Widerstandspraktiken archivieren. Archivarische Macht (2)

Dr. Dr. Daniele Daude
Widerstandspraktiken archivieren. Archivarische Macht (2)

Seminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS
Anrechenbar als Seminar ODER Einführungsvorlesung im Studium Generale
Mittwochs, 10-12 Uhr, wöchentlich ab 15.4.2026, Hardenberstr. 33, Raum 102

Anmeldung auf Moodle beginnt am 9.4.2026: https://moodle.udk-berlin.de/moodle/course/view.php?id=3011
Einschreibeschlüssel: archiv

Was ist die gesellschaftliche Funktion von Archiven? Welches Wissen, welche künstlerischen, sozialen und kulturellen Praktiken werden archiviert, mit welchen Zielen und Kriterien? Sam Bourcier weist darauf hin, dass das Archiv nicht mit „Erinnerung“ oder mit „Vergangenheit“ gleich zu setzen ist. Das Archiv ist ein höchst politisches Instrument: zum einen Ergebnis einer Selektierung in den Diensten einer übergeordneten normativen Erzählung und zum anderen Quelle neuer Paradigmen, die diese normative Erzählung frontal widerspricht: Das Archiv ist ambivalent, zugleich Instrument der Macht und Entstehungsort für Widerstands-formen. Wir stellen uns die Frage nach dem Nutzen des Archivs für Widerstandspraktiken in der Kunst: Was bedeutet „Widerstand“ im künstlerischen Bereich und wie wird er praktiziert? In welchem Zusammenhang steht die Dokumentation der eigenen Arbeit einerseits und deren Rezeption und Archivierung andererseits? Welche Rolle spielt das Archiv für die Sichtbarkeit, die Interpretation und die Analyse künstlerischer Widerstandspraktiken? Laut Bourcier stehen drei Archivierungsmodelle zur Verfügung: das archäologische Modell, das administrative Modell und das performative Modell.

Das Seminar „Widerstandspraktiken archivieren“ ist Teil der Reihe „Archivarische Macht“, die künstlerische Archive von unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dieses Semester interessieren wir uns für das performative Modell des Archivierens - auch „das lebendige Archiv“ („archives vives“) genannt und stellen die Frage nach deren zugrunde liegenden Methoden, Theorien und Auswirkungen auf Widerstandspraktiken.

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein: Präsentation (10-15 Min); Bereitschaft, die eigene künstlerische, pädagogische, wissenschaftliche Praxis zu präsentieren und zu reflektieren; Interesse für fächerübergreifende Arbeit.

Daniele G. Daude ist Musik-, Theaterwissenschaftler*in und Dramaturg*in. Nach Abschluss des Musikstudiums in Geige und Kammermusik am Conservatoire National (Region Aubervilliers) mit Auszeichnung, promoviert Daniele G. Daude 2011 im Fach Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin und 2013 im Fach Musikwissenschaft an der Université Paris 8. 2013-2015 übernimmt Daniele G. Daude die Gastprofessur für Darstellende Künste an der Kunsthochschule Campus Caribéen des Arts (Martinique). 2013-2023 gründet und leitet Daniele G. Daude den Com Chor Berlin und gründet 2016 The String Archestra um Werke von Schwarzen, Indigenen und PoC Komponist*innen aufzuführen. Daniele G. Daude unterrichtet an Deutschen und Französischen Hochschulen seit 2008 und arbeitet als Dozent*in und Dramaturg*in für Theater, Konzert und Oper.