Programm 2020

Das Symposium bietet ein vielfältiges Programm an Vorträgen, Workshops, Reading-Sessions; Probenhospitationen und Konzerten. Mit seinem Profil wirkt sich das Symposium auch als Impulsgeber in die musikalische Breitenarbeit mit Kindern an Schulen, Musikschulen, Kirchen und Vereinen hinein und bringt Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Wissenschaft, Stimmtherapie, Gesangspädagogik, Chorleitung, Musikpädagogik, Entwicklungsphysiologie und Kulturmanagement in einen lebendigen Austausch.

Vorträge

Einklang zwischen stimmlichen Voraussetzungen und Anforderungen in Kinder- und Jugendchören - Wie können Stimmforschung und Phoniatrie helfen?
(Prof. Dr. med. Michael Fuchs, Leipzig) 

 

Interpersonelle Resonanz: Ihre Bedeutung für die Entwicklung des kindlichen Selbst 
(Prof. Dr. Joachim Bauer, Berlin) 

 

Creativity: Inspiration and Meaning for Music Teaching and Learning
(Prof. Dr. Christopher Azzara, Rochester/USA) 

 

555 Jahre Berliner Jungs singen! 
Reflexionen und Perspektiven 
(Prof. Kai-Uwe Jirka, Berlin) 
 

Workshops

Umgang mit Macht und Ohnmacht in der Chor-und Ensembleleitung
(Eva Spaeth, Berlin)

"Die Musik ist die ›geistige Kunst‹", so schrieb der Dirigent Hermann Scherchen allen Dirigierschüler*innen in sein Lehrbuch des Dirigierens. Und erörterte weiter mit dem Blick auf seinen eigenen Berufsstand: "Das Geheimnis der Kunst ist das Geheimnis der Persönlichkeit". Mit dem Begriff der Persönlichkeit eröffnen wir eine sozialpsychologische Perspektive auf das Thema, denn die Persönlichkeit spielt im Umgang mit Macht und Ohnmacht eine wesentliche Rolle. Chor-und Ensembleleiter*innen bewegen sich in einem weiten Aufgaben- und Spannungsfeld, das eine Bandbreite an Führungsstilen UND eine starke Persönlichkeit erfordert. In der Sozialpsychologie sowie in der Arbeits-und Organisationspsychologie hat man sich in den letzten Jahrzenten ausgiebig mit der Identifizierung und Analyse von Persönlichkeit und Führungsstilen und ihren Auswirkungen auf das Gruppengeschehen beschäftigt. Dabei spielen auch zunehmend Fragestellungen nach ethisch-fundierten Formen der Führung im Gegensatz zu feindseligem Führungsverhalten eine tragende Rolle, sowie dem damit verbundenen unterschiedlichen Umgang mit Macht und Ohnmacht. Chor-und Ensembleleiter*innen - gleichwohl sie sich unterschiedlichen Führungsstilen bedienen - müssen sich bewusst mit der Frage auseinandersetzen, wie sie mit der ihnen zugeschriebenen Macht und dem Gefühl der Ohnmacht umgehen. Dies gilt im Besonderen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Im Workshop wollen wir uns diesem Themenkomplex sowohl theoretisch als auch in praktischen Übungen nähern.

 

Developing Musicianship through Improvisation
(Prof. Dr. Christopher Azzara, Rochester, USA)

Improvisation in music is the spontaneous expression of meaningful musical ideas-it is analogous to conversation in language. Christopher Azzara will present key elements of improvisation including personalization, spontaneity, anticipation, prediction, interaction, and being "in the moment." Interestingly, we are born improvisers; improvisation enables musicians to express themselves from an internal source and is central to developing musicianship in all aspects of music teaching and learning. In this workshop, Azzara will introduce practical and sequential techniques designed to a) develop improvisation in various musical styles and genres, b) include improvisation as an integral part of performance and instruction, and c) define relationships between listening, improvising, reading, and composing music.

 

 

Plenums-Workshop

Kinderleichtes Vom-Blatt-Singen. Die Kölner Chorschule für Kinder
(Matthias Röttger, Köln)

Blattsingen ist nur was für erwachsene Profi-Chöre? Von wegen! Bereits Kinder können diese wichtige Kernkompetenz des Singens erlernen. Die 2019 bei Carus erschienene Kölner Chorschule gibt (Kinder-)Chorleiter*innen ein neues Standardwerk an die Hand, mit welchem sie das Blattsingen in nur 30 Schritten erfolgreich vermitteln können. Durch die Methode der relativen Solmisation in Verbindung mit stimmbildnerischen Übungen werden die Chorkinder behutsam und systematisch an das Notenlesen und Blattsingen herangeführt. Das handliche und übersichtliche Material der Chorschule lässt sich in der jeweiligen Probensituation flexibel einsetzen. Der Herausgeber Matthias Röttger wird die in Köln seit Jahren sehr erfolgreich praktizierte Methodik der Kölner Chorschule im Workshop vorstellen und wertvolle Tipps für das Arbeiten mit einem Kinderchor geben.

Konzerte

Wandelkonzert „Klangräume“
Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin
Staats- und Domchor Berlin

Leitung: Friederike Stahmer und Kai-Uwe Jirka 

Filmvorführung

Mit starker Stimme
Gemeinsam singen und nebenbei erwachsen werden
Dokumentarfilm über den Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin 
Regie: Cornelia Schlemmer, Stefanie Trambow 

Was treibt Berliner Mädchen und junge Frauen dazu, sich auf so etwas "Altmodisches" wie das Singen in einem Chor einzulassen? Wie erleben junge Mädchen klassische Musik? Welche Rolle kann eine Chorgemeinschaft dabei spielen, den Platz im Leben zu finden? 


Über zwei Jahre lang haben wir die 30 Sängerinnen des Mädchenchors der Sing-Akademie begleitet. Der Film "Mit starker Stimme" beobachtet sie bei Proben und Konzerten, zu Hause und unterwegs. Da sind Polina (14), die Probleme an der Ballettschule hat, die Freundinnen Linn und Neima (12), die um die gleiche Solorolle konkurrieren und Rosa (16), die ihr Hobby zum Beruf machen will. 


Die Chormädchen gewähren Einblicke in ihre jugendliche Welt, ihre Ängste und Sorgen, ihre Träume und Hoffnungen, ihre Gedanken über ihre Zukunft.
 

Referentinnen und Referenten

Prof. Dr. Christopher D. Azzara
Professor für Musikpädagogik und Improvisation / Eastman School of Music Rochester (USA)
Christopher Azzara ist Professor für Musikpädagogik an der Eastman School of Music in Rochester/NY und dort auch als Lehrender in den Fachbereichen Jazz und zeitgenössische Musik tätig. Im Rahmen seiner Studien an der George Mason University (Bachelor of Music) und der Eastman School of Music (Master of Music and Ph.D. in Music Education) befasste er sich besonders intensiv mit Fragen zu Kreativität, Musiklernen und Improvisation. Veröffentlichungen u.a. "Developing Musicianship through Improvisation", "Creativity in Improvisation" und "Jump Right In: The Instrumental Series". Christopher Azzara ist als Arrangeur tätig und spielt in verschiedenen Ensembles u.a. mit Lehrenden der Eastman School of Music und Mitgliedern des "Rochester Philharmonic Orchestra", mit denen auch CD-Produktionen eingespielt wurden.

 

Prof. Dr. Joachim Bauer
International Psychoanalytic University / Berlin 
Univ.Prof. Dr. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Arzt, Psychotherapeut und Autor viel beachteter Sachbücher, darunter mehrerer Bestseller. Zuletzt erschient im Mai 2019 "Wie wir werden, wer wir sind - Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz". In seinen Büchern reflektiert er, welche Bedeutung neurowissenschaftliche Erkenntnisse für unser Leben, insbesondere für die Pädagogik haben. Er leitete zahlreiche Projekte an Schulen und entwickelte das "Lehrercoaching nach dem Freibruger Modell". Bauer war, neben seiner Arbeit als Facharzt für Innere Medizin und für Psychiatrie, viele Jahre in der Forschung tätig. Von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie wurde er dafür mit einem renommierten Preis ausgezeichnet. Nach erfolgreichen Jahren an der Universität Freiburg lebt und arbeitet Prof. Bauer inzwischen in Berlin, wo er an der International Psychoanalytic University eine Gastprofessur innehat und an weiteren Berliner Instituten als Dozent, Supervisor und Lehrtherapeut tätig ist.

 

Prof. Dr. Michael Fuchs
Facharzt für HNO-Heilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie
Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie, des Cochlea-Implantat-Zentrums und des Zentrums für Musikermedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Facharzt für HNO-Heilkunde und Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie. Spezialisierte Betreuung von Sängern und Musikern mit Hör- und Stimmstörungen, spezialisierte Betreuung der Kinder- und Jugendstimme. Weitere klinische und Forschungsschwerpunkte: Lehrerstimme, Kopf-Hals- Onkologie, zentrale Hörverarbeitung. Operatives Spektrum in der Phonochirurgie. Sprecher des Hochschullehrertrainings und Beauftragter für Problemorientiertes Lernen der Medizinischen Fakultät Leipzig. Umfangreiche nationale und internationale Vortrags- und Publikationstätigkeit. Lehraufträge an den Hochschulen für Musik und Theater Leipzig und Weimar sowie an der Universität Halle/Saale. Medizinischer Schulleiter an der Berufsfachschule für Logopädie Leipzig. Gründer und Leiter der Leipziger Symposien zur Kinder- und Jugendstimme, Herausgeber der Schriftenreihe "Kinder- und Jugendstimme". Präsident des Förderkreises Thomanerchor Leipzig.

 

Gudrun Luise Gierszal
Staats- und Domchor Berlin / UdK Berlin, Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin 
Gudrun Luise Gierszal ist künstlerische Mitarbeiterin beim Staats- und Domchor Berlin an der Universität der Künste Berlin. Als Leiterin des Nachwuchsbereichs liegt ihr besonderer Schwerpunkt in der Verbindung von vokalem Musizieren und audiationsbasiertem Musiklernen. Sie leitet das interdisziplinäre Berliner Symposium "Kinder singen!" an der UdK und arbeitet darüber hinaus als Chorleiterin und Korrepetitorin beim Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin. Dozententätigkeiten verbinden Sie mit mehreren deutschsprachigen Hochschulen und Musikakademien. Sie entwickelt und realisiert in unterschiedlichen Kontexten Konzertformate mit und für Kinder. Gegenstand der Arbeit ist die stete Suche nach musikalisch motivierten Formen der Musikvermittlung. Gudrun Luise Gierszal studierte Schulmusik und Sozialkunde in Frankfurt/Main. Vertiefende Studien der Elementaren Musikpädagogik erfolgten an der Hochschule für Musik Hanns-Eisler und am Gordon Institute for Music Learning (University of Buffalo/New York und University of Arlington/Texas). 2011 schloss sie ihr Masterstudium "Kinder- und Jugendchorleitung" an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ab.

 

Prof. Kai-Uwe Jirka
Direktor Staats- und Domchor Berlin, Professor für Chorleitung UdK Berlin 
Kai-Uwe Jirka ist Professor für Chorleitung und Leiter des Staats- und Domchors an der Universität der Künste Berlin, seit 2006 ist er zudem künstlerischer Leiter der Sing-Akademie zu Berlin. Sein Studium der Kirchenmusik, Orchesterleitung und Germanistik absolvierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Jirka arbeitete mit dem Rundfunkchor Berlin sowie mit dem Niedersächsischen Staatsorchester, der Kammerakademie Potsdam und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Er übernahm Choreinstudierungen für Kent Nagano, Claudio Abbado, Sir Simon Rattle u.a. Gemeinsam mit der lautten compagney BERLIN bringt er zahlreiche unbekannte Werke des 18. Jahrhunderts aus dem Archiv der Sing-Akademie zur Erstaufführung. Außerdem kamen in den letzten Jahren unter seiner Leitung Werke von Komponisten wie Jörg Birkenkötter, Michael Wertmüller, Katia Tchemberdji, Isabel Mundry und Christfried Schmidt zur Uraufführung.

 

Matthias Röttger 
Regionalkantor des Erzbistums Köln, Fachreferent für den Bereich Kinderchorleitung
Matthias Röttger (*1962) absolvierte seine Musiklehrerprüfung mit dem Hauptfach Klavier 1988 in Münster, dem folgte 1992 in Köln der Abschluss katholische Kirchenmusik (A-Examen) und ein Jahr später die Reifeprüfungen in "Orgel" und "Chorleitung" in Köln. Seit 1994 ist er als Regionalkantor des Erzbistums Köln für das Kreisdekanat Mettmann, sowie als Seelsorgebereichsmusiker, Organist und Chorleiter an St. Lambertus in Mettmann tätig. Hier hat er eine umfangreiche Chorarbeit mit sechs Chorgruppen (2 Kinder- sowie 2 Jugendchöre, Erwachsenenchor, Kantorenensemble) aufgebaut. Im Erzbistum Köln ist er Fachreferent für den Bereich "Kinderchorleitung". In dieser Funktion leitet er eine bistumsweite Kinderchor-AG. Diese Gruppe hat die Kölner Chorschule um Liedbeispiele weiter vervollständigt, eine vielbeachtete Arbeitshilfe "Kinderchor in der Gemeinde" herausgegeben sowie eine Kinderchorleiterausbildung für das Bistum entwickelt.

 

Cornelia Schlemmer
(Jahrgang 1969) studierte zunächst Musikwissenschaften an der TU Berlin, von 1994 bis 2002 Malerei an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Sie war Meisterschülerin bei Katharina Grosse und Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks Villigst. Neben der reinen Malerei bewegt sich Cornelia Schlemmer in ihren Arbeiten häufig an der Schnittstelle zwischen Bild und Raum, Musik oder auch bewegtem Bild. Sie arbeitet dabei mit Musikern, Tänzern, Bildhauern und Filmemachern zusammen oder entwickelt eigene interdisziplinäre Projekte. Sie ist Mitglied der GEDOK Brandenburg.
Seit 2006 arbeitet sie u.a. für die Sing-Akademie zu Berlin, hier hat sie u.a. die jährliche Projektleitung und Dramaturgie des Singspiels „Martins Mantel“ zum Martinstag im Berliner Dom, konzipiert Chorprojekte und arbeitet als Chorleitungsassistentin.
Cornelia Schlemmer hat drei Töchter, die sie weitestgehend erfolgreich durch die wechselvollen Jahre der Pubertät begleitet hat.

 

Eva Spaeth
Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin / Lehrauftrag für Kinderchorleitung HMT Rostock
Eva Spaeth ist seit 2012 Chorleiterin und künstlerische Mitarbeiterin beim Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin. An der Hochschule für Musik und Theater Rostock hat sie einen Lehrauftrag für das Fach Kinderchorleitung/Kinderstimmbildung inne. Sie studierte Schulmusik mit Schwerpunkt Chor- und Orchesterleitung in Karlsruhe und Psychologie (B.A.) an der Humbodt-Universität zu Berlin. Weiterführende Studien in Kinder- und Jugendchorleitung am Gordon Institute for Music Learning (University of Buffalo/New York). Zusätzlich erfolgte eine Ausbildung in professioneller Gruppenleitung am Ruth Cohn Institut für Themenzentrierte Interaktion. Als Dozentin für gruppenpsychologische Fragestellungen, die sich aus dem Verhältnis zwischen DirigentIn und Ensemble ergeben ist sie an verschiedenen Musikhochschulen und Bildungsinstitutionen in Deutschland tätig.

 

Stefanie Trambow
wurde 1982 geboren und wuchs in Zehdenick (Havel), Freiberg (Sachsen) und Berlin auf. Von 2002 bis 2009 studierte sie Kulturwissenschaften und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt (Oder) und Wroclaw und lernte Polnisch und Russisch. Im Jahr 2006/07 absolvierte sie eine Dokumentarfilmausbildung durch die Ethnographin und Filmemacherin Barbara Keifenheim im Rahmen des Seminars „Kameragestützte Recherche zur Grenzproblematik“ und ist seit 2009 freiberufliche Dokumentarfilmerin und Medienpädagogin.

Seit einigen Jahren ist sie vermehrt als Filmeditorin tätig und studiert aktuell im Master Montag an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg.