Maria Magdalena in der Musik
Prof. Dr. Susanne Fontaine
Maria Magdalena in der Musik
Vorlesung, Deutsch, 2 SWS, 2 ECTS, unbegrenzte Plätze
Montags, 10-12 Uhr, wöchentlich ab 20.4.2026, Fasanenstr. 1B, Raum 322
Anmeldung über das Online-Vorlesungsverzeichnis!
Die Vorlesung befasst sich mit der Frage, wie die Episoden der Heiligenvita in der Musik, aber auch in anderen Künsten, in verschiedenen Gattungen, der zugehörigen Stilhöhen und Gestaltungsmitteln eingesetzt wurde, um alle Gesellschaftsschichten bei der Durchsetzung katholischer Normen zu Norm und Normverstoß im Anschluss an das Tridentiner Konzil (1545–1563) zu erreichen. Das sind in der Musik z. B. Lauden, Kantaten, Oratorien und Formen des Theaters mit Musik, komponiert von Luigi Rossi, Antonio Caldara, Alessandro Scarlatti, Domenico Mazzocchi u.a. Aus verschiedenen Gründen war gerade diese Heilige besonders als Identifikationsfigur geeignet: Sie wirbt mit Sexyness für Askese, ihre Bußmonologe lassen sich als Beichtspiegel gestalten, ihre Form der Frömmigkeit ist die der hörenden Kontemplation. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wird auch in der Musik ein Wandel der Frömmigkeitskultur sichtbar, der sich darin manifestiert, dass weniger die Buße, aber stärker die Liebesfähigkeit der Heiligen im Zentrum des kompositorischen Interesses steht. Weiteren musikalischen Wandel erfuhr die Gestalt im 19. und 20. Jahrhundert, z. B. in Andrew Lloyd Webbers Jesus Christ Superstar (1971).
Literaturhinweise:
Alexandra ZIANE: Amor profano – amor divino. Liebe in geistlicher Musik und bildender Kunst in Rom um 1600, Paderborn 2011.
Robert L. KENDRICK: „Devotion, piety and commemoration: sacred songs and oratorios“, in: The Cambridge History of Seventeenth Century Music, hg. von Tim CARTER und John BUTT, Cambridge 2005.
Leistungsanforderungen für den unbenoteten Leistungsschein: regelmäßige Abgabe von Hausaufgaben, aktive Teilnahme.
Susanne Fontaine studierte Schulmusik, Germanistik und Musikwissenschaft (1. Staatsexamen 1987) und promovierte im Fach Musikwissenschaft (Universität Hamburg 1997). Nach Tätigkeiten in Berlin, Wien, Stuttgart, Heidelberg und Potsdam ist sie seit 2004 Professorin für Musikwissenschaft an der Universität der Künste Berlin. Sie ist Vorsitzende des dortigen Zentrums für künstlerische Lehrkräftebildung, Mitglied des Bundesfachausschusses "Bildung" beim Deutschen Musikrat sowie Mitglied der Kommission zur Vergabe des Elsa-Neumann-Stipendiums, der Graduiertenförderung des Landes Berlin. Von 2011 bis 2016 war Susanne Fontaine Fachkollegiatin bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 2016 bis 2020 war Fontaine Vizepräsidentin der UdK mit dem Aufgabenschwerpunkt Lehrkräftebildung. Sie ist Vorsitzende des Landesverbandes Berlin des Deutschen Hochschulverbandes. Ihre Forschungsinteressen gelten dem Zusammenspiel der Künste, dem Musikleben der Weimarer Republik sowie der Gegenreformation in der Musik.