Imagine Something New, Like Justice: Graduale Kino & Performance – Ausstellung

Rathausvorplatz Berlin-Wedding

Rathausvorplatz Berlin-Wedding

Max Liebstein

Im Rahmen der Abschlussausstellung "Imagine Something New, Like Justice" der Stipendiat*innen der Graduiertenschule findet am Samstag, 18. September die Performance "Smaller Big Things" von und mit Anthony R. Green und den Gastkünstler*innen Lena Czerniawska und Emilio Gordoa am Rathausvorplatz statt. Im Anschluss wird es ein Open-Air Screening mit filmischen Arbeiten von Yalda Afsah, Rindon Johnson, Mariam Mekiwi, Didem Pekün und R A Walden geben. Der Programmabend findet auch bei Regen statt.



18:30-19:15 Uhr: Performance Smaller Big Things von und mit Anthony R. Green und den Gastkünstler*innen Lena Czerniawska und Emilio Gordoa

Wo findet sich im Dickicht der Kategorisierungen die Gerechtigkeit der Performance? Durch Bewegung, Klang, Text, Spontaneität, Interaktion und Improvisation ist Smaller Big Things ein viszerales, physisches Performance-Gedicht. Es ist eine Herausforderung, sich den erzwungenen Kompromiss zwischen historischer Aufführungspraxis, pandemisch notwendigen Protokollen in zeitgenössischen Präsentationen und zukünftigen Wünschen vorzustellen. Gleichzeitig ist es eine Einladung an das Publikum, seine Beziehung zu Performance, Präsentation und Improvisation auf mehreren Ebenen zu hinterfragen.

Open Air Screening

19:15-21:30 Uhr: Graduale Kino mit filmischen Arbeiten von Yalda Afsah, Rindon Johnson, Mariam Mekiwi, Didem Pekün und R A Walden

  • Didem Pekün: Tülay German - Years of Fire and Cinders (2010)

Tülay German: Years of Fire and Cinders beleuchtet das Vermächtnis der einflussreichen türkischen Sängerin Tülay German in einer Zeit sozialer Unruhen, in der ihre Musik zum Ausgangspunkt für politischen Aktivismus wurde. Als energische und engagierte Frau widersetzte sich German mit ihren beruflichen, politischen und persönlichen Entscheidungen den familiären und gesellschaftlichen Erwartungen. Didem Pekün berichtet aus erster Hand über die Künstlerin, während sie die Verbindungen zwischen Kunst, Politik und Identität erforscht - mit dringenden und berechtigten Fragen angesichts des zeitgenössischen Kontextes.

  • Mariam Mekiwi: 'abl ma 'ansa / Before I Forget (2018)

Eine Science-Fiction-Geschichte, angesiedelt in einer Küstenregion, zwischen Land und Meer, über und unter Wasser. El Captain verschwindet, einer seiner Schüler begibt sich auf eine Reise in die Tiefen des Ozeans, um das Internetkabel zu kappen, der Wasserspiegel steigt, eine Amphibienfrau erscheint an der Küste und sucht ihre Mutter und die Erinnerungen zweier Frauen in einem Krankenhauszimmer verschwimmen ineinander. Sie alle sind Mitglieder der amphibischen Geheimgesellschaft und der Wissenschaftler Dr. Sharaf versucht, sie zusammenzubringen, um die Welt zu retten.

  • R A Walden: Notes From The Underlands (2019)

Notes From The Underlands ist ein performativer Text aus den Tiefen der queeren Be_hindertenkultur. Er ist sowohl eine zukunftsorientierte Vision einer kranken, behinderten und pflegenden Utopie als auch ein dringender Aufruf zum Handeln im Jetzt. Der Text wird durch Video, Audio, großformatige Drucke und Untertitel aufgeführt und stellt die Vorstellung in Frage, dass der Körper physisch anwesend (und fähig) sein muss, um auftreten zu können.

  • Yalda Afsah & Ginan Seidl: BOY (2015)

Farahnaz ist 13 Jahre alt und wurde als "Bacha Posh" in Mazar-e-Sharif, Afghanistan, aufgezogen. Nach dieser kulturellen Praxis werden Kinder, die als Mädchen gelten, von Geburt an oder in jungen Jahren als Jungen gekleidet und in dieser sozialen "Funktion" erzogen. Farahnaz lebt bewusst mit den Freiheiten und Pflichten eines Jungen in einer von patriarchalischen Traditionen geprägten Gesellschaft - vom Fußballspielen bis zum Einkaufen für die alleinerziehende Schwester. Der Dokumentarfilm BOY erzählt Farahnaz' Geschichte und folgt parallel dazu einer 24-jährigen Afghanin in London, die auf ihre ebenfalls von dieser Tradition bestimmte Kindheit zurückblickt. Ein Film von Yalda Afsah und Ginan Seidl

  • Rindon Johnson: So weird how heaven and hell look so similar (2021)

In diesem Video habe ich einen langen Blick auf Virtual Reality Arbeits- und Gefängnissimulatoren geworfen. Verwirrenderweise wird in der virtuellen Realität die Simulation von Arbeit plötzlich zum Spiel. Die Zeit wird manipuliert, die besten Arbeitszeiten werden gesteigert, der Flow-Zustand wird erreicht und der Spieler bekommt Lust auf mehr. Diese Simulationen können stundenlang gespielt werden, man kann sich in ihnen verlieren, ihr Ertrag ist bestenfalls schwankend.

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Darüber hinaus wird Salwa Aleryanis Arbeit Raising minimum defenses (prelude) (2021) auf dem Rathausvorplatz zu sehen sein sowie Didem Peküns Plakatkampagne Free Osman Kavala (2018-fortlaufend).

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