Wettbewerb Roberto Daolio

Quelle: Stefana Dilova

Projekt von Stefana Dilova

Quelle: Stefana Dilova

Projekt von Stefana Dilova

Quelle: Stefana Dilova

Projekt von Florian Gick und Leon Steffani

Quelle: Florina Gick und Leon Steffani

Projekt von Nicolas Gómez Herrera

Quelle: Nicolas Gómez Herrera

Die Arbeit von Stefana Dilova hat den diesjährigen Roberto Daolio Preis für Kunst im öffentlichen Raum gewonnen. Die Preisverleihung findet am 20. März 2019 in Bologna statt. Die Arbeit von Florian Gick und Leon Steffani erhielt eine lobende Erwähnung.

Mit der Einladung der Studierenden des Studiengangs Architektur der UdK Berlin, Fachgebiet Plastische und Räumliche Darstellung (‚prada‘), zur Teilnahme an der V. Ausschreibung des Wettbewerbs für Kunst im öffentlichen Raum ‘Premio Roberto Daolio’, wurde der Preis erstmalig um eine internationale Dimension erweitert. Die im Rahmen des Wettbewerbs stattfindenden Workshops wurden bereits in den vergangenen Jahren von internationalen Künstlern, wie beispielsweise M+M aus München, Wolfgang Weileder, Newcastle University, und Dörte Meyer, UdK Berlin, geleitet.

 

Auszug aus der Stellungnahme von Dörte Meyer

Wir haben es zu unserer Methode gemacht, der Stadt ohne genaue Kenntnis der Ausschreibung zu begegnen. Die Lektüre des Ausschreibungstextes hätte zu einer Annäherung geführt, in der es vor allem um Erwartungen, bereits existierende Vorstellungen und zeitgenössische oder historische Interpretationen einer Stadt geht, die den meisten Studierenden vollkommen unbekannt war. Der ‚unwissende Blick‘ erschein uns in dieser Situation jedoch das wertvollste, künstlerische Instrument zu sein.

Die Verführung touristischen Pfaden zu folgen ist omnipräsent. Die Stadt erscheint schön, alt und geschlossen in ihren Mauern, in deren Innerem Sehenswürdigkeiten und Museen in hoher Dichte zu finden sind.

Um diese vorgegebenen Pfade zu verlassen, haben wir jeden Tag zu einer bestimmten Zeit einen Treffpunkt außerhalb der Stadtmauern festgelegt und die Ausdehnung des Stadtgebiets in allen vier Himmelsrichtungen untersucht. Am Ende haben wir die Stadt verlassen, um eine weitere Grenze zu erreichen, und zwar die Küstenline. Jeder Ort ist eine Überraschung, auch der Tag am Meer, der die Vorstellung von Bologna reicher und komplexer macht, sowohl auf konzeptueller und historischer Ebene als auf im Hinblick auf den Ort und seine Atmosphäre.

Die Neugierde der Studierenden entzündet sich an vielen verschiedenen Phänomenen und knüpft dort an. Neben Fotos, Videos und Zeichnungen sind wir vor allem mit vielen Fragen und Rätseln nach Berlin zurückgekehrt, bei denen die künstlerische Transformation der Beobachtung in etwas Neues den Dreh- und Angelpunkt markiert. Der autoreferenzielle Aspekt der Arbeit, mit dem infolge des Fehlens eines klar definierten Auftrags gerungen werden muss, wird zum Schlüssel der Arbeit.

Dem Projekt von Stefana Dilova (1.Preis) liegt die Faszination für die Vorhänge zu Grunde, die überall in Bologna im Stadtbild vorkommen. Das Projekt schlägt Videoprojektionen auf unterschiedliche dieser Vorhänge im öffentlichen Raum vor. Sie sind sind als kurze Geschichten, inspiriert vom Alltagsleben in der Stadt, geplant und sollen von hinten auf die außen im Wind wehenden Vorhänge projiziert werden. Was wirklich hinter den Vorhängen der alten Palazzi in der Stadt passieren könnte, wird auf abstrakte Art angedeutet. Die Materialität der Stoffe, ihre Bewegung im Licht der Stadt wird verwebt mit den Imaginationen von Geschichten, die hinter ihnen stattfinden könnten.

Leon Steffani und Florian Gick (Anerkennung) haben das Experiment eines Rollenspiels gemacht: Zwei leicht beschränke Deutsche unternehmen den Versuch Lamborghini zu fahren. Auch wenn der Versuch nur zu einem kleinen Mietwagen führt, so leitet das ironische Spiel mit den Stereotypen zu einem Vexierspiel mit den zeitgenössischen Ikonen des Designs oder des Kapitalismus und den in Bologna überall präsenten historischen Ikonen der Kunstgeschichte, - gleichermaßen dadurch geeint, dass es sich in beiden Fällen in gewissem Sinne um Zeugnisse von Potenz und Macht ihrer Zeit handelt.

Als persönlich-bildliche Konsequenz formuliert der Projektvorschlag – in Form einer App, die eine augmented reality erzeugt - eine Art Transplantation der Automobil-Ikone und der eigenen Körper in ein historisches Baudenkmal der Stadt.

Der Film von Nicolas Gómez Herrera wirkt wie ein antiquiertes Computerspiel, indem wir uns auf einem Level befinden, das nur bestimmte Bewegungen erlaubt.

Die Basis dieses Levels bilden das orthogonale Struktur des Zentrums von Bologna und die Architektur mit ihren fortlaufenden Portiken, die den Ort definieren und eine Bewegung vorgeben.

Der subjektive Blick des Protagonisten bewegt sich beschleunigt, wie der einer Spielfigur, und gleichförmig sowohl durch die Stadt der Lebenden als auch durch die Stadt der Toten, die als zwei analoge Welten erscheinen. Er bewegt sich ohne jemals innezuhalten und scheint immer wieder dort vorbei zu kommen, wo er schon gewesen ist. Zwei Passagen im Film unterbrechen diesen Fluss, so wie es auch das verspiegelte Kabinett tut, das als Eingang für ein kleines Kino dient. Es reflektiert die Portiken ins Unendliche und unterbricht im selben Moment den Rhythmus, indem es im städtischen Raum eine unsichtbare Pforte in einen verborgenen Raum zum Innehalten öffnet.