Aktuelles Lehrangebot der MitarbeiterInnen des Forschungsprojekts im SoSe 2018

Kunst und sozialer Raum. Künstlerische Praxis der 1990er Jahre

Birgit Eusterschulte, Freie Universität Berlin

Mittwochs, 16.00–18.00 Uhr (1. Termin 17.10.2018)

Kunsthistorisches Institut, Koserstr. 20, A 336

In zahlreichen Spielarten von sozialengagierter bis zur institutionskritischen Kunst, von partizipativen und kontextuellen Praktiken bis zur künstlerischen Aneignung institutioneller Arbeitsfelder gewinnt in den 1990er Jahren eine künstlerischer Praxis an Aufmerksamkeit, die sich als Hinwendung zum Gesellschaftlichen und Politischen – zum sozialen Raum – beschreiben lässt. Mit dem künstlerischen Anspruch einer gesellschaftlichen Relevanz und Wirksamkeit verbindet sich dabei grundlegend eine Kritik an vorherrschenden Kunstbegriffen und hierarchischen Kulturverständnissen. In prozessual und häufig kollaborativ angelegten, kontextorientierten Arbeitsformaten (Projekten) anstelle von objektzentrierten Werken, im Bestreben politische Öffentlichkeit zu schaffen, kritisch zu intervenieren und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, kommt dies deutlich zum Ausdruck.

Das Seminar gibt einen Überblick über künstlerische und theoretische Ansätze und Themenfelder dieser häufig als Repolitisierung der Kunst bezeichneten gesellschaftsbezogenen Praxis der 1990er Jahre. Ausgehend von signifikanten Positionen wie Martha Rosler, Andrea Fraser, Rirkrit Tiravanija, Renée Green oder Fareed Armaly sollen unterschiedliche künstlerische Konzeptionen und Theoriebildungen in den Blick genommen werden und vor dem Hintergrund der Debatten um einen social turn in der Kunst diskutiert werden.

Einführende Literatur:

Peter Weibel (Hg.), Kontext Kunst. The Art of the 90’s, Ausst.-Kat. Steirischer Herbst ’93, Köln 1994; Nina Felshin (Hg.), But Is it Art? The Spirit of Art as Activism, Seattle 1995; Holger Kube Ventura, Politische Kunst Begriffe in den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum, Wien 2002; Shannon Jackson, Social Works. Performing Art, Supporting Publics, New York 2011; Nato Thompson (Hg.), Living as Form. Socially Engaged Art from 1991–2011, Cambridge/Mass., London 2012.

Kunst und Gefühl (Hauptseminar)

Stefan Deines und Christian Krüger / Freie Universität Berlin

mittwochs, 16 bis 18 Uhr
Sitzungsraum (SIR2)
Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 30, 14195 Berlin
1. Sitzung: 18.04.2018

Dass Kunst mit Gefühl zu tun hat, scheint ein schlichtes Faktum zu sein: Die Komödie z.B. bringt das Publikum zum Lachen, die Tragödie evoziert Trauer und die Musik vermag es, ein ganzes Spektrum von Gefühlen und Stimmungen auszudrücken. Wer diese affektiven Aspekte nicht bemerkt bzw. nachvollzieht, dem bleiben die Werke der Kunst, so scheint es, verschlossen. Dass es ein enges Verhältnis von Kunst und Gefühl gibt, heißt aber keineswegs, dass damit auch klar wäre, wie es theoretisch zu fassen ist. So lagen bereits Platon und Aristoteles darüber im Streit, wie das Theater bezüglich seiner emotionalen Wirkungen zu beschreiben und zu bewerten sei. Mit Rücksicht auf Klassiker der Kunstphilosophie und neuere Debatten zum Themenbereich Kunst und Gefühl wollen wir im Seminar dieses Verhältnis näher bestimmen. Damit verbundene Fragen lauten: Was sind Emotionen und wie hängen sie mit Sinnlichkeit und Kognition zusammen? Müssen wir ein Werk affektiv nachzuvollziehen, um es zu verstehen? Ist es rational, mit Figuren mitzufühlen, von denen man weiß, dass sie (außerhalb der Kunstwerke) nicht existieren? Dienen Kunstwerke dem Ausdruck der Gefühle der Künstlerin? Verändern und erweitern Kunstwerke unsere emotionalen Dispositionen? Gibt es so etwas wie eine spezifisch ästhetische Emotion? Ist Affektivität für Kunst insgesamt kennzeichnend oder für unterschiedliche Kunstwerke bzw. Kunstgattungen in unterschiedlicher Weise?

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