Seonkyu OH
Holzzeit
Das Lichtprojekt untersucht Licht als ein Medium, das durch Zeit, materielle Erinnerung und angesammelte Erfahrung geprägt ist. Mithilfe von Holzquerschnitten als aktive Lichtfilter hebt die Leuchte die Jahresringe von Bäumen als Zeugnisse von Wachstum, Widerstandskraft und Regeneration hervor. Jeder Ring spiegelt Jahre wechselnder Bedingungen, Phasen der Belastung und allmählicher Erholung wider und lässt Licht durch ein von Zeit geformtes Material statt durch Perfektion hindurchtreten.
Das Projekt wurde als Serie von drei Typen entwickelt – einer kleinen Tischleuchte, einer größeren freistehenden Leuchte und einer mittelgroßen Wandversion – und überträgt eine konsistente Gestaltungssprache auf unterschiedliche Maßstäbe und räumliche Kontexte. Der Auswahl- und Herstellungsprozess ist dabei zentral: Das Holz wird sorgfältig ausgewählt, unter Berücksichtigung von Wuchsmustern, Stärke, Feuchtigkeitsgehalt, Dichte und Ölgehalt, wodurch deutlich wird, dass kein Stück Licht auf die gleiche Weise filtert wie ein anderes.
Durch die Verbindung traditioneller Holzverarbeitung mit zeitgenössischen Techniken wie dem 3D-Druck ist das Projekt zugleich funktional und reflektiv. Im Kontext Berlins richtet es sich an Menschen, die mit Unsicherheit und anhaltender Anstrengung umgehen, und bietet eine stille Bestätigung dafür, dass kontinuierliches Wachstum, Geduld und Beständigkeit zu Resilienz führen können – indem Licht zu einem Symbol für Durchhaltevermögen, Stabilität und Vorwärtsbewegung wird.
Biografie
Seonkyu OH (Morgun) ist eine in Berlin ansässige Produkt- und Lichtdesignerin, die derzeit an der Universität der Künste Berlin (UdK Berlin) studiert. Ihre Praxis wurde durch prägende Erfahrungen im Umgang mit natürlichen Umfeldern in Australien sowie durch über ein Jahr des eigenen Designs und der Fertigung unter der Anleitung eines japanischen Schreinermeisters beeinflusst. Sie erkundet die Schnittstelle zwischen traditionellem Handwerk und zeitgenössischer Produktion durch Holz, 3D-Druck und Mischmaterialien. Mit einem Fokus auf Licht als Medium untersucht ihre Arbeit, wie Materialvariationen, Struktur und Herstellungsprozesse Atmosphäre und sinnliche Wahrnehmung prägen und reflektiert ein fortwährendes Interesse an Materialnarrativen, Imperfektion und Experimentation.