Authentizität vs. Rollenbild - Frauen und Männer im Dirigierberuf – Online verfügbar

Matthias Heyde

Ziel der Podiumsdiskussion ist es, die Arbeit von Dirigent:innen und deren Freiheit im Spannungsfeld einer männlich geprägten Tätigkeit zu fokussieren. Dem traditionellen Rollenbild „Dirigent“ steht dabei eine moderne/zeitgemäße Führungs- und Bewegungskultur gegenüber.
Für das Erlernen des Dirigierberufs sind Rollenvorbilder von entscheidender Bedeutung. Diese sollten jedoch nicht der Ausprägung eigener Authentizität beim Dirigieren im Wege stehen: Ein Zielkonflikt.
Darüber werden Expert:innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen unter der Moderation von Anja Herzog (RBB) ihre Sichtweisen darlegen und miteinander diskutieren.
Die Podiumsdiskussion soll den Ausgangs- und Bezugspunkt für zukünftige Veranstaltungen und Kooperationen in diesem Themenbereich bilden. Daher ist eine umfassende Videodokumentation der Veranstaltung geplant.

Ein umfangreicher Katalog an Dirigierkünsten, die in der Summe für ein gutes und hochwertiges musikalisches Ergebnis ausschlaggebend sind, prägt traditionsgemäß die Vorstellungen vom schlichten Kapellmeister bis hin zum gefeierten Taktstockvirtuosen. Ihnen werden besondere Werte wie Größe, Führungsstärke, Weisheit, Energie, Charisma, usw. zugeschrieben. Nur wer diese Eigenschaften mitbringt, sei sowohl aus Sicht der Musiker:innen als auch des Publikums für diesen Beruf geeignet.

Frauen und Männer, die nicht ins Rollenbild eines:r erfolgreichen Dirigent:in passen, sind bis heute selten am Dirigierpult vertreten.
Studien zeigen jedoch bereits Ansätze eines Wandels der Führungskultur in Orchestern. Das ermöglicht eine Veränderung des Idealbilds „Dirigent:in“ weg vom direktiven Führungsstil (Boerner, 2009). Musikalische, pädagogische und bewegungsspezifische Qualitäten des Dirigierens bekommen größeres Gewicht.

Dieses neue Rollenverständnis könnte auch Einfluss auf die Bewegungskultur des Dirigierens entwicklen. Direktive Gesten träten dann zu Gunsten von dialogischen und musikalisch vernetzenden Gesten in den Hintergrund.

Darüber diskutieren mit Anja Herzog (RBB):

- Prof. Sabine Boerner (Universität Konstanz, Lehrstuhl für Management, insbes. Strategie und Führung)

- Prof. Maike Bühle (Universität der Künste Berlin, Professorin für Chorleitung)

- Dr. Cornelie Kunkat (Referentin für Frauen in Kultur und Medien beim Deutschen Kulturrat)

- Prof. Peter Gülke (Dirigent, Autor und Ernst-von-Siemens-Preisträger)

- Prof. Christina Fassbender (Universiät der Künste, Professorin für Flöte) 

- Dr. Anke Steinbeck (Musikwissenschaftlerin und Autorin des Buches "Jenseits vom Mythos Maestro – Dirigentinnen für das 21. Jahrhundert" )

Info

Alexander Lebek
a.lebek_ @udk-berlin.de