Annika Haas

Promotionsprojekt

Ästhetische Dimensionen der Theorie bei Hélène Cixous

Das Vorhaben widmet sich Schreibweisen der Theoriebildung im 20. und 21. Jahrhundert, die nicht nur auf diskursiver Ebene, sondern auch kraft ihrer medialen Spezifik und Ästhetik epistemisch verfahren. Im Fokus stehen insbesondere Texte der französischen Schriftstellerin und Theoretikerin Hélène Cixous (*1937), die für die Frage nach der Epistemologie der ästhetischen Praxis des Schreibens eine Sonderstellung einnehmen. Sie thematisieren diese auf explizite wie reflexive Weise u. a. durch argumentative Unterbrechungen, das Changieren zwischen Textgenres sowie den experimentellen Umgang mit Typografie, Orthografie, Syntax und Sprachklang. Am Spiel der Sinnverschiebung werden die Rezipient_innen dabei unweigerlich beteiligt, auch dadurch, dass die Differenz zwischen dem, was geschrieben wird und wie es gelesen werden kann auf besondere Weise sichtbar wird und unentschieden bleibt. Virulent für die Frage nach Epistemologien des Ästhetischen ist dabei, dass Cixous’ Texte, insbesondere Briefe und Essays, auf vielfältige Art und Weise in Korrespondenz mit den Künsten stehen. Dazu zählt auch eine Auswahl von Texten, die im Rahmen von Kollaborationen mit bildenden Künstler_innen (z.B. Adel Abdessemed, Maria Chevska, Alexandra Grant) entstanden sind. Der Aspekt, wie sich Cixous’ Denken immer mit anderen figuriert und welche Rolle das Schreiben dabei als ästhetische, epistemische und kollaborative Praxis spielt, wird vor dem Hintergrund der Forschung zu ihrem Werk in der Literaturwissenschaft und ihrer Zusammenarbeit mit Jacques Derrida vertieft.

Erarbeitet werden soll, inwiefern Cixous’ Schreiben als eine ästhetische Theoriepraxis verstanden werden kann bzw. ihre Texte verschiedene Praktiken ästhetischen Denkens im Medium der Schrift erst aufzeigen. Wenn zunächst davon ausgegangen werden kann, dass sich dieses Denken durch die medialen, performativen und ästhetischen Dimensionen von Text mitteilt, stellt dies schließlich vor
 die Herausforderung wie mit diesen Texten geschrieben und eine Perspektive für eine ästhetische Theoriepraxis in enger Korrespondenz mit den Künsten entwickelt werden kann.

Vita

Annika Haas studierte Europäische Medienwissenschaft (B.A.) an der Universität Potsdam und Fachhochschule Potsdam. Nach einem Forschungsaufenthalt am Culture Lab der Newcastle University studierte sie Kunst und Medien an der Universität der Künste und zuletzt am California Institute of the Arts. Seit März 2018 ist sie Assoziierte des Doktoratsprogramms „Epistemologien ästhetischer Praktiken“ am Collegium Helveticum. Von 2009 bis 2017 war sie Stipendiatin des Ev. Studienwerks e.V. Villigst. Seit 2016 ist sie als Redaktionsassistentin der Zeitschrift für Medienwissenschaft tätig. 

Publikationen

„Situiertes Schreiben mit Haraway, Cixous und grauen Quellen“, zus. mit Naomie Gramlich, in: Zeitschrift für Medienwissenschaft Nr. 20 (1/2019), S. 38–52.

Widerständige TheorieKritisches Lesen und Schreiben, hg. mit Jonas Hock, Anna Leyrer, Johannes Ungelenk, Berlin: neofelis, 2018.

„Ihre erste unterbrochene durchgängige Linie. Hélène Cixous’ Ameisentheorie“, in: Widerständige TheorieKritisches Lesen und Schreiben, hg. v. dies., Jonas Hock, Anna Leyrer, Johannes Ungelenk, Berlin: neofelis, 2018, S. 235–243.

Windtunnel Bulletin no. 7, hg. mit Sarine Waltenspül, Zürich: Forschungsschwerpunkt Transdisziplinarität, Zürcher Hochschule der Künste,  2018.

„Digital Humanities als epistemische Praxis”, Interview mit Johanna Drucker, in: Zeitschrift für Medienwissenschaft Nr. 16 (1/2017), S. 114–124.

„Sonic Imagination“, in: wissenderkuenste.de, Online-Publikation des Graduiertenkollegs „Das Wissen der Künste", Nr. 6, Learning from. Texte zur documenta 14, Juli 2017.

Publikationen vor der Zeit im Graduiertenkolleg

 „Archiv aus Streichungen“ (Bildserie und Glossareinträge), in: Archiv aus Schriften, hg. von Martin Conrads und Franziska Morlok, Berlin: Verlag der Universität der Künste, 2016.


„Hören, Berühren, Bewegen”, in: Kraft der Alterität. Ethische und aisthetische Dimensionen des Performativen, hg. von Dieter Mersch, Jörg Sternagel, Lisa Stertz, Bielefeld:  transcript, 2015, S. 207–225.

„Hybrid Resonant Assemblages: Rethinking Instruments, Touch and Performance in New Interfaces for Musical Expression” (mit John Bowers), in: Proceedings of the International Conference on New Interfaces for Musical Expression, Goldsmiths University, London: 2014, S. 7–12.

Vorträge

„Fleisch. Sinnlichkeit. Einschreibung“, Panel: Text/Körper. Was passiert, wenn der Materie das Wort überlassen wird, Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft – Medien. Materialitäten, Universität zu Köln, 28.9.2019, 13–15 Uhr, Raum S 58.

„In correspondence as such“, Workshop zur Ausstellung „Meeting with the other as such, but still“, Bärenzwinger Berlin, 18.1.2019.

„Théo rit. Practising Mimesis and Subversion with Hélène Cixous“, Internationale Tagung: Change Through Repetition, Ludwig-Maximilians-Universität München, 29.11.–1.12.2018.

„Auf Cixous’ telepaths“, Workshop: Feminist speculations with strange bedfellows, Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) Potsdam, 28.–29.06.2018.

„Ästhetisches Denken als Schreibpraxis bei Hélène Cixous“, X. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik, Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, 17.02.2018.

„Wir täuschen alle Unsterblichkeit vor“, Lecture Performance zusammen mit Lisa Stertz, Tagung „Ist der Posthumanismus ein Humanismus?", Institut für Theorie, Zürcher Hochschule der Künste, Schweiz, 02.11.2017.

„Lectüre, Lektüre, Lecture, Lektschür“, Lecture Performance zusammen mit Tomomi Adachi, Salon für Ästhetische Experimente #3, Haus der Kulturen der Welt Berlin, 15.05.2017.