Kunst als Erfahrung
Leon Vatter
Kunst als Erfahrung
Blockseminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS
Samstags/Sonntags, 18./19.4. & 25./26.4.2026, jeweils 10-17 Uhr, Hardenbergstr. 33, Raum 310
Anmeldung auf Moodle beginnt am 9.4.2026: https://moodle.udk-berlin.de/moodle/course/view.php?id=3040
Einschreibeschlüssel: erfahrung
Was passiert, wenn Kunst nicht länger als ein Objekt im Museum oder auf einer Bühne verstanden wird, sondern als Teil unserer alltäglichen Erfahrungen?
In Kunst als Erfahrung (1934) verfolgt der Philosoph und Pädagoge John Dewey das provokante Ziel, die Kunst aus ihren zunehmend bürgerlichen und kapitalistischen Räumen zu befreien und in die alltägliche Lebenswelt zurückzuführen. Eine Trennung von Kunst und Alltag birgt, laut Dewey, die Gefahr der Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt, seiner Arbeit und letztlich seinen eigenen Erfahrungen – „Wir berühren, doch das Kontaktgefühl bleibt oberflächlich.“
Daher steht in Deweys Ästhetik nicht das Kunstwerk, sondern Erfahrung des Menschen in seiner jeweiligen Lebenswelt im Mittelpunkt: Eine ästhetische Erfahrung kann im künstlerischen Arbeiten entstehen, im Betrachten von Kunst, aber auch in alltäglichen Situationen – jenseits von Museen, Galerien, Konzerthäusern oder Theatern.
Erste Versuche, Deweys Gedanken praktisch umzusetzen, finden sich in der experimentellen Kunsthochschule des Black Mountain College. Dort wurden zwischen 1933 und 1957 disziplinäre Grenzen aufgehoben, Unterscheidungen zwischen Leben, Studium und Arbeit verwischt und die kollektive künstlerische Arbeit in den Mittelpunkt gestellt.
Im Seminar werden wir gemeinsam Auszüge aus Deweys Kunst als Erfahrung lesen, uns mit der Idee des Black Mountain College beschäftigen, gemeinsam eine Ausstellung besuchen, unsere eigene künstlerische Praxis reflektieren und vor allem lernen was es bedeutet, eine ästhetische Erfahrung zu machen.
Dabei ist auch das Seminar selbst ein Experiment. Es folgt Deweys pädagogischen Ansätzen und soll die Teilnehmer*innen ermutigen, gemeinsam, selbstbestimmt und prozessorientiert zu lernen und zu arbeiten.
Literatur:
John Dewey: Kunst als Erfahrung (Suhrkamp Verlag).
Eugen Blume, Mathilda Felix, Gabriele Knapstein, Catherine Nichols (Hrsg.): Black Mountain. Ein interdisziplinäres Experiment (Spector Books).
Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein: Regelmäßige Anwesenheit und aktive Teilnahme.
Leon Vatter, geboren 1988 in Gelsenkirchen, hat Philosophie, Politikwissenschaften und Italienisch an der Freien Universität Berlin und der Universitá di Urbino studiert. Seit 2014 arbeitet er zunächst als Tutor und seit 2019 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team des Studium Generale an der Universität der Künste Berlin. Dort befasst er sich mit der didaktischen Entwicklung und Realisierung von interdisziplinären Lehrformaten und veranstaltet regelmäßig eigene Seminare im kulturwissenschaftlichen und interdisziplinär-künstlerischen Lehrbereich. Seine Arbeitsgebiete liegen in der politischen Philosophie, der feministischen Wissenschaftstheorie und der Zukunftsforschung. Seit 2021 promoviert er bei Karin Harrasser an der Kunstuniversität Linz mit einer Arbeit zum Thema „Wer gestaltet wessen Zukunft? Eine Wissenschaftskritik der Zukunftsforschung“.