten wir
den Draht erstmalig senkrecht installieren. Wir wussten anfangs also
nicht, ob das überhaupt funktionieren würde, da "Music On A Long Thin
Wire" bis dato ausschließlich waagerecht installiert wurde. Auch die
Einfachheit des Stückes war zuerst sehr irritierend. Als wir anfingen die
Arbeit umzusetzen, dachten wir viel zu umständlich. Es hat sich dann
relativ schnell herauskristallisiert, wie herrlich einfach die Arbeit doch
von Lucier gedacht war. Glücklicherweise konnten wir hierbei auch auf das
Wissen von Hauke Harder zurückgreifen, der uns alle Fragen bereitwillig
beantwortete.


HS: Welche Reaktionen gab es bislang auf Eure (entstehende) Arbeit? Und
welche Reaktionen würdet Ihr Euch wünschen - wenn Ihr Euch welche wünschen
könntet?


MB: Die Reaktionen waren bis jetzt durchweg positiv und stießen auf reges
Interesse. Zur Eröffnung der Installation am 18. Oktober hoffen wir
natürlich auf einen großen Besucherandrang. Wir werden an diesem Tag
ebenfalls vor Ort sein und stehen gerne für Fragen zur Verfügung. Falls
es jemand nicht zu dem besagten Termin schaffen sollte, gibt es ja das
ganze Jahr über die Möglichkeit die Permanent-Installation zu erkunden
und uns gegebenenfalls auch zu kontaktieren.


HS: Was sind Eure nächsten Projekte?

MB: Die nächste gemeinschaftliche Arbeit ist noch nicht geplant wäre aber
sicherlich wünschenswert.

Heidrun Schramm arbeitet derzeit an einer
Miniatur-Klang-Videoinstallationen, welche Ende Oktober während des
Wundergrundfestivals in den Sophiensälen gezeigt werden wird. Zusätzlich
bereitet sie sich auf einige anstehende Konzerte vor.

Christoph Illing arbeitet momentan an der Realisierung seiner Komposition
„sinuous“, die er in seiner Masterthesis entwickelt hat. Das wird ein
elektronisches Stück.

Ich selbst arbeite neben meinen Tätigkeiten als Klang- und Medienkünstler
sowohl als Sound Designer für bekannte Musiksoftwarefirmen als auch
freiberuflich als Klang- und Cross-Media Planer & Berater. Zusätzlich
werde ich an einer Designhochschule im kommenden Semester in Berlin einige
Vorträge halten. Es gibt also viel zu tun.

HS: Besten Dank!

MB: Ich bedanke mich ebenfalls für das Gespräch!



"Vertical Wire Music"
Reinterpretation von Alvin Luciers "Music On A Long Thin Wire"
von Martin Backes, Heidrun Schramm und Christoph Illing (Masterabsolventen Sound Studies 2008)

Klanginstallation in der Lietzenburger Straße 45, 10789 Berlin, westliche Wendeltreppe (Eintritt kostenlos)



Websites der Projektteilnehmenden:

Heidrun Schramm: www.myspace.com/sonatarec

                         www.virb.com/sonatarec


Christoph Illing: www.koolkiller.com


Martin Backes: www.myspace.com/martinbackes

                   www.aconica.de

                   www.martinbackes.com

Foto: Martin Backes