Wildwuchs – Festival für zeitgenössische Dramatik – Szenische Lesung

Die Autorinnen der Werkstatt-Inszenierungen: Sarah Dulgeris, Elisabeth Pape, Ivana Sokola

Foto: Philip Weiss Tornes

Volksbühne in Kooperation mit den Studiengängen Szenisches Schreiben und Schauspiel der Universität der Künste Berlin.
In drei einstündigen Werkstatt-Inszenierungen werden neue Texte dreier Autorinnen des Studiengangs Szenisches Schreiben gezeigt, gespielt von Schauspielstudierenden. Nach den Vorstellungen am 14. und 15.02. performen und feiern die verschiedenen Autor*innen-Jahrgänge im Roten Salon ihre Lese-Partys.


DIE LEGENDE VON DIMI & ELA

von Sarah Dulgeris
Ein rasant erzähltes Biopic. Nach drei Jahren Trennung, Internierung im Jugendwerkhof und etlichen Eskapaden stellt Ela 1980 mit ihrem kleinen Sohn einen Ausreiseantrag in den Westen. Es folgen weitere Kinder, weitere Konflikte, kein Happy End. Die erwachsenen Liebenden erkämpfen sich Gemeinsamkeit, verlieren sich wieder, taumeln ... Haftstrafe für den Vater, die Familie zerbricht. Die Kinder mitten zwischen zwei Menschen, die es versucht haben: Eine neue Generation voller Angst, Wut und Ohnmacht wächst heran. Ist Geschichte vererbbar? Tappt man zwangsläufig in dieselben Fallen?

Sarah Dulgeris ist Schauspielerin und Autorin. Sie spielt Theater und dreht für Film und Fernsehen. Als Theaterautorin schreibt Sie oft autobiografisch. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Themen über Herkunft, Zugehörigkeit und Macht.Bisherige Stücke: "Die Legende von Dimi und Ela. Eine Geschichte von zwei Menschen, die es versucht haben.", "kein Liebeslied", "wütende F. mit offener B.".

Mit: Antonis Antoniadis, Luc Schneider, Liv Stapelfeldt, Jan Jordan (Orgel)
Regie: Katrin Lindner
 

KILL BABY

von Ivana Sokola
"Wie sagt man hier, die Katzen nicht im Sack kaufen.
Bei uns geht es nicht ums Kaufen.
Es geht darum, die Katzen nicht im Sack zu ertränken.
Ihr Sohn hat meiner Enkelin eine Katze besorgt.
Wir wollen sie bitte gerne zurückgeben."
Kitty ist schwanger, von einem von oben. Der aus dem 10. Stock, kurze Hosen und Wadenmuskeln, dünne Beine und Einkaufstaschen. Wenn man ihn hört, dann weiß man’s, wenn man ihn riecht, dann riecht man ihn, wenn man ihn sieht, dann ist er verschwunden. So jung wie männerlos gibt es für Kitty nur noch eine Mutter und eine Großmutter, Beton und die Schwerkraft und eine Entscheidung: kill baby oder eben nicht.

Ivana Sokola, geboren 1995 in Hamburg, hat Deutsche Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg und der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Seit 2018 studiert sie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Sie hospitierte bei Jette Steckel und Frank Castorf. Mit dem Theaterkollektiv kreisen kollektiv entstanden unter ihrer Leitung unterschiedliche Arbeiten in Hamburg. Unter ihrer Co-Regie entstand in der Spielzeit 2018/19 die Performance "Dream Body Outlet" am Berliner Ringtheater, welche anschließend als theatrale Installation im Raum linksrechts in Hamburg zu sehen war. Ivana Sokola schrieb für das Musiktheaterstück Strandrecht nach Ethel Smyth am Lichthof Theater Hamburg. Als Teil des Regie- und Autorinnenduos PATHOS 2000 realisiert sie 2020 die immersive Performance "Wald der verlorenen Väter" am Ballhaus Ost.

Mit: Maral Keshavarz, Hêvîn Tekin, Kotbong Yang
Regie: Heike M. Goetze
 

400g VERANTWORTUNG

von Elisabeth Pape
"Mein Vater hat mir früher gesagt, dass es im Leben nicht darauf ankommt, was du aus dir machst, sondern was du aus dir machst"
Zwei Wohnungen: Jana, Björn, Manuela und Hans.
Sie wollen alleine sein, sie wollen in einer Beziehung sein.
Sie wollen weg, sie wollen da bleiben.
Sie wollen Verantwortung übernehmen, sie wollen wieder Kind sein.
Sie wollen aus der Routine ausbrechen und immer wieder: ICH ICH ICH
(Außerdem mögen sie Produkte).

Elisabeth Pape, geboren 1995, hat Theaterwissenschaften und Literaturwissenschaften an der Freien Universität in Berlin studiert und befindet sich seit 2018 im Studium des Szenischen Schreibens an der Universität der Künste Berlin. Für die Inszenierung "Born Digital" des Jungen Deutschen Theaters hat sie 2016 erstmals Texte für die Bühne geschrieben. Im Herbst 2020 ist sie Stipendiatin des FREIRAUM-Stipendiums und wird in einem zweimonatigen Aufenthalt in Zürich an ihren Schreibprojekten arbeiten.

Mit: Lorenz Hochhuth, Phillip Keßel, Kei Muramoto, Charlotte Will
Regie: Cornelia Maschner

Info

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Tel. (0)30 240 65 777
besucherservice_ @volksbuehne-berlin.de