studio raumproduktion 21 | 01: Spaces of Resilience / Resilienz* Räume

* Widerstandsfähigkeit, Widerstandskraft

In pandemischen Zeiten ist der Ruf nach der Gestaltung von Räumen, die unsere Widerstandsfähigkeit und Widerstandskraft unterstützen (wieder) in den Fokus gerückt. Wie können Resilienz-Räume aussehen? Wie fühlen sie sich an? Sind diese Räume öffentlich oder braucht es individuelle Rückzugsmöglichkeiten, um unsere Resilienz zu befördern? Wo gibt es bereits solche Räume in der Stadt, welche Nischen oder Freiräume können wir hierfür besetzen, welche (sozialen) Verbindungen müssen wir dabei eingehen, wie können diese (unter den Regeln des social distancing) erzeugt werden? Was bedeutet eigentlich Resilienz für den Einzelnen? Wie leisten wir Widerstand und wogegen?

Die resiliente Gestaltung von Räumen ist nicht nur in der aktuellen Situation der globalen Pandemie von Bedeutung - macht allerdings ihre Dringlichkeit einmal mehr deutlich. Doch auch im Kontext weiterer “Krisen” - ob ökologischer, sozialer oder politischer Natur - wird unsere Widerstandskraft zunehmend gefordert (sein). Und insbesondere für so genannte gesellschaftliche “Randgruppen” spielen Orte eine Rolle, in der sich Widerstandsfähigkeit entwickeln und manifestieren kann. Die gemeinsame Entwicklung und Ko-Produktion resilienter Räume wird folglich eine wichtige Aufgabe für (zukünftige) Stadtmacher*innen und Architekt*innen sein.

 

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Quelle: Vera Fritsche

Im Zusammenspiel mit der Initiative “Stadtwerke Marzahn” (mrzn), die seit Sommer 2020 von der Kunst- und Kulturinstitution Schlesische 27 als “experimentellen Baustelle” betrieben werden, erforschen wir im Semester, wie Resilienz im Kontext von Migration, Marginalität, Ausgrenzung und darüber hinaus im aktuellen Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie entstehen kann. Die Stadtwerke mrzn sind am Otto-Rosenberg-Platz, am östlichen Rand des Bezirks Marzahn und unweit seiner Grenze zum Land Brandenburg, angesiedelt. Der Platz liegt im Zentrum eines Industriegebiets und ist durch eine mehrspurige Straße vom Wohngebiet getrennt. Ebenfalls am Platz befindet sich das Don-Bosco-Zentrum, ein Jugendprojekt mit den Schwerpunkten Sozialarbeit und Jugendhilfe. Außerdem gibt es eine privat betriebene Wohnanlage für Obdachlose sowie den Circus Cabuwazi, der als sozialer Knotenpunkt für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen fungiert. 2015 wurde in einem ehemaligen Bürogebäude eine Notunterkunft für Geflüchtete eröffnet, die im Laufe des Jahres 2016 in eine Gemeinschaftsunterkunft umgewandelt wurde und heute überwiegend Familien beherbergt. Mit einer Aufnahmekapazität von 900 Personen ist die Unterkunft eine der größten im Bezirk - und in der Stadt.

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Quelle: Nils Koenning

Gemeinsam mit den diversen Akteur*innen vor Ort und den Macher*innen rund um die Stadtwerke mrzn, werden wir im Semester neue Allianzen zwischen Stadtplanung, Architektur, Kunst, sozialen Bewegungen und Bottom-up-Initiativen kennenlernen und weiter ausbauen. ‘Stadt-machen' wird aus der Innenperspektive erforscht und ein Verständnis von Architektur als Instrument für progressiven sozialen Wandel generiert werden. Mittels der (temporären) Gestaltung von (sozialen) öffentlichen Infrastrukturen sollen Ideen für resiliente Räume konkret entstehen und Visionen für deren längerfristige Verankerung im Kontext von aktuellen Stadtentwicklungsmaßnahmen aufgezeigt werden.

Das Semesterprojekt findet im Rahmen des internationalen Aktionsforschungsprojekts "Designing Inclusion” (DESINC) LIVE: Designing and Learning in the Context of Migration" statt. Experimentelle Lehr- und Bildungsformate werden zusammen mit Studierenden und Lehrenden der Architektur und Stadtplanung, geflüchteten Menschen, sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen horizontal entwickelt, erprobt und evaluiert. Neue Perspektiven des 'Stadtmachens' sollen durch soziales Bewusstsein und kritisches Denken und Handeln gefördert und Themen wie Migration, Subversion und Dissens, Macht und Raum, Fürsorge und Ethik, soziale Auswirkungen der gebauten Umwelt und urbane Praxis, eruiert werden. Das Studio ist Teil eines internationalen Kursprogramms und umfasst virtuelle Formate des gemeinsamen Lernens sowie zwei Live-Workshop in Berlin und Mailand (sofern die pandemische Lage dieses gestattet).

>> Bewerbung per moodle am Montag, 12.04. bis 16h
>> TN max. 12 
>> Dienstags online & offline, erstes Treffen Dienstag 13.04. 14h

Fragen? k.rohde_ @udk-berlin.de

Partner Webseiten:
>> Schlesische 27 / Stadtwerke mrzn
>> Desinc Live (in progess)