Die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft

Der Nationalsozialismus zog auch an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst und an der Staatlichen Kunstschule zu Berlin nicht ohne Übel vorüber.

Am 17. Februar 1933 überfielen Studenten in SA-Uniform die Staatliche Kunstschule in der Grunewaldstraße und hissten die Hakenkreuzfahne. Professoren wie der Direktor Philip Franck, Georg Tappert und Curt Lahs wurden bedroht und diffamiert. Einige Studierende fanden sich schon im selben Jahr als Gegnerinnen und Gegner des Nationalsozialismus zusammen, unter ihnen Fritz Cremer. Dessen Atelier, in dem auch die Bildhauerin und Tänzerin Oda Schottmüller ein- und ausging, diente dem Austausch von Informationen.

Einige ehemalige Studierende schlossen sich dem Widerstand an. Kurt Schumacher, Schüler von Ludwig Gies, und Elisabeth Schumacher, geb. Hohenemser, Schülerin von Ernst Böhm, bezahlten dafür mit ihrem Leben. Als Mitglieder der unter dem Namen „Rote Kapelle” bekannten Widerstandsgruppe, der auch der spätere Direktor der Hochschule für Musik, Helmut Roloff, angehörte, wurden sie 1942 in Plötzensee hingerichtet, im Jahr darauf Oda Schottmüller.

Die Lehrer Karl Hofer, Ludwig Gies und César Klein mussten die Vereinigten Staatsschulen zwischen 1933 und 1937/38 verlassen. Edwin Scharff wurde nach seiner Versetzung an die Düsseldorfer Akademie gekündigt. Der Kunsthistoriker Oskar Fischel wurde an der Kunstschule 1933 als Jude entlassen.

Die jüdische Malerin Charlotte Salomon konnte an den Vereinigten Staatsschulen noch ab 1935 studieren. 1938 ging sie in die Emigration nach Südfrankreich – dort entstand ihr Werk „Leben oder Theater?”, ein umfangreicher autobiografischer Bilderzyklus. Charlotte Salomon wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die UdK Berlin würdigt die wiederhergestellte Gedenkskulptur von Harro Jacob

Die von Harro Jacob geschaffene Gedenkskulptur im Ruinengarten des UdK-Gebäudes in der Hardenbergstraße 33 ist wiederhergestellt. Der von 1968 bis 2005 an der UdK Berlin tätige Künstler Prof. Harro Jakob schuf die Skulptur im Jahre 1988 zum Gedenken an jene Mitglieder der Staatlichen Hochschulen für Bildende Kunst und Musik, welche in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933-1945 aus rassistischen, politischen und religiösen Gründen verraten und aus ihren Ämtern entfernt wurden.

Literatur

Wolfgang Ruppert (Hrsg.): Künstler im Nationalsozialismus. Die "Deutsche Kunst", die Kunstpolitik und die Berliner Kunsthochschule. Köln u.a. Böhlau, 2015.

Christine Fischer-Defoy: Kunst, Macht, Politik. Die Nazifizierung der Kunst- und Musikhochschulen in Berlin. Berlin 1988, 2. Aufl. 1996.

Spuren der Ästhetik des Widerstands. Berliner Kunststudenten im Widerstand 1933-1945. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Hochschule der Künste. Berlin 1984.

50 Jahre „Machtergreifung”. Hochschule der Künste, info 2/1983.
(Publikation zu einer Ausstellung über den „SA-Sturm" auf die Staatliche Kunstschule zu Berlin)

Ateliergemeinschaft Klosterstraße. Künstler in der Zeit des Nationalsozialismus. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung. Berlin 1994.

Noch immer werden Schicksale NS-bedingter Verfolgung neu entdeckt. Erst 2013 wurde der Fall des Studenten Friedrich Waschow bekannt, der aufgrund eines angeblichen „Vergehens” gegen § 175 des Reichsstrafgesetzbuches, also aufgrund eines homosexuellen Delikts, vom Studium ausgeschlossen wurde.

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Friedrich_Waschow (PDF:190KB)