Meisterschule für das Kunsthandwerk 1899-1971

Die Meisterschule für das Kunsthandwerk geht zurück auf eine 1861 gegründete Fortbildungsschule für junge Handwerker, die seit 1899 Kunstgewerbe- und Handwerkerschule hieß. Im Jahre 1900 bezog sie einen Neubau in Charlottenburg, Eosanderstraße 1. Die Schule vermittelte zeichnerische und kunstgewerbliche Kenntnisse an Handwerker. Im Jahr 1932 besaß sie neben einer Vorbereitungsklasse und Werkstätten vier Fachabteilungen: Architektur und Raumgestaltung, Angewandte Plastik, Angewandte Malerei und Metallbearbeitung. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Schule zur Meisterschule des deutschen Handwerks der Reichshauptstadt aufgewertet (Umbenennung 1936). Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg, 1943, von Bomben getroffen und brannte völlig aus.

Nach Kriegsende 1945 wurde der Kunstschmied Karl Schmidt Direktor. 1952 folgte ihm der Keramiker Jan Bontjes van Beek. Im selben Jahr bezog die Meisterschule jenes Gebäude, das später die Hausnummer 118 in der Straße des 17. Juni erhielt und noch heute zur UdK Berlin gehört. Bontjes förderte neben den verschiedenen Zweigen der kunsthandwerklichen Ausbildung das in die Zukunft weisende Gebiet der industriellen Formgebung, das an der benachbarten Hochschule für Bildende Künste zunächst noch nicht vertreten war. Nach Bontjes Rücktritt 1959 leitete der Architekt Konrad Sage die Meisterschule kommissarisch. Im Jahr darauf wurde der Architekt Wolf von Möllendorff neuer Leiter, er amtierte bis 1971. Auch Möllendorff betonte 1967 „die Notwendigkeit der Pflege der Industrieform, die zum Begriff des ‚Designers’ geführt habe”.

1969/70 gliederte sich die Ausbildung an der Akademie für Werkkunst und Mode, wie die Schule nun hieß, in die Fachbereiche Produktgestaltung, Grafik-Design, Raum- und Baudesign sowie Mode. 1971 wurde die Akademie in die Hochschule für Bildende Künste eingegliedert.

Schulnamen nach 1945
Meisterschule für das Kunsthandwerk, bis 1964
Staatliche Werkkunstschule, 1964-1966
Staatliche Akademie für Werkkunst und Mode, 1966-1971

Literatur

Christine Fischer-Defoy: „Kunst, im Aufbau ein Stein.” Die Westberliner Kunst- und Musikhochschlen im Spannungsfeld der Nachkriegszeit. Berlin 2001, S. 202-220 und 235-238.

Hans Joachim Wefeld: Ingenieure aus Berlin. 300 Jahre technisches Schulwesen. Berlin 1988, S. 382-387.