Am ‘I’ the One? Selbsterzählungen zwischen Autotheorie, Crying Selfies und Confessionals

Am ‘I’the One? Selbsterzählungen zwischen Autotheorie, Crying Selfies und Confessionals
Alicia Agustín & Tereza Yakovyna Franca Zajac & Paula Regine Erb

Kunst im Kontext & Szenisches Schreiben

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Das Seminar „Am I The One“ lädt zur kritischen Auseinandersetzung mit autofiktionalen Formen des Schreibens und anderen auto-narrativen Methoden der Gegenwartskultur ein. Behandelt werden u. a. Social-Media-Confessionals, Romane, Gegenwartsdramatik und Essayistik. Welche politischen und historischen Bedingungen tragen zur Formung des modernen „Ichs“ bei, das zugleich Subjekt und Objekt einer Narration sein kann? Wie drückt sich dieses Ich aus? Dabei interessiert uns die historische Entwicklung der Rolle und Romantisierung des individuellen Subjekts, das über sich reflektiert und erzählt, sich in theoretische Kontexte einwebt und die eigenen Affekte nach außen trägt.
Im theoretischen Teil stehen die historische Entwicklung des individuellen und kollektiven Subjekts, Authentizität sowie Formen des autobiografischen Erzählens im Mittelpunkt. Auf der einen Seite lässt sich diese Entwicklung feiern: Narrationen, die durch bestehende Kanons verschluckt wurden, werden sichtbar gemacht. Über Prozesse der Identifikation und das Eintauchen in intime Räume entsteht die Möglichkeit von Self-Empowerment. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, was die Verschiebung von Klasse zu Identität und weiter von kollektiver zu individueller Identität gesellschaftlich bedeutet. Welche Funktion erfüllt Narration bei der Formung und Stabilisierung dieser Identität? Wie ist der Trend hin zu Authentizität als neue Währung der Aufmerksamkeitsökonomie einzuordnen? Wie wird Subjektivität unter den Bedingungen des digitalen Kapitalismus performt? Stehen Autor und Künstler zunehmend unter Druck, immer verständlich und permanent präsent zu sein? Weiterhin interessieren uns unterschiedliche künstlerische Praktiken und historische Formen des Selbstbezugs: viktorianische Introspektion unterscheidet sich fundamental von Samuel Becketts Not I oder der gegenwärtig medial kursierenden Main-Character-vs.-Non-Player-Character-Logik. Wann und wodurch führt der Prozess des Erzählens zu einer Dekonstruktion des Ichs? Wann und wie wird das Ich dadurch erst materialisiert? Wie verändert sich der Sprachgebrauch? Und welche Möglichkeiten haben künstlerische Praktiken, diese Formen der Narration neu zu denken? In Schreibwerkstätten und Performance-Workshops entwickeln die Studierenden eigene Texte mit Methoden des szenischen Schreibens und performativer Praxis. Das Seminar endet mit einer Performance/Lesung/Showing.

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