Constantin Hartenstein
HDL (I-V), 2025-
HDL ist eine skulptural-zeichnerische Arbeit, die sich mit dem Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz und dessen bildpolitischer Gestaltung auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist das Fassadenmosaik „Unser Leben“ von Walter Womacka, das in den 1960er-Jahren für das Gebäude entwickelt wurde. Dessen serielle Bildstruktur, figürliche Typologien sowie normative Motive und formale Ordnungen bilden das Ausgangsmaterial des Werkes.
Hartenstein zerlegt diese Segmente und übersetzt sie in eine queere Zukunftsperspektive. HDL überführt Motive und Kompositionsprinzipien des Mosaiks in lineare Metallzeichnungen auf Beton, die durch Lötverbindungen zusammengehalten werden. Die Linie fungiert als konstruktives und fluides Element, hält und destabilisiert zugleich. Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Ordnung über monumentale Kunstwerke im öffentlichen Raum organisiert wird und wie Reduktion, Verschiebung und Materialwechsel neue Lesarten von Kunst am Bau eröffnen.
Biografie
Constantin Hartenstein ist ein in Berlin lebender Künstler, der an der Schnittstelle von Technologie, Queerness und dem menschlichem Körper arbeitet. Er studierte an der Universität der Künste Berlin und an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, wo er als Meisterschüler abschloss. Hartensteins Arbeiten umfassen multimediale Installationen, die Skulptur, Performance und Video miteinander verbinden. Sie reflektieren post-digitale Materialität, spekulative Zukünfte und hinterfragen gesellschaftliche Normen, Identität und die Kommerzialisierung queerer Ästhetik. Mit einem stark materialbasierten Ansatz integriert er transluzente Materialien, synthetische Stoffe und codierte Pigmente, um mit historischen Narrativen und zeitgenössischer Technik visionäre Utopien zu entwerfen. Seine Werke werden international ausgestellt, etwa in der Neuen Nationalgalerie Berlin, der Göteborg Biennale, im Studio Berlin/Berghain/Sammlung Boros, der Berlinischen Galerie, im Museum of the Moving Image in New York und Kunstmuseum Bonn.