Wie unromantisch - die Muse küsst nicht, die Muse würfelt? Aleatorik in den darstellenden Künsten (Workshop) (Kopie 5)

Franziska Henschel
Wie unromantisch - die Muse küsst nicht, die Muse würfelt? Aleatorik in den darstellenden Künsten
Workshop, Deutsch/English, 2 SWS, 2 LP
Freitag-Sonntag, 6.-8.5.2016 und 20.-22.5.2016; Freitag jeweils 18-21 Uhr, Samstag jeweils 10-18 Uhr, Sonntag jeweils 11-15 Uhr, Karlsruher Straße 7a, P4 Bewegungsraum 

Wir untersuchen die Aleatorik (von lat. aleatorius „zum Spieler gehörig“, alea „Würfel, Risiko, Zufall“), die Verwendung von Zufalls-Operationen, als Mittel und Werkzeug der Inspiration, Komposition und Interpretation.

Besonders beleuchten wir die Anwendbarkeit dieser - in Musik, Literatur oder bildender Kunst nicht zuletzt durch John Cage bekannten - künstlerischen Praxis für die darstellenden Künste.

In diesem Workshop überlassen wir wichtige oder sogar wesentliche Entscheidungen über unsere darstellerisch-performativen Handlungen dem Zufall und eröffnen damit ein völlig neues (Schau-)Spiel. Entscheidungen darüber, ob, wann, wie, wo und warum eine Aktion oder Reaktion stattfindet, woraus diese besteht, wer handelt, wer Adressat*in einer Handlung ist, also Timing, Spacing, Funktion, Qualität von sprachlichen und körperlichen Handlungen, werden durch Zufallsoperationen entschieden.

Wir recherchieren, welche aleatorischen Mittel es gibt und testen in praktischen Versuchen, wann es interessant ist, diese zu verwenden, um neue Räume zu öffnen, um bekannte Muster oder Klischees zu vermeiden, und wie viele Parameter sich würfeln lassen, ohne dass es beliebig wird. Wir kreieren und probieren verschiedene Situationen, in denen Zufallsoperationen sinnvoll eingesetzt werden könnten und beobachten, welche Möglichkeiten sich durch die gefundenen Praktiken für Improvisation, Interpretation, Komposition und Zusammenspiel ergeben. 

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Studium-Generale-Schein: regelmäßige Anwesenheit und aktive Teilnahme.

Franziska Henschel, geboren 1976 in Berlin, absolvierte 1996-2000 ihr Schauspielstudium in Leipzig, bevor sie 2000-2005 festes Mitglied im Ensemble des Staatstheaters Hannover wurde. 2005-2009 nahm sie ein Regiestudium in Hamburg auf und erhielt 2009-2012 das DEP Künstlerinnenstipendium zur Weiterqualifizierung für eine Professur mit dem Forschungsprojekt „interdisziplinäre Denk- und Arbeitsweisen für das zeitgenössische Theater“. Henschel ist Dozentin der Theaterakademie Hamburg, HfMTM Hannover, UdK, AdK BW sowie Mentorin bei K3, choreografisches Zentrum Hamburg. Sie arbeitet als freie Regisseurin an Staatstheatern und in der freien Szene, inszeniert und entwickelt Stücke für Kinder und Erwachsene im Grenzbereich von Schauspiel, Performance und Tanz. Weitere Informationen unter www.textundtanz.de.