Retelling The Rural: Caporciano

Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch

Caporciano, ein kleines Dorf in den Abruzzen nahe Rom, ist wie viele Orte der Region von Abwanderung geprägt und wurde 2009 durch ein verheerendes Erdbeben stark zerstört. Obwohl der italienische Staat und die EU in den letzten zehn Jahren Milliarden für den Wiederaufbau ausgegeben haben, bleibt das Dorf weitgehend leer, und die Renovierungen zeigen bisher kaum Wirkung auf die Bevölkerungszahl.

Auf der Suche nach neuen Perspektiven initiierte ein lokaler Akteur 2021 eine Kooperation mit dem Architekturstudiengang der UdK Berlin. Im Rahmen eines einjährigen Vertieferprojekts entstand die Idee, Caporciano als Reallabor für nachhaltige Stadtentwicklung zu nutzen, das Architektur, künstlerische Methoden und partizipative Ansätze kombiniert.

Die Studierenden arbeiteten vor Ort, führten Interviews mit Bewohner*innen und analysierten die Gebäude- und Ortsstruktur. Daraus entwickelten sie vielfältige Konzepte – von der Instandsetzung öffentlicher Gebäude über präzise Eingriffe in die Ortsstruktur bis zu landschaftsplanerischen Projekten. Höhepunkt war eine Workshopwoche im Dorf, in der Entwurfsideen visualisiert und gemeinsam mit der Bevölkerung diskutiert wurden, um eine langfristige, nachhaltige Vision für Caporciano zu entwickeln.

Quelle: Tizian Alkewitz
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Tizian Alkewitz
Quelle: Tizian Alkewitz
Quelle: Tizian Alkewitz
Quelle: Tizian Alkewitz
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch

Im Anschluss an die Exkursion entwickelte sich die Arbeit im Vertieferprojekt mehr und mehr zu einem Experiment unterschiedlicher Arbeitsweisen und Methoden im architektonischen Entwurf. Schwerpunkte waren dabei ein situativer Ansatz, die Verwendung von digitalen und analogen Werkzeugen und Darstellungsformen, sowie die Wahrnehmung des Ortes als Reallabor für nachhaltiges Planen und Bauen. Die sich entwickelnden Lösungsansätze zeigten eine große Diversität und reichten von Vorschlägen der Instandsetzung für öffentliche oder halböffentliche Nutzungen von Bestandsgebäuden, sehr präzisen Eingriffen in die Ortsstruktur zur Schaffung neuer Stadträume bis hin zu landschaftsplanerischen Projekten. Mit dem Sommersemester begann eine intensive Arbeitsphase an zwei Themen: Ausarbeitung minimalinvasiver Konzepte für eine mittel- und langfristige Umgestaltung des Ortes zur nachhaltigen Entwicklung in beispielhaften Projekten, sowie Strategien zur Vermittlung der Entwürfe ,über klassische Repräsentationsmethoden wie Pläne und Modelle hinaus, um diese mit den Bewohner*innen diskutieren zu können. Dazu wurde über praktische Experimente der Frage nach kleinstmöglichen Eingriffen bei großer Wirkung, sowie der Bedeutung von Eins-zu-eins-Prototypen in der architektonischen Entwurfspraxis nachgegangen. Höhepunkt dieser Phase des Gesamtprojekts war die zweite Reise nach Caporciano für eine Ausstellungs- und Workshopwoche. Das Dorf wurde zum Reallabor, in dem die Entwurfsideen mit einfachsten Mitteln an den jeweiligen Orten visualisiert und erlebbar gemacht wurden, um gemeinsam mit den Bewohnern eine Vision für die Zukunft des Ortes entstehen zu lassen.

Ausstellungs- und Workshopwoche

Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle:
Quelle: Juana Joceline Acevedo Hülsbusch
Quelle: Tizian Alkewitz
Quelle: Cosima Seiberth

Quelle: Retelling the Rural: Caporciano

The Common Between: Caporciano

The Common Between: Caporciano – ist eine Fortsetzung des Projekts Retelling the Rural: Caporciano aus den Jahren 2021 und 2022. Das kleine Dorf in den Abruzzen ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht nur wie viele andere Dörfer in Europa von der Abwanderung in die Städte betroffen, sondern wurde 2009 auch von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Die Häuser von Caporciano werden durch ein mit umfangreichen europäischen Mitteln finanziertes Wiederaufbauprojekt in ihrer alten Struktur restauriert – nur die Bewohner des zurückgewonnenen Raums fehlen noch. Die Projekte der Studierenden, einschließlich der Interventionen vor Ort, haben unter den Bewohnern eine Diskussion über das Ziel und die Möglichkeiten der Erneuerung von Caporciano ausgelöst. Wir wollen den kollektiven Prozess weiterhin begleiten und versuchen, die offenen Fragen zur Zukunft von Caporciano mit ganzheitlichen Ansätzen zu beantworten. Der Ort ist ein echtes Beispiel für ein „wicked problem”, an dem wir mit architektonischen und künstlerischen Mitteln arbeiten wollen. Wichtige Elemente sind Machbarkeit, Präzision und Wirkung.

Quelle: EMILE VASQUEZ PACHECO VALERIAN ALTHAMMER CIRENIA JAHN FERNANDEZ
Quelle: EMILE VASQUEZ PACHECO VALERIAN ALTHAMMER CIRENIA JAHN FERNANDEZ
Quelle: EMILE VASQUEZ PACHECO VALERIAN ALTHAMMER CIRENIA JAHN FERNANDEZ
Quelle: EMILE VASQUEZ PACHECO VALERIAN ALTHAMMER CIRENIA JAHN FERNANDEZ
Quelle: Amelie Gropaiz, Enno Gloyna
Quelle: Amelie Gropaiz, Enno Gloyna
Quelle: Paul Brückner
Quelle: Frederic De Pourtales
Quelle: Frederic De Pourtales
Quelle: FG KET
Quelle: FG KET
Quelle: FG KET
Quelle: FG KET

Rückblick

Ausgangsgedanke des Projekts war eine intensive Beschäftigung mit Bestandsstrukturen traditioneller Bauformen im Kontext sehr spezifischer sozialer, kultureller und politischer Randbedingungen, die zugleich aber große Ähnlichkeiten zu anderen Regionen Europas aufweisen. Eine wichtige Zielstellung war die Ermöglichung von baupraktischen Erfahrungen. Mit den ersten Erfahrungen vor Ort entstand durch den vielfältigen Austausch mit den Bewohner*innen von Caporciano eine neue Dimension im Projekt, die auch eine neue Intensität für alle Teilnehmer*innen des Kurses entstehen ließ. In Kombination mit dem offenen, iterativen und situativ angelegten Entwurfsprozess entwickelte sich eine sehr große Vielfalt von Lösungsansätzen, die sich in ihrer Gesamtheit als angemessene Reaktion auf die komplexe Situation vor Ort erwiesen. Die ursprüngliche Idee des Kurses nach der ersten Phase aus einer Reihe von Konzepten einzelner Gruppen “das Beste” zu ermitteln und dies in der zweiten Phase gemeinsam bis zu einer Realisierung zu vertiefen, wurde obsolet. Dafür gewannen Überlegungen zur Vermittlung von Entwurfsideen, Strategien zur Einbeziehung der Bewohnerinnen und Akteure eine entscheidende Bedeutung in allen Projekten. Auch hier entstanden multiple Lösungen und Formate, von einer über den Ort verteilten Präsentation der Arbeiten, einem Freiluft Filmabend, Realisierungen erster Eingriffe vor Ort bis hin zu einem gemeinsamen Fest mit Dorfbewohnern und lokalen Akteuren. Vielfalt und Intensität führten zu einem ersten sehr positiven Resümee des Gesamtexperiments “Retelling the Rural” , das sich sehr gut mit den Worten des Bürgermeister des Ortes zusammenfassen lässt:

"Bevor ihr zu uns gekommen seid, gab es zwei Themen, über die gesprochen wurde: Das Erdbeben und Corona. Jetzt sprechen die Leute wieder über sich und den Ort."