Akademische Hochschule für die bildenden Künste 1875-1924

Die Königliche akademische Hochschule für die Bildenden Künste war eine Akademie, also eine Ausbildungsstätte für Maler, Bildhauer und Kupferstecher – allerdings hieß sie nicht ganz so. Dies ist die Ursache vieler Missverständnisse. In Berlin bestand eine komplizierte institutionelle Verschränkung: In der Zeit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches wurde der Unterricht an der Berliner Akademie der Künste reformiert. Zu diesem Zweck wurde 1875 eine eigene Ausbildungsstätte konstituiert, die kurz darauf den Namen Hochschule erhielt. Sie blieb als ‚halb-selbständige’ Einrichtung unter dem Dach der Akademie der Künste erhalten – es handelte sich gewissermaßen um eine Akademie in der Akademie.

Der Historienmaler Anton von Werner wurde 1875 als „Akademiedirektor”, das heißt als Hochschuldirektor, berufen. Als Künstler wurde er durch sein Gemälde „Proklamierung des Deutschen Kaiserreiches” in Versailles, welches in Schulbücher einging, bekannt. Er gilt als mächtiger, streitbarer, dogmatischer Widersacher der Berliner Secession. Anton von Werner besaß gute Kontakte zum Hohenzollernhof und vertrat eine stark politisierte, „offizielle” Kunst. Als Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler schloss Anton von Werner 1892 eine gerade erst eröffnete Ausstellung von Edvard Munch in Berlin und löste dadurch die Munch-Affäre aus. Drei Lehrer, unter ihnen Franz Skarbina, verließen die Hochschule infolge dieser Vorgänge.

Mit der Gründung der Secession 1898 verschärfte sich der kunstpolitische Konflikt. Während von Werners Berufung vorher weithin begrüßt worden war, machte sich in der Zeit Kaiser Wilhelms II. (seit 1888) die Kluft zur modernen Kunst auch an der Hochschule deutlich bemerkbar. Anton von Werners jährliche Reden vor den Studierenden offenbarten einen tiefen Graben zwischen akademischer Kunst und Avantgarde. Seiner ganzen Haltung nach war Anton von Werner eine Person der Gründerzeit, die in einer sich rasch verändernden Zeit bis ins 20. Jahrhundert hineinragte. Er leitete und dominierte die Hochschule bis zu seinem Tod 1915 vierzig Jahre lang.

In die Ära Anton von Werners fällt, bedingt durch den Wohlstand der Kaiserzeit, ein kontinuierlicher Ausbau der Hochschule. Waren bei von Werners Amtsantritt 1876 „Eleven” eingeschrieben, so stieg die Zahl im Laufe der Jahre auf mehr als 300. Die Hochschule befand sich anfangs noch in beengten räumlichen Verhältnissen im Akademiegebäude Unter den Linden 38, dem Alten Marstall. 1902 konnte sie das eigens für sie errichtete, noch heute genutzte Gebäude am Steinplatz in Charlottenburg, Hardenbergstraße 33, beziehen. 1896 wurde das 200-jährige Jubiläum der Akademie der Künste pompös gefeiert. An der Hochschule wirkten Lehrer wie der Genre- und Bildnismaler Carl Gussow, der Bildhauer Fritz Schaper, der Landschaftsmaler Eugen Bracht sowie die Maler Franz und Paul Meyerheim – um nur einige Namen aus dem heute nur noch wenig bekannten Milieu akademischer Kunstpflege in Berlin zu nennen.

Nach Anton von Werners Tod übernahm der Maler Arthur Kampf die Direktion. In die Zeit des Ersten Weltkrieges (1914-1918) und der Jahre danach fällt der endgültige Niedergang des inzwischen veralteten Unterrichtskonzepts. 1924 wurde die Hochschule mit der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums zusammengelegt.

Literatur

Eine hochschulgeschichtliche Monographie fehlt.