Selbstverständnis

Das Studium der darstellenden Kunst an der UdK Berlin richtet sein Augenmerk entschieden auf zeitgenössische Theaterpraktiken:

Die Arbeit des*der Schauspieler*in hat sich zu einer Praxis hin erweitert, die sich nicht mehr im traditionellen Berufsbild fassen lässt. Der Studiengang versteht sich folgerichtig als Labor, in dem lehrend und forschend Methoden entwickelt werden, die Schauspieltechnik als Werkzeug verstehen, das unabhängig von Inszenierungsstilen und ästhetischen Ausprägungen anwendbar ist.

Ausbildungsziel sind Persönlichkeiten, die handwerklich bewusst und gedanklich selbständig in vielfältigen Formen darstellerischer Praxis künstlerisch produktiv sind.

Die Diskussion um den Begriff des Postdramatischen Theaters hat deutlich gemacht, wie noch vor kurzem marginale Spiel- und Darstellungsformen ins Zentrum der deutschen Theaterpraxis gerückt sind. Ästhetiken, die traditionell ausschließlich im Bereich des Off-Theaters, der internationalen Avantgarden oder im Grenzbereich zur bildenden Kunst angesiedelt waren, finden sich wieder in den Spielplänen der deutschen Stadttheater. Die bisher bestimmende Praxis auf der Grundlage des geschriebenen dramatischen Textes und dessen Interpretation im Stil des psychologischen Realismus hat sich ausdifferenziert in eine Vielzahl von neuen Spielformen.

Die Vermittlung von Handwerk im Grundstudium verstehen wir daher nicht nur als eine Schulung von traditionellen Spielweisen, sondern auch als ergebnisoffene Versuchsanordnung. Handwerk befähigt die Spielenden, die ganze Bandbreite ihrer individuellen Ausdrucksmöglichkeiten aufzuschließen und reproduzierbar zu machen. Eine Theorie des zeitgenössischen Schauspielendenhandwerks orientiert sich für uns an Begriffen wie Muster, Kontakt, Akzeptanz und Reaktion.

Das Studium schauspielerischer Grundlagen an der UdK setzt spielerisch und forschend auf eine Methode, deren Ziel es ist, den gemeinsamen Wesenskern dispara(tes)ter Spielformen freizulegen. Insofern steht der Begriff des Handwerks für uns nicht im Widerspruch zum Laborcharakter des Studiums.

Das Hauptstudium richtet sein Augenmerk auf den Übergang in die künstlerische Praxis und auf die Schärfung des Bewusstseins für unterschiedliche ästhetische Lösungen. Die Studierenden lernen früh die Auseinandersetzung mit anderen Disziplinen und die praktische Begegnung mit Studierenden anderer Studiengänge. Zentral sind dabei Kooperationen mit dem Studiengang „Szenisches Schreiben“, mit der Abteilung Regie der HfS „Ernst Busch“, mit den Tonmeister*in-Studierenden der UdK, der Deutschen Film- und Fernsehhochschule dffb sowie die enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Berliner Theatern. Zusätzlich sind die Studierenden im Rahmen von selbständig zu erarbeitenden Wahlrollen und komplett eigenverantwortlichen Projekten, den so genannten Eigenarbeiten, im Rahmen des Studienabschlusses sehr stark zu selbstbestimmtem Studium angehalten. Insofern hat das Schaupielstudium an der UdK universitären Charakter.

„Es gibt kein Richtig und kein Falsch“

Interview mit Enrico Stolzenburg in "Die Deutsche Bühne"

(mit Ulrike Kolter vom 15. Januar 2026)

Enrico Stolzenburg ist Professor für Szene im Studiengang Schauspiel der Universität der Künste in Berlin. Sein Kollegium und er haben die Ausbildung in den letzten Jahren konsequent den veränderten Realitäten angepasst. Ein Gespräch über Diversität, Inklusion und Kinder, die nicht mehr auf Bäume klettern.

Zum kompletten Interview, klick hier: https://www.die-deutsche-buehne.de/aktuelles/es-gibt-kein-richtig-und-kein-falsch

 

DIE DEUTSCHE BÜHNE Was würden Sie jungen Menschen mitgeben, die Schauspiel studieren wollen?

Enrico Stolzenburg Wichtig ist mir, dass unser Unterricht kein festes System ist, sondern ein Angebot. Ihr lernt hier Methoden und Techniken, aber Hauptsache, ihr seid inspiriert, offen, befindet euch in diesem künstlerischen Pingpong mit der Regie und tragt keine Ideologie vor euch her. Es gibt kein Richtig und kein Falsch! Es könnte ja sein, dass nicht ihr euch verändern müsst, damit ihr in das Theater hineinpasst, sondern dass das Theater sich verändern muss, damit ihr darin Platz findet. Vielleicht brauchen wir ein anderes Theater, damit auch ein anderes Publikum kommt. Dabei geht es immer um hierarchiefreies, respektvolles Arbeiten, und im Zweifel macht den Mund auf: „Ich kann das, ich bin selbstbewusst, und ich will anders arbeiten."