Aureus-Quartett
Aufführung des ersten Satzes aus dem Streichquartett op. 88 von Nikolai Kapustin
Im Zusammenhang mit dem Open Call UdK x Berlin versteht sich die Aufführung des ersten Satzes des Streichquartetts von Nikolai Kapustin als situative Aushandlung zwischen Universität, Stadt und Publikum. Das urbane Gefüge wird dabei nicht als Kulisse, sondern durch das Julius-Stern-Institut als Resonanzraum verstanden, als Ort gemeinsamer Aufmerksamkeit, historischer Verantwortung und gegenwärtiger künstlerischer Praxis. In diesem Sinne wird die UdK Berlin nicht im klassischen Sinne repräsentiert, sondern im Dialog mit der Stadtgesellschaft und ihrer vielschichtigen Geschichte befragt.
Das Julius-Stern-Institut bildet hierfür einen ebenso konkreten wie symbolisch aufgeladenen Ausgangspunkt. Seine Geschichte, von der Gründung des Stern’schen Konservatoriums im Jahr 1850 und der Übernahme in den alleinigen Besitz von Julius Stern im Jahr 1856 über seine Bedeutung als jüdisch geprägte Institution europäischer Musikbildung, bis hin zur Enteignung durch Zwangsverkauf im Jahr 1936 und der Ermordung der damaligen Eigentümer, ist untrennbar mit der Geschichte Berlins verbunden. Die spätere Integration der verbliebenen Institution in die Hochschule der Künste Berlin, die 2001 in Universität der Künste Berlin umbenannt wurde, markiert zugleich die Fortführung dieses Erbes. Diese Geschichte wirkt bis heute fort – im Selbstverständnis des Instituts als Ort höchster künstlerischer Qualität, gesellschaftlicher Offenheit, historischer Verantwortung und gelebter Vielfalt.
Vor diesem Hintergrund rückt das Projekt gezielt jüdische und nicht-jüdische junge, talentierte Musiker*innen des Julius-Stern-Instituts in den Mittelpunkt. Das Streichquartett als Formation steht exemplarisch für zentrale Werte des Instituts: Gemeinschaft, gegenseitiges Zuhören und ein hohes Maß individueller Verantwortung innerhalb eines kollektiven künstlerischen Prozesses. Zugleich ermöglicht diese Besetzung eine unmittelbare und transparente Form der Kommunikation mit dem Publikum.
Mit der Aufführung des ersten Satzes aus dem Streichquartett op. 88 von Nikolai Kapustin wird ein Werk gewählt, das produktive Vielstimmigkeit hörbar macht. Kapustins Verbindung klassischer Form mit jazzbasierter Sprache, entstanden unter Bedingungen kultureller und räumlicher Trennung, verdeutlicht, wie Vielfalt als schöpferische Kraft wirkt: selbstverständlich, progressiv und über Grenzen hinweg verbindend.
Biografien
Das Aureus Quartett gründete sich im Oktober 2025 am Julius-Stern-Institut der Universität der Künste Berlin. Das Ensemble besteht aus der 14-jährigen Shira Fuchs (1. Violine), der 13-jährigen Laila Honda (2. Violine), dem 16-jährigen Jakob Maximilian Rau (Viola) sowie dem 16-jährigen Lennard Noah Voigt ( Violoncello ).
Alle vier Musiker:innen verbinden eine intensive solistische Ausbildung mit einer frühen und kontinuierlichen Begeisterung für Kammermusik. Bereits kurz nach der Gründung trat das Quartett erfolgreich in ersten öffentlichen Konzerten auf und überzeugte durch ein hohes Maß an gemeinsamer musikalischer Gestaltung.
Das Aureus Quartett wird vom Leonkoro Quartett unterrichtet und wird darüber hinaus durch das Julius-Stern-Institut gefördert. Die Mitglieder sammeln parallel umfangreiche Solo-, Orchester- und Kammermusikerfahrungen in renommierten Nachwuchsensembles. Alle vier Musiker:innen sind Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe. Shira nahm zuletzt am Perlman Program for Outstanding Musicians teil; Laila Honda, Jakob Rau und Lennard Voigt sind Stipendiat:innen der Deutschen Stiftung Musikleben.
Im März wird das Aureus Quartett beim großen Benefizkonzert des Julius Stern Instituts zugunsten rheumakranker Kinder teilnehmen. Im April 2026 gestaltet es eines der renommierten Lunchkonzerte in der Philharmonie Berlin.