„NS-Kunst“? „Nachkriegskunst“? – Tagung

UdK Berlin

Kontinuitäten und Brüche in den Künstlerbiographien 1937 bis 1955

Die Universität der Künste fragt nach ihrer Geschichte im Kontext der Kunstentwicklung in Deutschland II

Die Tagung „Künstler im Nationalsozialismus“ versammelte 2013 Vorträge zu zentralen Themen der künstlerischen Arbeit, aus denen ein Überblick entstand. Der daraus hervorgegangene Forschungsstand bildet den Ausgangspunkt, der nun in einem anders abgesteckten Zeitraum und mit neuen Fragestellungen weitergeführt wird. In meinem Text „Künstlerindividuum, Kunstpolitik und die Berliner Kunsthochschule“ bin ich für die zwölf Jahre NS-Staat von drei strukturellen Phasen ausgegangen. Die explizite Frage nach den Merkmalen der „NS-Kunst“ bezieht sich auf das Spektrum von „deutscher Kunst“ in der zweiten und dritten Phase, wie sie sich nach den „Säuberungen“ der Jahre zwischen 1933 und 1937/38, nach der Exklusion angeblich „entarteter“ und „nicht arischer“ Künstler, abzeichnete.
In dieser Zeitgenossenschaft stellt sich die Haltung der Künstlerindividuen in jeder der Fallstudien empirisch etwas anders dar: in politischer Hinsicht zwischen williger und profilierter „Zuarbeit“ im Führerstaat, vereinzelter Widerständigkeit oder Anpassung an den je dominanten „Zeitgeist“, nicht selten in phasenweiser Ambivalenz. Künstlerisch blieben durchaus Handlungsspielräume zwischen kulturkonservativem Akademismus und der expressiven Modernität, wie die empirisch erfassbare Pluralität von gleichzeitigen künstlerischen Haltungen und Stilen offenbart. Veränderten sich die Haltungen der Künstlerindividuen mit dem Wandel der kultur- und politikgeschichtlichen Kontexte? In welchen Fällen orientierten sie sich am Leitbild der NS-Kunstpolitik und der Vision einer nationalen „deutschen Kunst“? Gibt es Belege für den Bezug zur rassistischen Vorstellung von „artgerechter“ Kunst?
Bei den meisten Künstlern sind zwischen 1937 und 1955 sowohl Kontinuitäten als auch Brüche auszumachen. Auch die Vorgeschichte der Künstlerindividuen mit einer oft Jahrzehnte zurück liegenden Ausbildung und einer Präsenz im Kunstbetrieb vor 1933 müssen in den Betrachtungshorizont einbezogen werden. Somit können die allgemeinen Fragestellungen erhellt und deren widersprüchliche Varianten in ihren spezifischen Ausprägungen bei den Künstlerindividuen im Detail herausgearbeitet werden. Ausgangspunkt der empirischen Erforschung der unterschiedlichen lebensgeschichtlichen Verläufe bleibt die Spannung zwischen den allgemeinen kunstgeschichtlichen Entwicklungen und den individuellen Arbeitsweisen. Welche Wandlungen zeichneten sich nach dem militärischen Zusammenbruch 1945 ab? Damit wird nach der inneren Beziehung zwischen „der NS-Kunst“ und der „Nachkriegskunst“ gefragt. Inwieweit ist der Versuch der Entnazifizierung der bildenden Künste gelungen?
Alle ausgewählten und untersuchten Künstler und Künstlerinnen stehen in einer Beziehung zur Berliner Kunsthochschule in der Hardenbergstrasse 33, der wichtigsten Kunsthochschule des Dritten Reiches. Die gleichzeitige Präsenz unterschiedlicher künstlerischer Arbeitsformen in dieser Institution bietet die Möglichkeit, die Spielräume innerhalb der nationalistischen Aufladung der „deutschen Kunst“ und den Intentionen der Künstler zu vergleichen.
Das Zusammenspiel von Radikalnationalismus und kulturkonservativer Kontinuität bildete die Realität der anerkannten öffentlichen „deutschen Kunst“ unter der Herrschaft der Mehrheit der NS-Bewegung.

Veranstaltungsort
Universität der Künste Berlin Hauptgebäude
Hardenbergstraße 33, 10623 Berlin
Raum 110; samstags ab Mittag in der Aula
Weitere Hinweise zum Forschungsfeld:
www.kulturgeschichte.udk-berlin.de