Das Julius-Stern-Institut

Musikalische Nachwuchsförderung

Das Julius-Stern-Institut, gegründet 1850 als Stern'sches Konservatorium, ist Teil der Fakultät Musik der Universität der Künste Berlin und gilt bundesweit als eine der größten und renommiertesten Einrichtungen der musikalischen Nachwuchsförderung. Derzeit erhalten etwa 70 musikbegeisterte und besonders begabte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 19 Jahren eine umfassende musikalische Ausbildung. Die Förderung besteht hauptsächlich aus intensivem, altersgerechten Einzelunterricht – dieser soll die Bildung, die an allgemeinbildenden Schulen erworben wird, nicht ersetzen, sondern erweitern.

Zusätzliche Lehrveranstaltungen in Musiktheorie und Gehörbildung, das Musizieren in Kammermusikensembles und im Julius-Stern-Kammerorchester sowie regelmäßige Auftrittsmöglichkeiten innerhalb und außerhalb der Universität runden die musikalische Ausbildung ab. Zahlreiche Studierende des Julius-Stern-Instituts sind Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe.

Von 1999 bis 2009 leitete Prof. Doris Wagner-Dix das Institut. 2010 übernahm Anita Rennert die Leitung. Sie ist seit 1994 an der Universität der Künste Berlin als Dozentin für Gitarre und Gitarrenmethodik tätig.

Ben Seegatz

Ben Seegatz

Quelle: UdK Berlin
Marika Ikeya mit Violine

Marika Ikeya

Quelle: UdK Berlin
Junges Mädchen mit Gitarre

Lenz Wiechers

Quelle: Paul Wiechers

Das Stern'sche Konservatorium

Das Stern'sche Konservatorium der Musik, Berlins ältestes Konservatorium, ist eine der bedeutenden europäischen Musikschulen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Seine Geschichte ist – bedingt durch die Katastrophen der deutschen Geschichte – voller Brüche. Das Julius-Stern-Institut bleibt, trotz seines andersartigen institutionellen Zuschnitts, eine Nachfolgeinstitution des Konservatoriums.

Das Konservatorium wird am 1. November 1850 als Musikschule für Gesang, Klavier und Komposition von Julius Stern, Adolf Bernhard Marx und Theodor Kullak ins Leben gerufen. Die private Initiative soll ein staatliches Konservatorium, dessen Gründung zu Beginn der vierziger Jahre gescheitert war, ersetzen. Der Aufbau des Konservatoriums wird zum Lebenswerk des Gesangspädagogen und Chorleiters Julius Stern, der 1857 zum alleinigen Direktor ernannt wird.

Nach dessen Tod 1883 übernimmt Sterns Schwägerin und Schülerin Jenny Meyer die Leitung des Konservatoriums. Bruno Walter, Schüler des Konservatoriums, schreibt später in seinen Memoiren: „Die Schule stand im Zeichen eines romantischen Klassizismus, der den Siegeszug des wagnérisme noch aufhielt; der ‚feierliche, etwas schwermütige Ernst’ der Schulleiterin verkörperte diesen Geist” (Vgl.: Bruno Walter: Thema und Variationen. Frankfurt/M. 1960, S. 13-64.).

Jenny Meyer folgt 1894 der Komponist, Dirigent und Geiger Gustav Hollaender, der das Institut bis zu seinem Tode im Jahr 1915 leitet. Er modernisiert das Konservatorium musikalisch wie organisatorisch und schafft ein florierendes, ohne jegliche Subvention auskommendes Geschäftskonservatorium, das vom bürgerlichen Wohlstand der wilhelminischen Epoche getragen wird. Unter der Leitung Hollaenders erlebt das Konservatorium seine Blütezeit. Seit es 1899 in der Berliner Philharmonie untergebracht ist, steigt der Besuch auf mehr als tausend Schülerinnen und Schüler pro Jahr an. Unter den Studierenden befinden sich zahlreiche Ausländerinnen und Ausländer, die ihr Musikstudium in die Metropole Berlin führt – schon damals ein weltbekannter Umschlagplatz für das Gebiet musikalische Qualifikation. Nach Hollaenders Tod wird das Institut vorübergehend in "Stern'sches Konservatorium der Musik Gustav Hollaender" umbenannt.

Neben den bereits erwähnten Musikern, gehören Robert Radecke, Friedrich Gernsheim und Alexander von Fielitz zum Leitungspersonal des Konservatoriums. Namhafte Künstler wie Hans von Bülow, Hans Pfitzner und Arnold Schönberg, Edwin Fischer und Claudio Arrau lehren Schülerinnen und Schüler wie u. a. Otto Klemperer, den japanischen Musikgelehrten Shohé Tanaka oder die Chansonette Trude Hesterberg.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung” 1933 wird das Konservatorium gleichgeschaltet. Die 2006 verstorbene amerikanische Komponistin Ruth Schönthal schilderte ihre Schuljahre als jüdisches Mädchen: 1936 wird sie aus rassistischen Gründen ausgeschlossen, die jüdischen Inhaber werden enteignet und können nur für wenige Jahre die Jüdische Musikschule Hollaender betreiben. Die früheren Besitzer und Kinder Gustav Hollaenders, Kurt Hollaender und Susanne Landsberg-Hollaender, werden wie unzählige andere Lehrende deportiert und ermordet. Das ersatzweise bestehende Konservatorium der Reichshauptstadt unter Leitung der Anhänger des nationalsozialistischen Regimes erlangt längst nicht die Bedeutung des Stern'schen Instituts.

Bis zur Gegenwart

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhält das Städtische Konservatorium in (West-)Berlin den Namenszusatz „ehemals Stern'sches Konservatorium”. In diesem kommt neben der Anknüpfung an eine Tradition, eine gewisse geschichtliche Kontinuität zum Ausdruck: Die Nationalsozialisten zerstörten zwar das Stern'sche Konservatorium in seiner geistigen Substanz, führten die Schule aber in städtischer Hand fort – die Nachfolge tritt das Städtische Konservatorium an.

Dieses Städtische Konservatorium wird 1966/67 in die damalige Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst integriert und das Julius-Stern-Institut wird als Einrichtung der musikalischen Nachwuchsförderung ins Leben gerufen. Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst geht 1975 in der Hochschule der Künste, 2001 in der Universität der Künste auf.

In den neunziger Jahren wird verstärkt betont, dass die Entwicklung musikalischer Begabung einen frühen Beginn professioneller Betreuung verlangt. Daher beschließt der Fakultätsrat der Universität 1998, das Julius-Stern-Institut gezielt zu stärken. 1999 übernimmt Doris Wagner-Dix die Institutsleitung und gründet das Julius-Stern-Kammerorchester. Im November 2000 feiert das Julius-Stern-Institut sein 150-jähriges Jubiläum.

Im Januar 2001 findet unter Leitung von Rudolf Weinsheimer der erste Auftritt der zwölf Cellisten statt, und es folgen zahlreiche Konzerte der Jungstudenten innerhalb und auch außerhalb der UdK Berlin. Im Jahr 2005 wird der Europäische Freundeskreis unter dem Vorsitz von Ottokar Hahn gegründet. Der amtierende Vorstandsvorsitzende ist Prof. Dr. Falko von Falkenhayn. Seit dem Jahr 2010 leitet Anita Rennert das Julius-Stern-Institut.

Cover einer CD des Julius-Stern-Instituts
Quelle: UDK-Berlin

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