Interview

Interview mit Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer zu den Alumni-Angeboten des Berlin Career College, 6. Juli 2020

Herr Prof. Dr. Dr. Schildhauer – vielen Dank, dass Sie sich für das Gespräch Zeit nehmen. Können Sie uns kurz erklären, in welcher Beziehung das Berlin Career College und die Universität der Künste stehen?

Schildhauer: Das Berlin Career College entstand aus der Idee heraus, Menschen, die an einer Weiterbildung im Bereich der kreativen Gestaltung interessiert sind, zu uns an die Uni zurückzuholen. Das können Alumni sein, Menschen die ehemals bei uns in einem Studiengang studiert haben, aber auch andere Interessierte, die an der Universität der Künste einen Kurs oder ein Studium aufnehmen wollen. So bietet das Berlin Career College auf der einen Seite berufsbegleitende Studiengänge und Kurse an, die sich an eine Zielgruppe mit Berufserfahrung richten. Den Gegensatz bilden die grundständigen Angebote, die es ebenfalls bei uns gibt. Als Schwester des Berlin Career Colleges agiert das Career Transfer Center. Dort bekommen unsere Studierenden die Möglichkeit, an fächerübergreifenden Kursen teilzunehmen. Ähnliches gilt für unsere Alumni.

Sprechen wir über das Weiterbildungsangebot des Berlin Career Colleges – Welche Kurse werden angeboten und welche Zielgruppen sollen sie ansprechen?

Schildhauer: Wir bieten vier Masterstudiengänge, sogenannte Zertifikatskurse und eine Sommer Universität an. Die Masterstudiengänge orientieren sich am Kernangebot der Universität der Künste. Das heißt, wir haben einen Masterstudiengang Sound Studies and Sonic Arts, der im Bereich Klangkunst angesiedelt ist. Dann gibt es den Masterstudiengang Musiktherapie, der aus der Fakultät Musik entstand. Auch der Masterstudiengang Kulturjournalismus zählt zu unserem Angebot. Darin geht es um die journalistische Arbeit, um die Kultur. Außerdem bieten wir den Masterstudiengang Leadership in Digitaler Innovation an, der sich mit Gestaltung, Geschäftsmodellen und dem digitalen Handlungsraum beschäftigt. Darüber hinaus organisieren und planen wir etwa 30 Zertifikatskurse sowie die Summer University of the Arts, die etwa ebenso viele Workshops anbietet. Unserer Zielgruppe entsprechen Künstler*innen und Kreative, die Interesse am lebenslangen Lernen zeigen.

Wir würden gerne mit Ihnen über die aktuelle Situation am Berlin Career College sprechen. In welcher Form finden die Weiterbildungsangebote statt? Welche digitalen Angebote im Bereich Weiterbildung gibt es derzeit?

Schildhauer: Es gibt eine ganze Reihe von Angeboten, die wir in den vergangenen Monaten, aber auch durchaus schon davor, auf ein digitales Lehrangebot umgestellt haben. Wir haben sehr früh mit digitalen Formaten experimentiert – beispielsweise im Masterstudiengang Leadership in Digitaler Innovation.Inzwischen ist dieser Studiengang vollständig digital aufgestellt, auch in der Lehre. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Angeboten, besonders im Bereich der weiteren Masterstudiengänge und einiger Zertifikatskurse, die in einem hybriden Format durchgeführt werden, teils in der Onlinelehre, teils durch Präsenz mit sehr wenigen Teilnehmenden.

Im Rahmen der Berlin Summer University of the Arts schaffen wir es, etwa die Hälfte der Workshops auf digitale Angebote umzustellen. Im Programm enthalten sind etwa die Workshops Editing for Film and Video Art oder Curation and Communication: It’s All About... Talking mit der langjährig bei uns tätigen Dozentin Karin Kirchhoff und Gästen. Dieser Kurs bewegt sich um das Thema Kuratieren in den darstellenden Künsten. Auch Virve Sutinen, Leiterin des Festivals Tanz im August, welches dieses Jahr ebenfalls in den digitalen Raum verlegt wird, ist im Rahmen von Curation and Communication zu Gast.

Es zeigt sich eine ganze Reihe von Angeboten, die im Zuge der Corona-Pandemie und ihrer Regulierungen auf einen digitalen Ablauf umgestellt werden konnten. Wir versuchen aus dieser Zeit das Bestmögliche zu machen und unsere Angebote aufrecht zu erhalten. Ab Herbst hoffen wir, auch wieder mehr Präsenzangebote durchführen zu können. Das ist momentan allerdings noch nicht sicher.

Was zeichnet das Angebot am Berlin Career College aus?

Schildhauer: Unser Angebot besteht aus zwei Hauptelementen, die es auszeichnen. Zum einen entstehen unsere Angebote aus dem Kern der großen Erfahrung, der großen Qualität und der Reputation der UdK. Die Menschen, die in das Berlin Career College kommen, erfahren dort die gleiche Leistungsqualität, wie die Studierenden, die an der UdK zum Teil zu den besten Künstler*innen der Welt ausgebildet werden. Andererseits verstehen wir uns als Dienstleistungszentrum für Weiterbildung. Das heißt, wir verstehen, dass Menschen, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit noch studieren, besondere Anforderungen mitbringen. Insofern finden unsere Kurse häufig in Blöcken oder an Wochenenden statt.

Sie haben die Alumni bereits angesprochen. Welche Angebote gibt es konkret für diese Zielgruppe?

Schildhauer: Unser Weiterbildungsprogramm eignet sich im besten Fall für alle Alumni, unabhängig von deren Jahrgang. Wir verzeichnen einen Altersquerschnitt, der von Anfang 20 – also nach Abschluss des Bachelors – bis hin zu älteren Zielgruppen reicht. Um ein Beispiel zu nennen: Einer unserer ältesten Absolventen eines Masterstudiengangs trug das stolze Alter von 58 Jahren. Wir haben alle Demografien, alle Altersgruppen dabei. Bis zu fünf Jahre nach dem Studium können unsere Alumni noch kostenfrei grundständige Beratungen und Workshops im Career Transfer Center wahrnehmen – beispielsweise zur Existenzgründung. Nach diesem Zeitraum sind dann u.a. die Zertifikatskurse sowie die weiterführenden Workshops am Berlin Career College interessant. Speziell für Alumni bieten wir ein Alumni-Rabatt für die Summer University an.

Eine Nachfrage aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Debatte: Als wie divers schätzen Sie das Berlin Career College ein?

Schildhauer: Das Thema Diversity ist eines, das uns – und mir als Leiter des Berlin Career Colleges im Besonderen – sehr am Herzen liegt. Wir haben vor mehreren Jahren ein spezielles Förderprojekt gestartet, welches anfangs eher als Refugee Class, also als Angebot für geflüchtete Künstler*innen, angedacht war. Inzwischen konnten wir dieses Projekt ausbauen, sodass es diese Stigmatisierung nicht mehr gibt. Niemand muss sich als Refugee verstehen, um am Programm teilnehmen zu können. Wir bezeichnen es heute als Artist Training, welches sich vor allem an ausländische Studierende und Künstler*innen im Exil richtet. Auch von der sprachlichen Seite versuchen wir das Angebot gut aufzufangen, sodass das gesamte Projekt mehrsprachig stattfindet und wir zum Teil Übersetzer*innen dabeihaben. Unser Anspruch ist es, die Teilnehmenden in die Berliner Kunst- und Kulturszene zu integrieren. Dies soll als Willkommensangebot verstanden werden. Das Programm Artist Training wird über ein Förderprogramm der Senats- und Kulturverwaltung und ESF Fördermittel finanziert, sodass die Teilnehmenden gar keine oder nur eine geringe Gebühr zahlen müssen.

Die finanzielle Hürde wollen wir im Kursbereich und Workshopbereich so klein wie möglich halten. Es besteht die Möglichkeit, sich für Stipendien zu bewerben oder eine Bildungsprämie zu beantragen.

Was das Team des Berlin Career Colleges angeht, haben wir eine überdurchschnittliche Frauenquote. Wir achten intern darauf, das Gendergleichgewicht ausgewogen zu gestalten. Unsere Teilnehmenden, insbesondere im Rahmen der Summer University, aber auch unsere Lehrenden, kommen aus verschiedenen Ländern der Welt. Insofern blicken wir auf ein diverses Team am Berlin Career College.

Danke für das Gespräch und Ihre Zeit.

Das Interview führten Anna Ullrich und Amélie Berthaud.