DER UNSTERBLICHKEITSCLOWN – Konzert

Abbildung Zeitschrift "Die Bombe" - László Frecskay (Künstler), "Adalbert von Goldschmidt", 1877

László Frecskay (Künstler), "Adalbert von Goldschmidt", 1877

Wien Museum Inv.-Nr. W 2247, CC0

Adalbert von Goldschmidt (1848-1906)
Ein moderierter Liederabend mit Buchpräsentation.
Musik von Goldschmidt, Franz Liszt, Arnold Schönberg und Hugo Wolf

Im September 1935 erschien die "Goebbels-Liste", ein Verzeichnis aller zeitgenössischer Komponisten, deren Werke "ab sofort nicht mehr in irgendwelche Spielfolgen deutscher Rundfunksender oder Theaterinstitute aufzunehmen" seien. Zu den Verbotenen gehört - neben Alban Berg, Hanns Eisler, Erwin Schulhoff oder Kurt Weill - als ältester unter allen Genannten auch Adalbert von Goldschmidt. Noch dreißig Jahre nach seinem Tod fürchtete das NS-Regime die Wiederentdeckung eines Komponisten, der zu Lebzeiten als jüdischer Wagnerianer galt, und von dem man sich nach viel besprochenen Aufführungen seines Oratoriums "Die sieben Todsünden" (1871) versprochen hatte, er werde die Nachfolge Richard Wagners antreten.

In keinen anderen Komponisten seiner Generation wurden derart hohe Erwartungen gesetzt. Kein anderer wurde mit solchem Spott überschüttet, als übersteigerter Dandy, "Herr Adabei", als "Millionärkomponist" oder "Börsenjude" abgetan. "Überhaupt ist mein ganzes Leben ein Fluch!", notierte Goldschmidt in einem Brief an den Burgtheater-Schauspieler Josef Lewinsky.

Goebbels' Verbot hat seine Wirkung auch posthum nicht verfehlt: fast keines seiner Stücke war in den letzten 100 Jahren in einem Konzert zu hören. Und die Musikwissenschaft hat ein Werk, das immerhin über 200 Kompositionen in allen Gattungen umfasst und von Komponisten-Freunden wie Franz Liszt, Hugo Wolf oder Saint-Säens geschätzt wurde, bislang nicht erforscht. Das hat sich 2020 geändert: Christian Filips veröffentlichte ein Buch zu Goldschmidt, das beweist, dass dieser nicht einfach ein Wagner-Epigone war, sondern vielmehr ein genialer Dilettant, ein Zukunftsmusiker, der auf die Moderne vorausweist. Er selbst prophezeite seinen Manuskripten, sie seien "dem ewige Schlafe geweiht" und bezeichnete sich als "Unsterblichkeitsclown". An Arnold Schönberg schreibt er 1904: "An meine Auferstehung glaube ich wahrlich nicht mehr, im übrigen pfeife ich drauf".

Dieser Liederabend samt Buchpräsentation lädt dazu ein, Goldschmidts Werke in modernen Erstaufführungen neu zu entdecken und gemeinsam mit dem Komponisten auf den Wunsch nach Unsterblichkeit zu pfeifen. In einer moderierten Lecture Performance gibt die Sing-Akademie Einblicke in das Todsünden-Oratorium, dessen Aufführung im letzten Jahr pandemiebedingt auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste.

PROGRAMM

Begrüßung durch Eva-Marie von Hippel 
Gesellschaft der Freunde der Sing-Akademie zu Berlin

Liebes-Szene und Fortunas Kugel
Bearbeitung von Goldschmidts „Sieben Todsünden“ für Klavier.
Franz Liszt  / Adalbert von Goldschmidt
Dongkyu Leo Kim (Absolvent der UdK Berlin)

Buchvorstellung: Adalbert Ritter von Goldschmidt (1848-1906) - Ein Dichterkomponist im Wiener Fin de Siècle- Christian Filips

Goldschmidt-Lieder

Denk es, o Seele (Mörike)
Schilflied (Lenau)
Der Sommerfaden (Uhland)
Serenade Sicilienne
Böhmisches Volkslied
Früh, wann die Hähne krähn (Mörike)
Lass, o Welt, o lass mich sein (Mörike)

Wiener Schleim.
Goldschmidts musikalische Satiren

Kuckuckseier-Walzer, Johann Strauss (Sohn) gewidmet
Das Herz (Wiener Volkslied)
Der Rezensent (Goethe)
Zu spät (Helene Friedländer)
Liebchen heut in Gesellschaft geht (Reinhard Baumbach)
Wohin mit der Freud (Fassung für Chor) - Hugo Wolf, Goldschmidt gewidmet

Musikalische Märchen

O alter Duft aus Märchenzeit - Arnold Schönberg
Das Märchen von der Unke (Brüder Grimm)
Es ist ganz gewiss (Hans Christian Andersen)
Totenhemdchen (Brüder Grimm)
O alter Duft aus Märchenzeit - Arnold Schönberg

Die sieben Todsünden
Lecture Performance mit Auszügen aus dem Oratorium
„Die sieben Todsünden“ (1871) - Adalbert von Goldschmidt / Robert Hamerling

MITWIRKENDE

Hauptchor der Sing-Akademie zu Berlin
Julia Giebel (Sopran)
Studierende und Absolventen der UdK Berlin (Armin Horn, Laura Murphy, Thoma Wutz, Elias Schockel)
Dongkyu Leo Kim (Klavier Solo), Patrick Orlich (Orgel), Friederike Roth (Klarinette), Annette Rheinfurth (Kontrabass)

Musikalische Leitung und Liedbegleitung:
Prof. Kai-Uwe Jirka (UdK Berlin), Caspar Wein (UdK Berlin)
Lesung und Moderation: Christian Filips

https://www.sing-akademie.de/68-0-Gesamt.html?detail=der-unsterblichkeitsclown&did=1858

Info

Sing-Akademie zu Berlin
buero_ @sing-akademie.de