Veranstaltungen

Hier präsentieren wir verschiedene Formate, die nicht nur entscheidende Impulse setzen und den Dialog über Antisemitismus nachhaltig stärken, sondern auch aufzeigen, wie durch kreative, interaktive und wissenschaftliche Ansätze ein tieferes Verständnis für die komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen im Umgang mit Antisemitismus gefördert und langfristige Prävention unterstützt werden kann.

Aktuelle Veranstaltungen

BREACH! ON ART AND ANTISEMITISM | Lecture Series

Seit dem 7. Oktober 2023 verbreitet sich Antisemitismus massiv – auch durch die Künste. In der Folge werden jüdische und israelische Künstler*innen erneut ausgeladen, angefeindet und angegriffen. Dabei ist den Künsten Antisemitismus nie fremd gewesen: Vielmehr können sie auf ein jahrhundertealtes Reservoir antisemitischer Darstellungsformen zurückgreifen. Kunst jedoch verkitscht und büßt ihren Anspruch auf Wahrheit ein, sobald sie sich antisemitischer (Stil-)Mittel bedient – was die Krise anzeigt, in der sie derzeit steckt.

Die BREACH! möchte diesen Einbruch anhand wissenschaftlicher wie künstlerischer Auseinandersetzungen zum Verhältnis von Kunst und Antisemitismus grundlegend thematisieren.

Antisemitische Vorfälle und Dynamiken in Berlin

Dr. Ruth Hatlapa

Donnerstag, 29.10.2026 | 18.00 Uhr c.t.
Hardenbergstr. 33 | R158 (Hörsaal)

Sechs antisemitische Vorfälle dokumentierte RIAS Berlin täglich in Berlin. Die von RIAS Berlin erfassten Daten zeigen, dass antisemitische Vorfälle in Berlin seit dem 7. Oktober 2023 sprunghaft angestiegen sind; das hohe Vorfallaufkommen hielt auch im Jahr 2025 an. Dies geht aus dem Bericht „Antisemitische Vorfälle in Berlin 2025“ der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) hervor. Die Erfahrungen der Betroffenen bilden die Grundlage für diesen Bericht. Sie verweisen nicht nur auf einzelne Vorfälle, sondern auf ein gesellschaftliches Klima, in dem antisemitische Äußerungen und Handlungen möglich sind – und zu oft unwidersprochen bleiben.

Über diesen Bericht spricht Dr. Ruth Hatlapa, Projektreferentin bei der RIAS Berlin.

Zur Institution:

RIAS Berlin ist eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle in Berlin. Bei Bedarf vermittelt RIAS Berlin Betroffenen von Antisemitismus bei Bedarf Unterstützung durch professionelle Beratungseinrichtungen. Die dem Projekt bekannt gewordenen antisemitischen Vorfälle werden systematisch ausgewertet und ein Lagebild zum Vorfallgeschehen erstellt. Das Projekt sensibilisiert auf diese Weise Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung für aktuelle Erscheinungsformen und Betroffenenperspektiven.

Denken gegen Denken: Von Angriffen auf „jüdischen“ Geist und „zionistische“ Metaphysik

Dr. Gottfried Schnödl

Donnerstag, 12.11.2026 | 18.00 Uhr c.t.
JIB | Saal | Einsteinufer 43-45, 10587 Berlin

Antisemitismus impliziert immer auch eine Wende gegen das Denken. Schon Wilhelm Marr hatte 1879 dem vorgeblich „zersetzenden“ „jüdischen Geist“ den Kampf angesagt. Die Engführung „jüdischen Denkens“ mit Pragmatismus und Realitätssinn, aber auch mit Spaltung, Trennung und Abstraktion zieht sich bis heute durch. Der jüngere Antizionismus greift dies wieder auf. Der Vortrag versucht, dieses Motiv zunächst in seiner historischen Entwicklung nachzuzeichnen und im Rückgriff auf die kritische Theorie und die Psychoanalyse als Wende gegen das reflexive Denken selbst zu beschreiben. Dabei wird die These vertreten, dass sich die Angriffe auf „jüdisches“ oder „zionistisches“ Denken als Legitimierungen eben der Verfallsformen des Denkens lesen lassen, die Antisemitismus und Antizionismus allererst konstituieren; gleichsam als Absicherung der „pathischen Projektion“ (Adorno/Horkheimer).

Zur Person

Dr. Gottfried Schnödl studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wien und Sevilla. Er arbeitete an der Germanistik der West-Universität Timisoara, am Institut für Philosophie der Universität Wien, sowie am Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien (ICAM) der Leuphana Universität Lüneburg. Seit 2024 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls für Geschichte, Theorie und Ästhetik materialer Kulturen an der Bauhaus Universität Weimar. Ausgewählte Veröffentlichung: Technik, in: Karl Kraus-Handbuch. Leben - werk - Wirkung, hg. v. Katharina Prager u. Simon Ganahl, Stuttgart: Metzler.

Quelle: (c) privat

Vom Antijudaismus zum Hass auf Israel: Projektiver Antizionismus in Geschichte und Gegenwart

Prof. Dr. Stephan Grigat

Donnerstag, den 19.11.2026 | 18.00 Uhr c.t.
Hardenbergstraße 33, 10623 | R110

Inwiefern beruht der moderne Antisemitismus auf religiöser Judenfeindschaft und welche Rolle spielen religiöser Antijudaismus und verschwörungsmythischer Antisemitismus beim Hass auf den jüdischen Staat? Der Vortrag wird Grundzüge einer kritischen Theorie des Antisemitismus skizzieren und der Frage nachgehen, inwiefern Ausprägungen eines projektiven Antizionismus schon lange vor der israelischen Staatsgründung entstanden sind – insbesondere in der nationalsozialistischen und in der islamistischen Ideologie der 1920er- und 30er-Jahre und in Teilen der radikalen Linken. Vor diesem Hintergrund sollen Bezüge sowohl zur aktuellen Konfrontation Israels mit dem Regime im Iran als auch zur gegenwärtigen Situation in Deutschland hergestellt werden.

Zur Person

Stephan Grigat ist Professor für Theorien und Kritik des Antisemitismus an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und Leiter des Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien [CARS] in Aachen und Köln. Er ist Autor von „Vom Antijudaismus zum Hass auf Israel: Interventionen zur Kritik des Antisemitismus“ (Budrich 2025) und Herausgeber der Bände: „Kritik des Antisemitismus in der Gegenwart“ (Nomos 2023) und – gemeinsam mit Karin Stögner – „Projektiver Antizionismus: Antisemitismus gegen Israel vor und nach dem 7. Oktober“ (Nomos 2025).

Quelle: (c) IKW | Stefan Csáky

Quelle: (c) IKW

"Da werden die schönsten Lieder bedeutungslos": Boykottaufrufe gegen Israel als Authentiztätsversprechen rund um den ESC

Dr. Elias Berner und Dr. Niklas Herrberg

Donnerstag, 26.11.2026 | 18.00 Uhr c.t.
Konzertsaal | Fasanenstr. 1B, 10623 Berlin

Seit dem 7. Oktober 2023 ist die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) in neuer Intensität Gegenstand von Protest- und Boykottaufrufen – so auch beim diesjährigen ESC in Wien. Neben dem Rückzug einzelner Teilnehmerländer wird das Thema auch im Rahmen antiisraelischer Proteste aufgegriffen. Beim diesjährigen ESC in Wien ist dabei zum einen insbesondere die Gegenveranstaltung, der sogenannte „Song Protest“, von Relevanz, zum anderen die derzeit international in Erscheinung tretende Kampagne „No Music for Genocide“. In unserem Vortrag analysieren wir die Selbstdarstellung dieser Protestkampagnen und der mit ihnen assoziierten Künstler*innen in sozialen Medien.  

Dabei zeigen wir, dass der Anspruch auf Authentizität auf zwei Ebenen relevant ist: zum einen verstehen sich beide Kampagnen als Teil einer von unten getragenen, breiten Protestbewegung  gegen das politische Establishment, zum anderen als authentische Künstler*innen, die gegen die Zwänge der Musikindustrie ankämpfen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir heraus, wie die Konstruktion Israels als Feindbild dabei das zentrale Vehikel des Authentizitätsversprechens ist.

Zu den Personen

Dr. Elias Berner ist Musik- und Kulturwissenschaftler. Derzeit ist er als APART-GSK Stipendiat am Institut für Kulturwissenschaft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Teil der Arbeitsgruppe Antisemitismusforschung. Zuvor leitete er mit B. Haberpeuntner und S. Benedik das Digital Humanities Projekt ACONTRA, das auditive Quellen des Radios in Österreich nach 1945 beforscht und diese auch der Öffentlichkeit durch die Ausstellung Es Funkt! Radio zwischen Propaganda und Protest im Haus der Geschichte Österreich zugänglich macht. Auf Basis seiner Dissertation erschien 2024 in der Reihe Palgrave Studies in Audio-Visual Culture seine Monographie Music in Films about the Shoah: Commemoration, Comfort, Provocation

Dr. Niklas Herrberg ist Soziologe und gegenwärtig als Postdoc in der Arbeitsgruppe Antisemitismusforschung am Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig. Dort leitet er ein Forschungsprojekt, das die Bevölkerungsumfrage „Antisemitismus in Österreich“ mit qualitativen Methoden begleitet. Zuvor war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beschäftigt, wo er mit einer Arbeit über die Perspektiven von Jüdinnen auf Antisemitismus in Deutschland promoviert hat. Darüber hinaus ist er Chefredakteur der Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik (ZRGP).

Buchpremiere: „Warum man Israel nicht hassen muss, um zu den Guten zu gehören“

Lisa Geffken und Dr. Nikolas Lelle

Donnerstag, den 14.01.2027 | 18.00 Uhr c.t.
Bundesallee 1-12, 10719 Berlin | R340

Seit dem 7. Oktober 2023 ist etwas ins Rutschen geraten. Unter israelsolidarischen Linken breitet sich seitdem vorallem ein Gefühl aus: Einsamkeit. Wo einst ein gemeinsames Verständnis darüber herrschte, dass Antisemitismuskritik zu linkem Selbstverständnis und kritischer Gesellschaftstheorie dazugehört, herrscht heute Unsicherheit, Sprachlosigkeit oder gar Feindseligkeit. Wer Israel nicht hasst, gilt plötzlich als verdächtig, manchen gar als gefährlich.

„Warum man Israel nicht hassen muss, um zu den Guten zu gehören“ richtet sich an alle, die an emanzipatorischer Politik festhalten wollen und sich zugleich fragen, warum Israel in linken Kontexten so oft zum negativen Bezugspunkt wird. Wir schauen genauer hin: auf Antisemitismus als kulturellen Code, auch dort wo man sich auf der „richtigen Seite“ wähnt und warum gerade dieses Thema so viele moralische Gewissheiten verspricht.

Dieses Buch versammelt Stimmen, die der Vereinzelung etwas entgegensetzen. Aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen Autor*innen, dass ein solidarischer und empathischer Umgang mit Israel kein Widerspruch zu progressiven Werten ist, sondern deren konsequente Fortsetzung. Die Texte handeln vom Ringen um Haltung und bezeugen, dass der Einsatz gegen Antisemitismus ein Prüfstein jeder emanzipatorischen Idee bleibt. Sie erzählen von Enttäuschung und Trotz und von der Möglichkeit einer neuen Verständigung. Das Buch handelt von Menschen, die nicht aufgeben, weil sie an Solidarität als universeller Idee glauben. Auch und gerade mit Jüdinnen*Juden. Ein Buch über Klarheit, Verbindung und den Mut, aus der Einsamkeit herauszutreten.

 „Warum man Israel nicht hassen muss, um zu den Guten zu gehören“ ist ein Buch über Aufklärung und Empathie in dunkler Zeit. Ein Band für alle, die spüren, dass es an der Zeit ist, das Nachdenken und die Solidarität mit Israel wieder laut, empathisch und attraktiv zu machen. Es geht um Orientierung, um solidarische Perspektiven und darum, eine klare Position gegen israelbezogenen Antisemitismus zu entwickeln, die nicht vereinsamt, sondern verbindet. Für alle, die weiterkommen wollen.

Mit Texten von Sasha Kirsten Achtelik, Ulrike Becker, Julia Bernstein, Mehmet Can, Ninve Ermagan, Henning Flad, Lisa Geffken, Roglit Ishay, Anetta Kahane, Ilja Kogan, Nikolas Lelle, Juliane Nagel, Nicholas Potter und Marek Sierka.

Zu den Personen

Lisa Geffken ist Leiterin im Kompetenzzentrum Rechtsextremismusprävention und Demokratieschutz der Amadeu Antonio Stiftung. Sie arbeitet daran, demokratische Räume gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und digitale Hetze zu verteidigen. Ihre Arbeit verbindet politische Analyse mit zivilgesellschaftlicher Praxis. Sie schreibt, spricht und streitet für eine Gesellschaft, die niemanden zurücklässt und die für ihre Grundrechte nicht nur formell, sondern auch alltäglich einsteht.

Nikolas Lelle arbeitet zu Antisemitismus, der Erinnerung an den Nationalsozialismus und „deutscher Arbeit“. Lelle leitet seit 2020 das deutschlandweite Projekt “Aktionswochen gegen Antisemitismus” in der Amadeu Antonio Stiftung. Zuvor promovierte er – nach einem Studium der Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main und Mainz – an der Humboldt Universität zu Berlin in der Sozialphilosophie. Lelle publizierte Bücher zu Nationalsozialismus und Arbeit. Zuletzt erschien zusammen mit Tom Uhlig “Anleitung zur Abgrenzung. Antisemitismus definieren” im Verbrecher Verlag.

Weitere Veranstaltungsankündigungen folgen...

Die Veranstaltungsreihe BREACH! ON ART AND ANTISEMITISM wurde konzipiert und umgesetzt von Henning Gutfleisch, Referent für Antisemitismusfragen des Präsidenten, UdK Berlin - mit freundlicher Unterstützung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ).

Vergangene Veranstaltungen (Auszug)

Quelle: Mark Zaurov, Dozent und Autor

Taube Juden und Jüdinnen Sozio-historische Annäherungen an eine transnationale und hybride Gemeinschaft im 19. und 20. Jahrhundert von Zaurov, Mark

Buchvorstellung am 7.7.2026 I Charlotte-Salomon-Saal I 16 Uhr in der Hardenbergstrasse 33

Als 1896 der Verein für taube Juden in Berlin gegründet wurde, gab es schon die Israelitische Taubstummen-Anstalt in Berlin-Weißensee. 1908 kam ein Altersheim dazu. 1926 erschien die erste und einzige deutschsprachige Zeitschrift für taube Juden und Jüdinnen. All diese Räume boten den Nährboden für die vielfältige Taub-Jüdische Welt als imagined community. Diese Gemeinschaft war eine doppelte kulturelle Minderheit: taub und zugleich jüdisch - bis die Nationalsozialisten sie zerstörten. Erst 2001 fand der Verein für taube Juden in der IGJAD, der Interessengemeinschaft für taube Menschen mit jüdischer Abstammung in Deutschland, seine Nachfolgeorganisation. Diese Lücke zeugt von der Leerstelle in unserer Erinnerungskultur. Obwohl Inklusion heute gefördert wird, hat sich das sowohl in der hörend-jüdischen Welt, als auch in der nichtjüdischen Gehörlosengemeinschaft nicht geändert. Forschung dazu gibt es kaum. Wer waren die Personen, die die taub-jüdische Gemeinschaft aufbauten, wie verliefen ihre Biographien und wurde im Zuge der Restitution ihr materielles Erbe, die Gebäude, berücksichtigt? In dieser Lesung trägt der taube Historiker Mark Zaurov aus der ersten wissenschaftlichen Arbeit zu diesem Thema vor.

Vita: Mark Zaurov, geb. 1972 in der ehem. Sowjetunion, ist von Geburt taub und promovierte als Deaf Historiker im Fachbereich Gebärdensprachen an der Universität Hamburg u.a. mit einem Stipendium der Friedrich Ebert Stiftung. 2011 war er Fellow am United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), 2016 erhielt er einen Fellowship der European Holocaust Research Infrastructure (EHRI) für Yad Vashem. Seine Forschungsschwerpunkte sind Deaf Studies, Deaf Holocaust und taube Täter*innen des Nationalsozialismus sowie Deaf Art und Translation im Kontext Tauber Juden und Jüdinnen, ausserdem ist er freiberuflicher Dolmetscher und Übersetzer. Er ist Gründer und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gehörloser Jüdischer Abstammung in Deutschland e. V.

2025 Vortragsreihe an der UdK Berlin: Antisemitismus an Hochschulen – Realität, Reflexion, Reaktion

Diese Veranstaltungsreihe bot Raum für fundierte Reflexion und konstruktiven Austausch über Antisemitismus. Antisemitismus ist auch an Hochschulen eine Realität – ob in akademischen Debatten, studentischen Initiativen oder im Alltag auf dem Campus. Die Reihe "Antisemitismus an Hochschulen – Realität, Reflexion, Reaktion" beleuchtete aktuelle wissenschaftliche Perspektiven auf dieses Thema und zeigte sowohl analytische als auch praxisorientierte Ansätze zur Bekämpfung antisemitischer Denk- und Handlungsmuster.

Den Auftakt bildete ein Vortrag zur empirischen Erforschung des Antisemitismus: Wann ist es Antisemitismus? Wissenschaftliche Antworten auf eine viel gestellte Frage(Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, TU Berlin). Anschließend wurde Antisemitismus und Intersektionalität. Kritik und neue Perspektiven beleuchtet (Prof. Dr. Karin Stögner, Universität Passau).

Praktische Strategien zur Erfassung und Bekämpfung von Antisemitismus standen im Fokus des dritten Termins: Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS Berlin) und Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) Berlin stellten zivilgesellschaftliche Ansätze vor, die sich mit der Dokumentation antisemitischer Vorfälle, der Unterstützung Betroffener und dem Umgang mit Antisemitismus in Hochschulen und Kulturinstitutionen befassten (Workshop: Antisemitische Vorfälle in Berlin mit einem Fokus auf Hochschulen von Julia Kopp, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Berlin und Matthias Müller, Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR)).

Den Abschluss der Reihe bildete eine Analyse der Auswirkungen des 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland. Der Vortrag Antisemitismus im institutionellen Kontext Hochschule – Traditionslinien, Leerstellen und Forschungsstand untersuchte, wie sich Antisemitismus im universitären Alltag vor und nach diesem Datum verändert hat und welche Herausforderungen sich daraus ergeben (Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai, Fachhochschule Potsdam).

Organisiert wurde die Vortragsreihe von Dr. Michaela Conen, Prozessbeauftragte für Antisemitismusprävention an der Universität der Künste Berlin mit Unterstützung des MFFB. Im weiteren finden Sie die aufgezeichneten online Vorträge.

Vortrag vom 12. Mai 2025: Wann ist es Antisemitismus? Wissenschaftliche Antworten auf eine viel gestellte Frage

Seit Jahren prägen Behauptungen wie „man verfüge noch nicht über hinreichend Forschung“ oder man „vermisse eine präzise Wissenschaftsdefinition zu Antisemitismus“ die Diskurse und Debatten zum aktuellen Antisemitismus. Auf diese Weise wird die vorliegende, umfangreiche Forschung zum Thema ausgeblendet und die dringend benötigte Aufklärung  sowie der gesamtgesellschaftliche Kampf gegen den grassierenden Judenhass in eine nebulöse Zukunft verschoben. Im Vortrag wird datenreich und mittels gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der historischen und aktuellen, empirischen Forschung erörtert, was Antisemitismus ist (und was nicht), wie er sich manifestiert und wie man Antisemitismen erkennen und dekonstruieren kann.

Den online Vortrag finden Sie hier

Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel

Quelle: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, Antisemitismusforscherin und Kognitionswissenschaftlerin an der TU Berlin; Lehrstuhl am Institut für Sprache und Kommunikation. Buchpublikationen u.a: Aktueller Antisemitismus, ein Phänomen der Mitte; Gebildeter Antisemitismus; Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert; Judenhass im Internet; Toxische Sprache und geistige Gewalt. Wie judenfeindliche Denk und Gefühlsmuster seit Jahrhunderten unsere Kommunikation prägen.

Vortrag vom 19. Mai 2025: Antisemitismus und Intersektionalität. Kritik und neue Perspektiven

Nach dem 7. Oktober wurde deutlich, dass Antisemitismus in weiten Teilen des intersektionalen Feminismus eine Leerstelle ist. Das ging so weit, dass Jüdinnen und Juden sowie Israelis die intersektionale Solidarität verweigert wurde. In einem Neuentwurf intersektionaler Ideologiekritik analysiert der Vortrag demgegenüber die gegenseitigen Verstrickungen von Antisemitismus, Rassismus und Sexismus.

Den online Vortrag finden Sie hier.

Prof. Dr. Karin Stögner

Quelle: Privat

Prof. Dr. Karin Stögner ist Professorin für Soziologie an der Universität Passau. Sie ist u.a. Autorin von „Antisemitismus und Sexismus. Historisch-gesellschaftliche Konstellationen“ (Nomos 2014) und Co-Herausgeberin von „Kritische Theorie und Feminismus“ (Suhrkamp 2022).

Vortrag vom 4. Juni 2025: Antisemitismus im institutionellen Kontext Hochschule – Traditionslinien, Leerstellen und Forschungsstand

Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, wie sich Antisemitismus vor und nach dem 7. Oktober im institutionellen Alltag von Hochschulen manifestiert und auf jüdische und israelische Communities in Deutschland auswirkt. Dafür wird auf dominanzgesellschaftliche Traditionslinien im Umgang mit Jüdinnen und Juden sowie mit Antisemitismus in der Gegenwartsgesellschaft eingegangen und in die Analysekategorie des institutionellen Antisemitismus eingeführt. Anschließend werden Befunde aus aktuellen Studien zu Antisemitismuserfahrungen im Kontext Hochschule vorgestellt und diskutiert.

Den online Vortrag finden Sie hier.

Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai

Quelle: Privat

Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai ist Professorin für Methoden der Sozialen Arbeit und Sozialarbeitsforschung an der Fachhochschule Potsdam. Sie forscht unter anderem zur Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt, zum Alltagserleben im Strafvollzug und den Wahrnehmungen von Gefängnisarchitektur, zu institutionellem Antisemitismus, sowie zu den Auswirkungen des 7. Oktobers 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland. Zusammen mit Marina Chernivsky leitet sie einen gemeinsamen Forschungsbereich am Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung. Aktuelle Veröffentlichungen, jeweils zusammen mit Marina Chernivsky: Analysekategorie institutioneller Antisemitismus  - Traditionslinien, Erkenntnisse und Forschungslücken (2025); „wie kommt das […] dass du nichts sagst wenn Jüdinnen vergewaltigt werden?“ – Sexualisierte Gewalt im Kontext des 7. Oktobers aus jüdischen Perspektiven in Deutschland (2025), in: Glöckner, Olaf/ Jikeli, Günther (Hrsg.): Antisemitismus in Deutschland nach dem 7. Oktober. Georg Olms Verlag: Hildesheim; Der 7. Oktober als Zäsur für jüdische Communities in Deutschland (2024), in: APuZ - Aus Politik und Zeitgeschichte: Antisemitismus. 74 Jg., 25-26 2024, S. 19-24.

Die hier aufgeführten Veranstaltungen geben einen exemplarischen Einblick in die Aktivitäten, die Dr. Michaela Conen seit Juni 2024 in ihrer Funktion als Prozessbeauftragte für Antisemitismusprävention durchgeführt hat.