Städtisches Konservatorium (ehem. Stern'sches Konservatorium) 1945-1966

Das Stern’sche Konservatorium der Musik hatte sich in jüdischem Privatbesitz befunden und wurde dann im Nationalsozialismus gleichgeschaltet, sodass die Inhaber*innen 1936 de facto enteignet wurden. Das Institut hieß nun Konservatorium der Reichshauptstadt Berlin.

Unmittelbar nach der Eroberung Berlins durch die Rote Armee im Jahr 1945 wurde der Unterricht von einigen Lehrenden wieder aufgenommen. 1948 erfolgte die Umbenennung in Städtisches Konservatorium und 1950 nahm die Schule den Zusatz „ehemals Stern’sches Konservatorium” in seinen Namen auf. 1949 wurden Räume am Reichpietschufer 52-54 bezogen, 1955 wechselte das Konservatorium ins Gebäude Bundesallee 1-12 in Wilmersdorf, in das ehemalige Joachimsthal’sche Gymnasium. Dort war zeitweilig auch das Berliner Musikinstrumenten-Museum untergebracht.

Im Februar 1946 wurde der Komponist Heinz Tiessen Direktor. Nachdem er 1949 zurückgetreten war, übernahm der Musikwissenschaftler, Schriftsteller, Sänger und Komponist Hans Joachim Moser im Januar 1950 dieses Amt. Gegen seine Ernennung gab es Proteste, da er sowohl durch seine Schriften als auch aufgrund seiner Tätigkeit in Goebbels Propagandaministerium belastet war. Nach Mosers altersbedingtem Ausscheiden im Jahr 1960 wurde 1962 der Musikwissenschaftler und Musikkritiker Kurt Westphal Direktor.

Am Städtischen Konservatorium wurden – anders als an der Hochschule für Musik – auch Kinder und Jugendliche unterrichtet. Das Konservatorium war also nicht nur der Berufsausbildung, sondern auch der Laienmusik verpflichtet. In seiner „Oberstufe” beanspruchte es „Hochschulrang”. Es gab immer wieder Überlegungen zu einer Zusammenlegung mit der Hochschule. 1966 wurde sie mit Beginn des Wintersemesters vollzogen. Der Name des Stern’schen Konservatoriums der Musik lebt im 1967 gegründeten Julius-Stern-Institut für musikalische Nachwuchsförderung fort.

Literatur

Christine Fischer-Defoy: „Kunst, im Aufbau ein Stein.” Die Westberliner Kunst- und Musikhochschulen im Spannungsfeld der Nachkriegszeit. Berlin 2001, S. 348-370.