Ancestral Future(s) - Über Zukunft: Perspektiven aus Abya Yala

Kervin Saint Pere Huarcaya
Ancestral Future(s) - Über Zukunft: Perspektiven aus Abya Yala

Blockseminar, Deutsch, 2 SWS, 2 ECTS
5 Blocktage am Samstag bzw. Samstag/Sonntag jeweils 10-16 Uhr:
Samstag, 31.1., Samstag/Sonntag, 7./8.2. und 14./15.2.2026, Hardenbergstr. 33, Raum 004

Anmeldung auf Moodle beginnt am 13.10.2025: https://moodle.udk-berlin.de/moodle/course/view.php?id=2861
Einschreibeschlüssel: futures

Laut der Kulturanthropologin Svetlana Boym eröffnet die Rekonstruktion der Vergangenheit ein Fenster zu verschiedenen Zukünften und zu einer anderen Beziehung zur Welt. So können Darstellungen der Vergangenheit auch die gewünschten Bilder einer Zukunft sein. Auch Berliner Museen rekonstruieren Vergangenheitsbilder nicht nur statisch, sondern auch nostalgisch, beispielsweise bei der Erforschung und Darstellung Lateinamerikas. Diese Rekonstruktionen prägen maßgeblich westliche Zukunftsvorstellungen darüber, was traditionell ist und was Entwicklung bedeutet. Parallel dazu erklären indigene Bewegungen und Intellektuelle alternative Zukunftsperspektiven für eine gerechtere und nachhaltigere Welt. Diese basieren auf nicht-linearen Zeitkonzepten, sowie relationalen Weltanschauungen, die Mensch, Natur und Kosmos verbinden. Damit entwickeln sie einen epistemischen Widerstand gegen die koloniale Marginalisierung ihres Wissens als »traditionell« und somit als statisch.

Seminarziele: Durch gemeinsame Diskussionen und Museumsbesuche wollen wir untersuchen: (a) Welche Vergangenheit und damit Zukunftsnarrative werden vermittelt? (b) Welche alternativen und spekulativen Zukunftsperspektiven entwickeln indigene Gesellschaften? (c) Dazu analysieren wir Texte von Ailton Krenak, Davi Kopenawa, Tarcila Rivera und Aura Cumes.

Literatur:
Ancestral Future (Ailton Krenak 2024).
The Inheritance of Resistance (Lavinas Picq 2018).
Material Culture, Indigeneity, and Temporality (Gloria Chacón 2022).
The Future of Nostalgia (Svetlana Boym 2002).
Venus in zwei Akten(Saidiya Hartman 2022).

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein: Referate oder künstlerische Inputs in Museen.

Kervin Saint Pere Huarcaya ist ein peruanischer Künstler und Wissenschaftler indigener Herkunft. Geboren und aufgewachsen in Lima, zog er 2014 zunächst nach Hamburg und studierte Zeitbezogene Medien an der HFBK Hamburg sowie Kunst und Digitale Medien als Stipendiat der Art School Alliance an der Akademie der bildenden Künste Wien. Derzeit lebt er in Berlin und arbeitet als künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HGB Leipzig. Saint Pere Huarcayas künstlerische Praxis und Forschung konzentriert sich auf dekoloniale Denk- und Bildpraktiken, die sich mit Archivmaterialien und Räumen ethnologischer Museen sowie mit kolonialen Spuren im Stadtraum auseinandersetzen. Mehr Informationen unter https://kervin-saintpere.com.