Die Zukunft der Ungleichheit

Cord Riechelmann
Die Zukunft der Ungleichheit

Seminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS
Anrechenbar als Seminar ODER Einführungsvorlesung im Studium Generale
Dienstags, 17-21 Uhr, 14-tägig, 7 Termine: 21.4., 5.5., 19.5., 2.6., 16.6., 30.6., 14.7.2026, Hardenbergstr. 33, Raum 004

Anmeldung auf Moodle beginnt am 9.4.2026: https://moodle.udk-berlin.de/moodle/course/view.php?id=3037
Einschreibeschlüssel: ungleich

Dass die Ungleichheit in den letzten 40 Jahren dramatisch gestiegen ist – in den 1960er Jahren verdiente ein CEO zehnmal so viel wie ein Arbeiter seiner Firma, heute liegt das Verhältnis oft bei 200 zu 1 – lässt sich auch dank Thomas Piketty bis auf die Nachkommastelle sozialstatistisch zeigen. Warum aber ist Ungleichheit für Gesellschaften überhaupt ein Problem? Es soll im Seminar darum gehen, zum einen die besonders von August von Hayek, dem Godfather des Neoliberalismus, und vom Harvard-Psychologen Steven Pinker aufgestellte Behauptung, die Kritik der Ungleichheit sei eine Erfindung der Moderne, zurückzuweisen. Die Kritik der Ungleichheit gehört vom Anfang an zur abendländischen politischen Philosophie. Sie gehört auch zur Philosophie von Denkern, die als elitistisch (Platon), autoritär (Hobbes) oder marktliberal (Adam Smith) gelten. Dabei wird die Ungleichheit für alle Philosophen zum Gegenteil eines abstrakten Rechenspiels. Denn Gesellschaften produzieren nicht nur Güter, sie bringen auch die Menschen, ihre Mentalitäten, ihr Empfinden und ihre Erfahrungsinstrumente hervor. Von Platon über Marx bis zu Katharina Pistor ähneln sich die Kritiken in ihrem Kern: es sind die verschiedenen Erfahrungswelten, die aus der Ungleichheit folgen, die ein gutes Zusammenleben unmöglich machen und nach Platon zu Vorboten der größten aller Plagen, des Bürgerkriegs, werden. Die Ungleichheit frisst sich in die Seelen und wie sie das in ihren Wirkungen tut, soll im Seminar auch an Gegenbeispielen und der Prüfung ihrer Zukunftsfähigkeit gezeigt werden.

Literatur:
Branko Milanovic: Die ungleiche Welt. Migration, das Eine Prozent und die Zukunft der Mittelschicht (2016).
Thomas Piketty M. Sandel: Die Kämpfe der Zukunft. Gleichheit und Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert (2025).
Katharina Pistor: Der Code des Kapitals (2019).
David Lay Williams: The Greatest of all Plagues. How Inequality shaped Poltical Thought (2024).

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein: regelmäßige und aktive Teilnahme, Zuhören, Mitdenken und Argumente entwickeln.

Cord Riechelmann, geboren 1960 in Celle, studierte Biologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Er war Lehrbeauftragter für das Sozialverhalten von Primaten und für die „Geschichte biologischer Forschung“. Außerdem arbeitete er als Kolumnist und Stadtnaturreporter für die „Berliner Seiten“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Autor der Bücher „Bestiarium“ (2003) „Wilde Tiere in der Großstadt“ (2004) und Herausgeber "Zu einer Ästhetik des Lebendigen" (2015). Er kuratierte zusammen mit Marcel Schwierin das Sonderprogramm zum „Kino der Tiere“ bei den Kurzfilmtagen 2011 in Oberhausen. 2013 erschien das Buch „Krähen. Ein Porträt“ bei Matthes & Seitz, "Vögel" (2021) im Dudenverlag, zuletzt „Leichtes Unbehagen. Von Menschen und anderen Tieren“ (2022) zusammen mit Rosemarie Trockel im Verlag der Buchhandlung Walther König. Riechelmann schreibt für diverse Zeitungen u. a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die taz und cargo. Er unterrichtet wiederkehrend im Studium Generale der Universität der Künste Berlin.