Studium Planetare - contamination*scapes – Vortragsreihe

SP

land*scapes

24.11.2025

Sonne unter Tage

Ein Schotterweg am Dorfrand, durch Felder hindurch bis rüber zum Zaun, eingezeichnet in die Karte ehemaliger Uranabbaugebiete in Sachsen und Thüringen. Die sowjetische Aktiengesellschaft SAG Wismut baut dort von 1946 bis 1990 Uran für das Atomwaffen-programm der UdSSR ab. Oben strahlt der Sozialismus in die Zukunft, aus der aufgerissenen Erde strahlt ein uraltes Gestein. Die DDR Umweltbewegung wirft ein Schlaglicht auf den Weg. Nacht. Dunkelheit. Eine Gruppe von Menschen, eine Taschenlampe, eine Schaufel, ein Röntgenstreifen wird im Schotter vergraben. Der Boden belichtet den Film, hinterlässt eine Spur seiner unsichtbaren Strahlen. 

Der Film SONNE UNTER TAGE folgt dieser Spur horizontal durch die heutigen, von Abbau und Sanierung geprägten Landschaften und vertikal durch den Boden als Archiv. Tiefenbohrungen durch Raum und Zeit spüren den sedimentierten Narrativen nach, die das Element Uran materiell, metaphorisch und geopolitisch umgeben. Wie sucht es die Landschaft heim? Wie verbindet es sich mit dem Geist des Sozialismus? Welche Geschichten und Biographien umlagern seine Ausgrabungsstätten? Wie strahlt es in seinen Aufzeichnungsmedien nach? Wie lässt sich das Spektrum des Sichtbaren verschieben, um seine unsichtbare Strahlung ins Bild zu bringen, sie hörbar oder spürbar zu machen?
 

Mareike Bernien lebt in Berlin und arbeitet als Künstlerin, Filmemacherin und Lehrende im Bereich filmischer Forschung und kritischer Archivpraxen. 
Seit 2018 ist sie Teil der Produktionsplattform pong film.

Alex Gerbaulet lebt in Berlin und arbeitet als Filmemacherin, Produzentin und Filmvermittlerin im Bereich zwischen Videokunst, Essay- und Dokumentarfilm. 
Seit 2014 ist sie Teil der Produktionsplattform pong film.

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Landschaften sind Erinnerung – sie vergessen weder Kolonialismus noch Klimakrise, und sie werden sich auch an KI erinnern. Bodenproben sind nicht der einzige Beweis dafür, wie menschliche Ideen und Aktivitäten Landschaften prägen. Wenn wir lernen, sie zu lesen, sehen wir mehr als Wälder, Meere, Berge und idyllische Natur. Sie sind das Ergebnis von Zuschreibungen, Eingriffen und Machtverhältnissen – und tragen Spuren von Kolonialismus, Rohstoffabbau und ökologischer Zerstörung. Gleichzeitig eröffnen sie Räume für Widerstand, Regeneration, Fürsorge, Vielfalt und Kreativität. Sie erzählen von Grenzen und Widerstand, von Fürsorge und Vertreibung.

In unserer Wintervortragsreihe begegnen wir jede Woche einer dieser Landschaften und künstlerischen Perspektiven auf Klimagerechtigkeit. Methoden und Praktiken zeigen, wie Landschaften durch Sprache, Perspektiven und Grenzen geprägt sind – und wie je nach Blickwinkel unterschiedliche Wahrnehmungen entstehen. Wie prägen wir Landschaften und wie prägen sie uns? Was muss sich ändern, um die Grundlagen des Lebens zu erhalten? Und welche Rolle kann Kunst dabei spielen?

Wir laden euch ein, Teil dieser Landschaften zu werden: ihnen zuzuhören, sie zu fühlen und sie kreativ zu verändern. Gemeinsam schaffen wir eine Winterlandschaft voller Wissen, Erfahrungen und Begegnungen über die Studiengänge hinweg. Die Veranstaltung endet mit einem gemütlichen Heißgetränk.

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demnächst:
01.12. hybrid *scapes - mit Elly Clarke
08.12. material*scapes - mit bc architects
15.12. learn"scapes - mit new visions
12.01. care *scapes - mit Emma Holton
19.01. sound*scapes - mit Klanglandschaften
26.01. final *scapes session

https://klasseklima.org/projects/summer-lecture-series-2025

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