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Unsere Gründerinnen und Gründer
 

Foto: Florian Seemann

 

Im Interview mit Theresa Ebeling von HygNova

 

Was ist Ihre Gründungsidee? 

 

Die Gründungsidee von unserem Unternehmen ist, dass wir durch intelligente Technologie Schutz vor Infektionen bieten möchten. Ich selbst musste mich in diesem Jahr einer kritischen Krankenhausbehandlung unterziehen und möchte mich seitdem für die Verbesserung hygienischer Umstände in der Patientenversorgung einsetzen. Mein Mitgründer Ehsan ist Arzt und hatte mir bereits vor dem Krankenhausaufenthalt von seiner Idee erzählt, mit Hilfe einer technologischen Lösung in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu einer besseren Patientensicherheit beizutragen. Nach meinen persönlichen Erfahrungen im Medizinsektor war für mich der Aufbau von HygNova dann die logische Konsequenz.

 

Wie unterscheidet sich HygNova von anderen Messsystemen?

 

Die Stärke von HygNova ist, dass es von medizinischem Personal für medizinisches Personal entwickelt wurde. Dabei setzt unser System die vielschichtigen Forderungen der Weltgesundheitsorganisation erstmalig vollständig um, in dem es die Bedürfnisse des Personals achtet und die Wertschätzung ihrer Arbeit in den Mittelpunkt stellt. Konkret bedeutet das, dass zunächst bekannte Features wie IoT-basiertes Monitoring der Handhygiene in ein passgenaues Reminding umgesetzt werden. Allerdings können wir dabei auf lästige Wearables, welche bei anderen Messsystemen getragen werden müssen, vollständig verzichten.

Bei HygNova ist ein Touchpad die Steuerungszentrale für alle Hygieneaspekte im Krankenzimmer und analysiert unpersonalisiert Daten einer vernetzten Sensorik im Raum per Mustererkennungssoftware. Das Touchpad erinnert das Personal und die Patienten über angenehme Licht- und Tonsignale sowie direkte Ansprache in den fünf relevanten WHO-Indikationen an die Händedesinfektion. Nutzerstatistiken werden in Echtzeit über Informations- und Kommunikationstechnologie auf ein zentrales Dashboard übertragen und zeigen rechtzeitig den Bedarf an Nachschulungen oder der Modifikation von SOPs.

HygNova ist aber nicht nur ein Messinstrument für die Compliance von Mitarbeitern. Das Ziel ist eine langfristige Erhöhung der Händedesinfektionsrate. Hierzu werden Elemente der Verhaltenstheorie in HygNova eingebunden. Über direktes, positives Feedback wird dem Personal der Erfolg des Handelns auf dem Bildschirm in Nutzerstatistiken angezeigt. Weiterhin wird ein Teil der 30 Sekunden Händedesinfektionzeit mit speziell erstellten medialen Inhalten aufgelockert. Content zu Hygiene ermöglicht eine permanent adaptive Weiterbildung des Personals, während Gamification Content die Freude an routinierten Tätigkeiten steigern und den stressigen Arbeitsalltag mit positiven Ereignissen aufwerten soll.

Erst die Kombination aller Maßnahmen entspricht dem von der WHO geforderten multimodalen Vorgehen und führt auf Basis von Forschungsdaten tatsächlich zu einer nachhaltigen Bindung an den Händedesinfektionsprozess. Wir wollen so die Möglichkeit für einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Handhygiene bieten.

 

Sie haben das Berliner Startup Stipendium für Ihre Gründungsidee erhalten. Was verändert sich dadurch?

 

Bislang haben wir mit unserem Team zu dritt in einer Wohnung in Neukölln an der Umsetzung der Idee gearbeitet. Wir freuen uns jetzt darauf, über das Berliner Startup Stipendium mit anderen Stipendiaten im engen Austausch zu stehen und gegenseitig von den Erfahrungen im Aufbau unserer Unternehmen zu profitieren. Auch freuen wir uns sehr über die Anerkennung unserer Idee und die praktische Unterstützung in der Umsetzung. Wir hoffen, die finanzielle Starthilfe des Stipendiums dafür einsetzen zu können, andere Teammitglieder in unser Projekt zu integrieren.

 

Was bedeutet es für Sie, selbständig zu sein?  

 

Ich bin zum ersten Mal selbständig und freue mich auf die Freiheit, HygNova von Anfang an gestalten zu können. Auch freue ich mich auf die sehr intensive Zusammenarbeit im Team. Ich bin aber auch sicher, dass wir früher oder später auf Hindernisse stoßen werden. Neue Herausforderungen gehören aber für mich zur Selbständigkeit dazu und motivieren mich, schnell Neues dazuzulernen.

 

Welche Erfahrungen bringen Sie mit?

 

Als Studentin habe ich im hub:raum, dem Startup Inkubator der Telekom gearbeitet. Hierbei konnte ich mehrere Startups in der Gründung begleiten und mir für die eigene Selbständigkeit einiges abgucken. Mein Mitgründer Simon, der sich um die IT-Entwicklung kümmert, hat bereits acht Jahre Berufserfahrung als Developer. Ehsan hat als Arzt schon einmal erfolgreich ein Unternehmen im Bereich der medizinischen Weiterbildung mitgegründet. Wir sind uns sicher, dass die diverse Zusammensetzung unseres Teams ein Erfolgsfaktor für HygNova ist.

 

Tauschen Sie sich mit anderen Gründer/innen aus?

 

Alle aus dem Berliner Startup Stipendium werden im Aufbau ihrer Projekte Fehler machen. Wichtig ist für mich, dass HygNova im ständigen Austausch mit anderen Gründern steht, sodass wir nicht alle die gleichen Fehler machen. Dafür ist das Berliner Startup Stipendium perfekt. Natürlich werde ich aber auch meine Kontakte zum hub:raum pflegen. Schön wäre es, andere Gründer zu treffen, die wie wir einen Wandel im Medizinsektor bewirken wollen. Wir freuen uns auch immer über weitere Unterstützung für unser Team, sei es im Bereich Kommunikation, Programmierung oder Sensorik.

 

Welchen Tipp würden Sie anderen geben?

 

In der Gründung eines Unternehmens gibt es immer Rückschläge. Das können zum Beispiel ziemlich forsche Absagen oder generell Zweifel an der Idee sein. Aus unserer Sicht ist es wichtig, sich davon nicht entmutigen zu lassen und sich immer wieder selbst auszuprobieren. Elementar ist aber auch, sehr schnell dazu zu lernen, sich immer wieder anzupassen und ständig neu zu fokussieren.

 

Wie sehen Ihre langfristigen Pläne aus? 

 

Wir wollen mit HygNova Erfolg haben. Dabei ist uns neben dem persönlichen Erfolg wichtig, dass wir mit unserer Entwicklung einen gesellschaftlichen Mehrwert hinterlassen können. Dazu gehört, dass wir durch die Verhinderung von Infektionen dem Gesundheitssystem Kosten einsparen, Patienten schützen und das Personal in ihrer täglichen, verantwortungsvollen Tätigkeit entlasten. Wir hoffen dabei, in fünf Jahren nicht nur in Deutschland, sondern international etwas zur Vermeidung von Infektionen beitragen zu können. Bis wir allerdings selbst ins Ausland gehen, werden wir nachhaltige Ideen unterstützen, die sich mit Hygiene in Entwicklungsländern beschäftigen.

 

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