 Foto: Theresa Hügues
Newsletter der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten 07/2026
Liebe Leser*innen,
zu Beginn der Sommerpause möchten wir Sie noch einmal über aktuelle Themen aus dem Bereich der Gleichstellungsarbeit informieren.
Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an den Hochschulen und Universitäten beraten sehr häufig zu Vorfällen von sexualisierter Diskriminierung und Gewalt. Ein wichtiger Schritt in Richtung Professionalisierung und der Ausweitung der Beratungsstrukturen um juristische und psychologische Expertise ist der Beitritt der UdK Berlin zur Themis Vertrauensstelle. Mit der unabhängigen Beratungsstelle erweitern wir unser Unterstützungsangebot für Studierende und Mitarbeitende bei Fällen sexualisierter Diskriminierung und Gewalt. Unser Ziel bleibt es, Betroffenen niedrigschwellige, vertrauliche Anlaufstellen zu bieten und eine Kultur zu fördern, in der Vorfälle benannt werden können.
Im Newsletter blicken wir auf inspirierende Veranstaltungen zurück: Wir berichten von der Lesung mit Marion Kraft zu ihrem Roman Weltenwechsel, vom bundesweiten bukof-Netzwerktreffen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Kunst- und Musikhochschulen sowie vom Kick-off unseres Mentoring-Programmes prof*me. Gleichzeitig greifen wir aktuelle Themen auf, die uns als Hochschulgemeinschaft bewegen – etwa die Diskussion um digitale Gewalt nach den Kamerafunden an einer Berliner Hochschule. Außerdem stellen wir den Roman Molka vor, der sich eindrücklich mit digitaler Gewalt und patriarchalen Machtstrukturen auseinandersetzt.
Wir freuen uns, wenn Sie reinschauen, darüber ins Gespräch kommen, teilnehmen, oder sich einfach inspirieren lassen.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!
Ihre Vanessa Wozny
Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der UdK Berlin
|
|
AKTUELLES
|
 Foto: Themis Vertrauensstelle
|
|
Die UdK Berlin tritt der Themis Vertrauensstelle bei
Die Beratung bei Fällen von sexualisierter Diskriminierung und Gewalt ist ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an der UdK Berlin. Neben dem Schutz der Opfer ist es der UdK Berlin ein zentrales Anliegen, das Thema in der UdK Berlin sichtbar zu machen, indem wir die Beschwerdekultur im Hochschulalltag erweitern und weiter professionalisieren. Vorfälle melden, Übergriffe benennen, das soll möglichst ohne Hürden vonstattengehen können, sodass die Institution schnell und konsequent handeln kann. Mit der Themis Vertrauensstelle haben wir nun eine Partnerinstitution an unserer Seite, die uns in diesem Anliegen unterstützt.
Die Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V. ist eine in der Branche bekannte unabhängige Anlaufstelle, die vor allem psychologische sowie juristische Beratung vertraulich anbietet. Themis unterstützt Betroffene, Vorfälle einzuordnen, informiert zu möglichen rechtlichen Schritten und hat außerdem ein umfängliches Präventionsangebot.
Diese weitere externe Perspektive sowohl für Studierende als auch Mitarbeitende ergänzt das bereits bestehende Angebot der Ansprechpersonen zum Schutz vor sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und die Anlaufstelle bei Diskriminierung und Gewalt.
|
|
AKTUELLES
|
 Foto: Charlotte Freundel
|
|
Gemeinsam Richtung Professur – 20 Mentees starten ins Mentoring-Jahr
Während an der UdK Berlin das Semester zu Ende geht, ist das Prof*me-Programm in eine neue Runde gestartet – und das mit einem vielversprechenden Auftakt: Am 9. Juli wurden die 20 neuen Mentees herzlich von Vizepräsidentin Prof. Marion Hirte und der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der UdK Berlin begrüßt. Die Gruppe bringt jede Menge künstlerische Vielfalt mit: Bildende Künstler*innen, Gestalter*innen, Musiker*innen und Vertreter*innen aus Tanz und Darstellender Kunst, die in den Monaten zuvor aus 160 Bewerbungen ausgewählt wurden, gehen gemeinsam auf die Reise Richtung Professur. Beste Voraussetzungen also für spannende Perspektivwechsel und inspirierenden Austausch.
Bis Juli 2027 stehen rund 25 Workshop-Tage auf dem Programm. Zu den Themen Berufungsverfahren, Verhandlungsstrategien und Guter Lehre wird gemeinsam ausprobiert, diskutiert und weiterentwickelt. Begleitet werden die Mentees von Professorinnen und Professoren der fünf kooperierenden Kunst- und Musikhochschulen.
|
|
RÜCKBLICK
|
»Weltenwechsel« – Lesung und Autorinnen-Gespräch mit Marion Kraft
Am Mittwoch, dem 17. Juni, las Dr. Marion Kraft im Charlotte-Salomon-Saal aus ihrem Roman »Weltenwechsel« vor.
Alejandra Nieves Camacho, Beauftragte für Diversität und Antidiskriminierung der UdK Berlin, eröffnete den Abend mit einer Begrüßungsrede. Im bereichernden Austausch zwischen Marion Kraft und der Moderatorin Georgina Fakunmoju besprach das eingespielte Duo verschiedene Facetten der Protagonistin des Romans – Julia, die sich auf den reichen Wissens- und Erfahrungsschatz der Autorin stützene. So gewährte uns die Autorin und Literaturwissenschaftlerin einen tiefen Einblick in ihre Entscheidungsprozesse.
Der Roman »Weltenwechsel« widmet sich literarisch einem bislang wenig behandelten Kapitel deutscher Geschichte. Sachkundig und einfühlsam erzählt dieser von Julia, die als Kind eines Schwarzen US-Soldaten und einer weißen Mutter im Nachkriegsdeutschland aufwächst und ihren eigenen, ermächtigenden Lebensweg sucht.
Wer die Lesung verpasst hat und sich für afrodeutsche Geschichte interessiert, kann sich im Podcast »Readers gonna Read« das Gespräch zwischen Marion Kraft und Georgina Fakunmoju anhören.
Veranstaltungstipp: Bis Oktober läuft die von Georgina Fakunmoju initierte Lesereihe »AFRICAN BOOK TOUR 2026«. Unter dem Motto »5 Länder. 5 Stimmen. 5 Geschichten.« stellen fünf Autor*innen afrikanischer Herkunft, die in Deutschland leben, ihre Bücher vor und gehen anschließend auf die Erzähltraditionen und kontemporäre Literaturszene ihrer Region ein.
Die Lesungen sind kostenfrei und öffentlich sowie barrierefrei zugänglich in verschiedenen Stadtbibliotheken in ganz Berlin.
|
|
 Foto: Anita Nguyễn
|
|
RÜCKBLICK
|
bukof Netzwerktreffen Kunst- und Musikhochschulen
In diesem Jahr hat das Arbeitstreffen der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten (bukof) in Halle an der Saale/ Burg Giebichenstein stattgefunden. Wieder kamen viele neue und schon bekannte Kolleg*innen aus ganz Deutschland zusammen – 20 insgesamt. In diesem Jahr lag der Fokus auf den Themen Rekrutieren, Bewerbungen auf eine Professur an einer Kunst- und Musikhochschule, viel kollegialer Austausch u.a. zum Professorinnenprogramm 2030 und strukturellen Fragen der Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsarbeit. Ein herzlicher Dank geht an das ganze Gleichstellungsteam „der Burg“.
Beim Thema „faire Berufungsverfahren an Kunsthochschulen“ hat sich gezeigt, wie, wann und in welcher Form Gleichstellungsaspekte in den Berufungsverfahren beachtet werden und wie diese zwischen unseren Hochschulen variieren – einige Hochschulen haben schon eine gute gelebte Praxis und Handreichungen, andere sind auf das Wohlwollen und die Sensibilisierung der Kommissionsmitglieder angewiesen. Innerhalb des Arbeitstreffens fand sich eine AG „faire Berufungsverfahren an den Kunsthochschulen“, die das Ziel verfolgt, eine bukof-Veröffentlichung mit Handlungsempfehlungen und best-practice Beispielen für Kunsthochschulenzu erarbeiten.
Die Kolleg*innen in Halle treibt die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt um. Die Befürchtung einer Regierungsübernahme durch die AfD ist groß und an der Burg Giebichenstein werden alle möglichen Ressourcen und Initiativen in Gang gesetzt, um einen Wahlsieg einer rechten Partei zu verhindern. Deren Wahlprogramm beschreibt sehr deutlich den Abbau von Strukturen, die zur Förderung von Gleichstellung und Antidiskriminierung beitragen.
Ein Bündnis aus 13 Organisationen aus Wissenschaft, Gewerkschaften und Studierendenvertretungen sieht in der AfD eine Gefahr für die Wissenschaftsfreiheit. Die Landtagswahl sorgt auch in der Wissenschaftscommunity für Unruhe. Die Pläne der AfD sehen vor, die Mitbestimmung einzudämmen, den Professoren mehr Macht einzuräumen und nur noch bestimmte Forschungsfelder zu finanzieren.
Nun haben sich erstmals wissenschaftliche Initiativen, Studierendenvertretungen und Gewerkschaften in einer gemeinsamen Stellungnahme gegen die hochschulpolitischen Vorstellungen der AfD positioniert.
Link zum Artikel von Forschung & Lehre
|
|
 Foto: Büro der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten  Foto: Büro der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten
|
|
AKTUELLES
Kamerafund in Damentoilette
Erst vor wenigen Wochen wurde über den Fall von Collien Fernandez zu den verschiedenen Formen von digitaler Gewalt öffentlich diskutiert. Leider sind oftmals aktuelle Anlässe der Grund für eine ausführlichere Berichterstattung. Im Juni wurden in Damentoiletten der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlins (HWR) Kameras gefunden, die Filmaufnahmen auf einer Speicherkarte aufnehmen.
Nun wird das Thema Digitale Gewalt nicht mehr im Kreis von Personen des öffentlichen Interesses diskutiert, sondern greift auch in den nahen Hochschulalltag ein. Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Petra Sußner von der HWR Berlin forscht auf diesem Gebiet und erklärt, welche Folgen digitale Gewalt für Betroffene hat.
Als Reaktion auf die Kamerafunde an der HWR haben alle Berliner Hochschulen die hauseigenen Toiletten auf versteckte Kameras überprüft.
|
|
PUBLIKATION
|
 Foto: Verlag Kiepenheuer & Witsch
|
|
Molka
Das Thema von Kameras in Toiletten greift auch der Roman von Monika Kim auf: „Molka“ ein von weiblicher Wut getriebener Rache-Thriller, der die Themen sexualisierte Gewalt, Voyeurismus und patriarchale Strukturen in der koreanischen Gesellschaft schonungslos aufarbeitet.
Junyoung liebt es zuzusehen, wie Frauen durch seine illegalen Kameras ihre Privatsphäre verlieren. Er wähnt sich sicher in seinem Doppelleben. Dahye verwandelt Scham in blinde Wut und startet einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen ein System, das Voyeure schützt und Opfer vernichtet.
Das Wort Molka ist koreanisch: 몰카. Und die Abkürzung für Mollae-Kamera (몰래카메라) – „versteckte Kamera“ – wird verstanden als das heimliche Filmen von Personen im privaten Raum, häufig in Umkleiden oder Toiletten.
|
|