Die Stadt steht derzeit mehr denn je im Fokus aktueller Debatten. Ob Klimawandel, soziale Ungleichheit, politisch-kulturelle Umbrüche oder Nahrungsversorgung: die drängendsten Probleme der Welt werden aufgrund einer anhaltenden Migration in den Städten bzw. Metropolregionen gelöst werden müssen. Die immer komplexer werdende globalisierte Welt verdichtet sich dabei in der Stadt wie unter einem Brennglas.

Städtebau als Disziplin widmet sich primär der baulich-physischen Struktur der Stadt, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nur zu architektonisch-gestalterischen Lösungen verpflichtet ist oder sich gar als autonome Disziplin gesellschaftlichen und sozialen Fragen entziehen kann. Städtebau ist geschichtlich und zeitgenössisch immer auch eine Praxis von Segregation, Exklusion und Disziplinierung. Um jedoch den Ansprüchen einer offenen demokratischen Gesellschaft gerecht zu werden, müssen Stadträume für vielfältige Nutzungen und Nutzergruppen geschaffen werden: Leben geht vor Repräsentation!

Die baulich-physischen Strukturen der Stadt oszillieren zwischen Permanenz und Wandel. Die Größe der jeweiligen Ausschläge müssen je nach Ort fein aufeinander abgestimmt werden. Der Stadt kommt als „offenes Geschichtsbuch“ eine bedeutende Rolle zum Selbstverständnis und zur Identitätsbildung einer Gesellschaft zu. Gleichzeitig muss sie jedoch wandlungs- und anpassungsfähig sein, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen meistern zu können.

Vor diesem Hintergrund soll den Studenten ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge von baulich-physischen Strukturen der Stadt und sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen vermittelt werden. Es werden dabei nicht nur Phänomene der europäischen Kernstadt behandelt sondern auch von Peripherien, Agglomerationen und globaler Urbanisierung.

Die Vermittlung einer thematisch breit angelegten Theorie des Städtebaus erfolgt in Vorlesungen und Seminaren. Ergänzend werden hierzu Stadterkundungen in Anlehnung an Lucius Burckhardts Spaziergangswissenschaft unternommen, um eigenständige kritische Lesarten räumlicher Beziehungen zu forcieren. In Seminaren und Übungen werden städtebauliche Analysen mit unterschiedlichen Fragestellungen angeleitet sowie deren grafische Übersetzung in Diagramme und Karten entwickelt.