crescendo26: GegenTöne
…nicht nur Rosen, sondern auch Dornen… – crescendo
Drei völlig gegensätzliche Werke des 20. Jahrhunderts, die in ihrer technischen und emotionalen Ausführbarkeit an äußerste Grenzen gehen, bilden das einmalige Programm dieses Abends.
Mieczysław Weinberg: Klavierquintett op. 18
LeošJanáček: Capriccio für Klavier linker Hand und Bläserensemble
Helmut Lachenmann: Pression für einen Cellisten
Kaori Furusawa, Mark Gothoni, Violine / Charlotte Stickel, Viola / Irena Josifoska, Katarina Leskovar, Violoncello / Eva Faganelj, Flöte / Ido Moran, Tamás Toma, Trompete / Beatriz Fernandez, Miguel Gonçalves, Diogo Mendes, Juhyeon Seo, Posaune / Gottlieb Wallisch, Klavier / Roy Hoshen, Leitung / Prof. Dr. Ulrich Mahlert, Moderation
„Vzdor“, auf Deutsch „Trotz“ – das ist der alternative Titel von Leoš Janáček Capriccio für Klavier linker Hand und Bläserensemble. Er komponierte das Stück für den kriegsinvaliden Pianisten Otakar Hollmann. Dass er trotzdem sein Spiel fortsetzen konnte, verdanken wir u. a. dieser Komposition, in der lyrische Dialoge von Klavier und Bläsern, echo-gleiche Phrasen und schnelle, klanggewaltige Klavierläufe keine Sekunde das Aussparen der rechten Hand vermuten lassen. In dieser Musik soll nichts unkompliziert oder angenehm ablaufen, sie sucht den extremen Ausdruck an der Grenze der Ausführbarkeit. [SNF1] Jeder Ton soll nach Janáčeks Forderung „blutvoll“ erklingen, und jedes Stück „sollte nicht nur Rosen, sondern auch Dornen enthalten“.
Bis an die Grenze der Spielbarkeit geht Helmut Lachenmann, der dieses Jahr seinen 91. Geburtstag feiert, in Pression für Cello solo – ein singuläres Werk, in dem kein einziger Klang in tradierter Spielweise erzeugt wird, sondern nur neuartige oder alternative Techniken erforderlich sind. „Hören heißt hier auf keinen Fall wieder: zustimmend mitvollziehen“, schreibt Lachenmann, der sich damit an gängigen Hörgewohnheiten reibt und instrumentaltechnische Widerstände offenlegt.
Ein Leben unter Terrorregimen: Der 1919 in Warschau geborene polnische Jude Mieczysław Weinberg verlor seine Eltern und seine Schwester im Arbeitslager Trawniki, er selbst konnte noch rechtzeitig fliehen; aber auch unter dem Kommunistischen Staat muss er vieles erdulden. Von diesen Erfahrungen spricht seine Musik auf exemplarische Weise: Sein eindringliches und hoch dramatisches Klavierquintett aus dem Jahr 1944 entstand kurz nach seiner Übersiedlung nach Moskau. Das tragische Gesamtkonzept und der extreme Umfang lassen den Hörenden die Widersprüche des Zweiten Weltkriegs nachspüren.
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