Rede des Stifters Winfried Wohlfeld

Quelle: © Jakob Tillmann
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Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Rede des Stifters Winfried Wohlfeld anlässlich des Festkonzertes zur Flügelschenkung am 6. Dezember 2025

 

Aus meiner Jugend habe ich einen Satz von John F. Kennedys aus dem Jahr 1961 in Erinnerung behalten:

Ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country.

Dieser Satz des jungen, frisch ins Amt ernannten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat für mich bis heute Gültigkeit. Auch ich war und bin zutiefst davon überzeugt, dass bürgerschaftliches Engagement im Aufbringen von Zeit, Energie oder auch Geld zu mehr sozialer Gerechtigkeit, sozialem Frieden und damit zu mehr Lebensqualität führt.

Als ich vor 15 Jahren die Stiftung am Grunewald gründete, stand ich am Ende meines Berufslebens und war schon gut über 65 Jahre alt. In den ersten 25 Jahren meiner Laufbahn hätte ich mir nie vorstellen können, eine Stiftung zu gründen. In dieser Zeit ist man auf Sicherung des Lebensstandards, auf die Absicherung der eigenen Familie bedacht. Erst wenn diese Ziele erreicht sind wird man frei für Gedanken, wie man der Gesellschaft etwas zurückgeben, sich engagieren kann. Für mich war das die Gründung einer Stiftung.

Hierfür spielte auch meine persönliche Biografie eine gewisse Rolle. Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen, habe keine Erbschaften erhalten und musste meinen Lebensweg im Wesentlichen selbst bestreiten. Nach meinem Studium – Betriebswirtschaftslehre und Jura – war ich überwiegend als Wirtschaftsanwalt tätig, und die Kombination beider Fächer ermöglichte mir dann auch einen gewissen beruflichen Erfolg.

Meine Herkunft hat mich stark geprägt und ist die Basis einiger meiner grundsätzlichen Werte, die ich auch auf meine Stiftung übertragen habe:

1. Es trägt zum eigenen Selbstwertgefühl bei, aus eigener Kraft zu schaffen. Und nur Geld, das man selbst erarbeitet und verdient hat, weiß man wirklich zu schätzen. So soll meine Familie, meine Kinder und Enkel, zwar eine gewisse Grundausstattung erhalten, ich wünsche mir aber, dass sie sich ihren eigentlichen Lebensunterhalt selbst erarbeiten.

2. Übermäßige Luxusgüter, eine Yacht im Mittelmeer, ein Ferrari oder eine teure Rolex sind für mich keine Werte, die meine Lebensqualität in irgendeiner Weise bereichern könnten.

3. Die Gesellschaft in der wir leben hat es mir ermöglicht, eine gute Ausbildung zu erhalten. Und ich habe in dieser Gesellschaft Geld verdient, das über meinen persönlichen Bedarf hinaus geht. Damit ist es nur konsequent, dieses Geld auch wieder der Gesellschaft zurückzugeben. Das versuche ich mit meiner Stiftung.

4. Wichtig ist mir dabei ein möglichst hoher sozialer und gesellschaftlicher Mehrwert.

Natürlich darf der Staat nicht aus seiner Pflicht und Verantwortung entlassen werden. Doch in der heutigen Zeit kann unsere Gesellschaft ohne private Unterstützung oder ehrenamtliches Engagement kaum noch funktionieren. Dies abzugrenzen wird immer ein Streitpunkt sein; das sollte aber niemanden davon abhalten, sich sozial zu engagieren. 

Dazu muss man keinen Verein, keine gGmbH und auch Stiftung gründen. Das kann jede und jeder, der sich sozial engagieren möchte. Betätigungsfelder gibt es genug – die von mir gegründete Stiftung am Grunewald unterstützt in erster Linie Projekte für Kinder und Jugendliche.

Von dort war es ein kleiner Weg zur Universität der Künste Berlin: Vor einem Jahr, als die Senatskürzungen noch verdaut werden mussten, berichtete mir der Dekan der Fakultät Musik der UdK Berlin Prof. Eckhard Hübner von dem alten Flügel, der hier im Konzertsaal stand. Er war längst in die Jahre gekommen, bereits vielfach repariert worden und für eine bestmögliche Ausbildung von jungen Studierenden nur noch sehr bedingt tauglich. Schnell wurde deutlich: Wenn der Musikabteilung der UdK Berlin etwas wirklich helfen würde, dann wäre es ein neuer Flügel.

Nun benötigt exzellente Ausbildung ein exzellentes Instrumentarium, und ein Steinway Flügel ist tatsächlich das Kronjuwel der musikalischen Instrumente.Und Kronjuwelen kosten: Die im Raum stehende Summe für den neuen Konzertflügel ist die größte Einzelförderung, die meine Stiftung bisher getätigt hat. Ich entgegnete damals, das sei sehr viel Geld für eine spezielle Elitenförderung, zumal unser Schwerpunkt eher bei Kinder- und Jugendförderung liegt“. Aber das konnte Prof. Hübner natürlich problemlos rechtfertigen.

Denn wenn eine der angesehensten Universitäten in Europa bei der Ausbildung der jungen heranwachsenden künstlerischen Eliten in diesem Maße sparen muss, dann ist das insbesondere für Berlin nicht mehr nachvollziehbar. Geldknappheit hin oder her: Wir müssen schon den Anspruch aufrechterhalten, unserem Nachwuchs die bestmögliche Förderung zu bieten. Diese Generation soll schließlich einmal kulturelle Standards setzen. Sie soll die nachwachsende Generation inspirieren, für ein hohes künstlerisches Niveau sorgen und gleichzeitig den musikalischen Fortschritt prägen.

Dieser Flügel kann hier nur eine kleine Unterstützung sein. Und ich freue mich, meinen Beitrag mit dieser Schenkung leisten zu können. Denn ich bin sicher, dieses Instrument wird junge Pianistinnen und Pianisten zu Höchstleitungen beflügeln, Zuhörer faszinieren und Herzen berühren.


Winfried Wohlfeld ist Gründer, Vorstandsvorsitzender und Stifter der Stiftung am Grunewald
info_ @stiftung-am-grunewald.de