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Fritz Schlüter

Promotionsprojekt

„Ambient sound" als Gegenstand praktischer Gestaltung und künstlerischen Wissens. Geschichte und Ästhetik der „Atmo"

„Atmo“ bzw. „Ambience“ sind Jargonbegriffe aus dem Radio- und Filmbereich, die eine unproblematische Verfügbarkeit und Gestaltbarkeit akustischer Umgebungen suggerieren – gewissermaßen auf Knopfdruck. Die Selbstverständlichkeit, mit der ambient soundsheute in den Medien gebraucht werden, verschleiert weitgehend, dass sie anfangs durchaus als reales Problem (Rauschen), als neues Phänomen, als bis dato unbekanntes ästhetisches „Objekt“ wahrgenommen wurden. Eine gewisse phänomenale wie auch begriffliche Unschärfe zeichnet die „Atmo“ sogar bis heute aus. Hier setzt die Dissertation an, indem sie den praktischen Umgang mit ambient soundsin den Blick nimmt: Die technischen, handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten, die zur Gewinnung, Verarbeitung und Diffusion von „Atmos“ nötig sind, basieren zu einem guten Teil auf implizitem, inkorporierten Wissen. Seitens der Praxis besteht nicht unbedingt ein Explikations- bzw. Verbalisierungsbedarf: (Erfahrungs-)Wissen kann schließlich auch prozessual, d.h. in der Praxis erworben und vermittelt werden. Es wird eine Leistung der Arbeit sein, diese Routinen, Strategien und Techniken in den Tonstudios zu beobachten und zu beschreiben. Diese professionelle Praxis wird dann einer Reihe von historischen und gegenwärtigen künstlerischen Ansätzen gegenübergestellt, um zu differenzieren, mit welchem Wissen und welchen Zielsetzungen hier mit ambient soundgearbeitet wird. Im Zentrum steht die Frage, was die sogenannte Atmo bzw. ambience– als spezifisches akustisches Gestaltungselement – in verschiedenen medialen Konstellationen leistet und wie sie es tut. 

Vita

Fritz Schlüter studierte Europäische Ethnologie (M.A.) und Bibliotheks- und Informationswissenschaft (M.A.) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2005-2007 beteiligte er sich am wissenschaftlich-künstlerischen Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Sensing the Street. Eine Straße in Berlin“ unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Lindne, eine Kooperation zwischen dem Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin und dem Institut für Kunst im Kontext, Universität der Künste Berlin. Für das Projektseminar „Listening“ begleitete er Rolf Lindner als Tutor an den Studiengang Kultur der Metropole, HafenCity Universität Hamburg. 2012 schloss er sein Studium mit einer Arbeit über „Die Klanglandschaft als ethnographisches Feld“ ab. Er war an verschiedenen Forschungs- und Ausstellungsprojekten zur Ethnographie der Sinne und zur Klangkultur beteiligt und publiziert auch in diesem Bereich. Von 2014 bis 2017 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter verantwortlich für den Bereich Sound im Studiengang Europäische Medienwissenschaft, Universität Potsdam und Fachhochschule Potsdam (Kooperationsstudiengang), wo er an der Schnittstelle von Theorie und Praxis unterrichtete. Anschließend Mitarbeit bei Prof. Dr. Heiko Christians, Institut für Künste und Medien, Universität Potsdam, sowie bei Univ.-Prof. Dr. med. Martin Heinze, Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB). 

Publikationen

„Audio Paper ‚Background Noise. Eine auditive Ethnographie des Stadtteils Wedding, Berlin‘“, in: K. Bauer, A. Graf (Hg.): Raumbilder – Raumklänge. Zur Aushandlung von Räumen in audiovisuellen Medien. Münster 2019, S. 85–97. 

„Soundwalks. Ein methodologischer Kommentar“, in Kuckuck(2) 2017, S. 18–20. 

„A soundscape remodelled. Nauener Platz in Berlin-Wedding“, in: P. Cusack (Hg.): Berlin Sonic Places. A Brief Guide. Hofheim am Taunus 2017, S. 82–84. 

„‚Sound Culture‘, ‚Acoustemology‘ oder ‚Klanganthropologie‘? Sound Studies und sinnliche Ethnographie“, in: L. M. Arantes, E. Rieger (Hg.): Ethnographien der Sinne. Wahrnehmung und Methode in empirisch-kulturwissenschaftlichen Forschungen. Bielefeld 2014, S. 57–74.

„Akustische Territorien, akustisches Regime. Feldforschung in den Klanglandschaften der Großstadt“, in: S. Gaidolfi et al. (Hg.): Metropolen. Politik – Kultur – Imagination. Würzburg 2013, S. 61–98. 

„Berlin 2012 – Zehn Field Recordings“, in: G. Paul, R. Schock (Hg.): Der Sound des Jahrhunderts. Ein akustisches Portrait des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Bonn, Berlin 2013. 

„Mapping the drone. Sonic agents in urban soundscapes“, in: P. Gibas, K. Pauknerová, M. Stella (Hg.): Non-humans in Social Science. Animals, Spaces, Things. Cerveny Kostelec, S. 117–136. 

„Sensing the Street. Eine sinnliche Ethnographie der Großstadt“, mit Maria Elisabeth Hiebsch und Judith Willkomm in: S. Geschke (Hg.): Straße als kultureller Aktionsraum. Interdisziplinäre Betrachtungen des Straßenraumes an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Wiesbaden 2009, S. 31–57.