Preisträger*innen

Hier stellen wir Ihnen die Arbeiten der Preisträger*innen im Rahmen dieses Wettbewerbs REIMAGINING STEINHAUS vor:

Wir freuen uns sehr, dass zusätzlich zu den drei Preisen, die die UdK Berlin zu vergeben hatte, der Preis der Karl Hofer Gesellschaft als weiterer Preis verliehen werden konnte.

Preisträger Thibaud Leroy - “Upcycling the Steinhaus”

Mülltrennung, Reste sammeln

Quelle: Thibaud Leroy

Materialbibliothek/Lager

Quelle: Thibaud Leroy

Upcycling Werkstatt

Quelle: Thibaud Leroy

Fassade Nord

Quelle: Thibaud Leroy

Unter der Pergola

Quelle: Thibaud Leroy

Kommentar der Jury

Thibaud Leroys Vorschlag für die Neugestaltung des Steinhauses setzt den Fokus auf den Umgang mit für einen Umbau notwendigen Ressourcen.
Mit seinem Vorschlag stellt er aber Fragen, die nicht nur die Gestaltung des Steinhauses betreffen. Die gesamte Universität der Künste als materialintensive Produktionsstätte sollte sich durch seinen Beitrag aufgefordert fühlen, Veränderungen im Umgang mit Ressourcen zuzulassen und aktiv neue Wege zu finden, Abfall zu vermeiden, Materialien umzuverteilen und nachhaltiger zu verwerten. Dabei sieht er einen großen künstlerischen und sozialen Gewinn im Bauprozess, bei welchem er eine fakultätsübergreifende Zusammenarbeit für notwendig hält.

Hier finden Sie die vollständige Präsentation von Thibaud Leroy.

 

Preisträger*innen Annekathrin Warter / Matthias Pabst

Version 1: Blick nach Süden

Quelle: Annekathrin Warter und Matthias Pabst

Version 1: Blick nach Norden

Quelle: Annekathrin Warter und Matthias Pabst

Version 1: Schnitt 1:50

Quelle: Annekathrin Warter und Matthias Pabst

Version 1: Außenansicht

Quelle: Annekathrin Warter und Matthias Pabst

Version 2: Blick nach Norden

Quelle: Annekathrin Warter und Matthias Pabst

Version 2: Blick nach Südosten

Quelle: Annekathrin Warter und Matthias Pabst

Version 2: Außenansicht

Quelle: Annekathrin Warter und Matthias Pabst

Kommentar der Jury

Die Verfasser*innen legen zwei unterschiedliche Entwurfsvarianten für die Sanierung des Steinhauses vor. Diese differenzieren sich über einen Eingriff in der jeweilig sanierten neuen Gebäudeschicht, einerseits als innere Ebene bei unveränderter Beibehaltung der historischen Außenwand, anderseits als neue Außenwand und Dachhaut bei teilweise sichtbarer historischer Innenwandkonstruktion. Die Verfasser*innen überzeugen durch eine präszise konstruktive Ducharbeitung und angemessene Architektursprache beider Entwürfe, die sie über realitische Visualisierungen plastisch vermitteln. Die Gestaltungen liefern ästhetisch ansprechende Varianten eines möglichen Ausbaus der Bestandsarchitektur mit diskreten Verweisen auf die Historizität seines Kontextes. Die Jury bemängelt allerdings die prozessorale Abgeschlossenheit beider Entwürfe, welche Ausbau, Nutzung und Gestaltung nicht explorativ untersuchen, sondern in einem klassischen Planungs- und Ausführungsprozess realiseren. Das Gestaltungspotential durch eine gemeinsame Konzeption unterschiedlicher künstlerischer Fachkulturen bleibt hier ungeschöpft und sollte bei einer möglichen weiteren Überarbeitung als entwurfsrelevante produktive Gestaltungsgröße verwendet werden.

Hier finden Sie die vollständige Präsentation Version 01 und Version 02 von Annekathrin Warter und Matthias Pabst.

 

Preisträger*innen Dreiraum Kollektiv: Franziska Salker / Lukas Menzel / Mikel Elgezabal-Garmendia / Eli Simic-Prosic / Leon Maria Plecity – ”The Third Space”

The Third Space - Dreiraum Kollektiv | JC. Brouwer "Audio-Reactive Latent Interpolations with StyleGAN", Neurips 2020 (Reference for part of the code)

Kommentar der Jury

Die Verfasser*innen präsentieren ein Konzept für die praktisch-künstlerische Begegnung, welches seinen Bezugsrahmen aus den 1990 von Homi K. Bhabha publizierten Ideen des Third Space gewinnt. Das Konzept des Kollektivs imaginiert einen temporären, sich durch künstlerische Aktivitäten in Begegnung und gemeinsamer improvisatorischer Praxis immer neu konstituierenden Ort, der jenseits enger disziplinarischer Grenzen künstlerische Prozesse befördern kann (dies auch unter Verwendung zeitgenössischer digitaler Technologien und deren bildgebender Verfahren).
Die Jury schätzt diese Sichtweise auf zukünftige Nutzungsszenarien des Steinhauses, welche sich z.B. in konkreten programmatischen Übersetzungen von Begegnung und gemeinsamer künstlerischer Arbeit realisieren lassen. Kritisiert wurde dabei der noch fehlende Bezug zum Steinhaus selbst, welches als räumlicher Zeitzeuge noch zwingender in einen künstlerischen Bezug gesetzt werden könnte und ein eigenständiges konzeptionell-künstlerisches Nutzungsszenario ermöglichen kann.

Preisträger Preis der Karl Hofer Gesellschaft: Merlin Nebas – „Trans/formation Steinhaus“

Ob Aufbrechen oder Versiegeln; jeder Architektonische Eingriff in den Bestand wird als solcher klar erkenntlich. Die Hülle des Steinhauses mit ihren Spuren der Zeit wird dabei größtenteils erhalten.

Quelle: Merlin Nebas

Anstatt den Eindruck von Einheitlichkeit anzustreben werden die Diskontinuitäten, die bei der Neunutzung des alten Baukörper entstehen, zelebriert. Auf diese Weise entsteht ein spannungsvolles Verhältnis; zwischen den architektonischen Einsätzen und dem Bestand, den verwendeten Materialien, und nicht zuletzt auch zwischen dem repräsentativem Universitätsbau und dem Steinhaus Hybrid selbst.

Quelle: Merlin Nebas

Pflanzenkübel, Mobiliar oder Infoaufsteller; jede Form der Expansion des Steinhauses in den umliegenden Garten erscheint als eine Fortsetzung des Baukörpers selbst. Hier findet ein Dialog statt zwischen Architektur und beweglichem Gegenstand und zwischen Innen und Außen; ein Dialog, der auch für zukünftige Eingriffe und Umnutzungen offen ist.

Quelle: Merlin Nebas

Die Brüche im Außen und die Vielgestalt der Nutzung des Steinhauses spiegelt sich im Innenraum wieder. Anstatt die vielfältigen Nutzungsansprüche als rein funktionales Problem zu verstehen, entfaltet das bewegte Innenraumkonzept eine eigenwillige visuelle Identität die zur Improvisation, Eigeninitiative und Grenzüberschreitung einlädt.

Quelle: Merlin Nebas

Farben und Formen wandern im Raum, spannen sich auf, gruppieren sich neu. Die farbigen Tischplatten, die sich bei regulären Nutzung im Raum verteilen, verkleiden bei Umnutzung des Raums die Wände. Mobile Kuben dienen mal als Tribüne, mal als Sockel oder Bühne. Das Mobiliar wird zum Akteur. Der Innenraum gleicht einer Bühne, die ihre Gestalt je nach Nutzung verändert.

Quelle: Merlin Nebas

Die Durchbrüche an der Ost- und Südseite dienen als Schaufenster für neugierige Blicke und deuten gleichzeitig die ausgreifende Bewegung in den umliegenden Raum an. Die weitläufig verteilten Materialfragmente setzen diese Expansion noch fort. Die Ordnung der Gartenanlage wird so gestört und gerät selbst in Bewegung.

Quelle: Merlin Nebas

Kommentar der Jury

Unmittelbar nach dem Kriegsende hatte man, so als würde der Sinn für das Schöne ein für alle Mal verschwunden sein, die filigrane Konstruktion des Bildhauerateliers im Hof der UdK mit zementgebundenen Schuttmaterial vermauert. Innerhalb der sonst allesdurchdringenden Formensprache der Universität führte das wohl zu einem rätselhaften Dasein des Häuschens, das aber nichts desto trotz bis heute überlebt hat. Dieser Umstand hat den Autor des Projekts Nr.: 7 dazu veranlasst, die Frage nach der „Formulierung einer übergreifenden Geste des Intervenierens“ (eig. Projektbeschreibung) ins Zentrum der Überlegung zu stellen. Die „gestalterischen Entscheidungen“ (eig. Projektbeschreibung) bleiben dabei bis zum nächsten Dialogschritt des Verhandelns sekundär von Bedeutung.
Diese Herangehensweise überzeugt die Jury im Sinne des beabsichtigten Transformationsprozesses, wo zu erwarten sein sollte, dass die Eingriffe sich als Weiterentwicklung im Gebrauch abbilden und diese unabhängig voneinander und auch zeitlich versetzt erfolgen werden.
Das Projekt bliebe somit in einem unabgeschlossenen Schwebezustand, wo im günstigsten Fall durch den jeweils vorgenommenen Eingriff ein nächster schon angelegt sein würde. Die Brüche, die dabei entstehen werden, sind willkommen, werden auch nicht versteckt und könnten einen optimistischen Ausblick auf die Zukunft abbilden. Im Gegensatz zu einem üblichen Sanierungsprojekt mit thermischer Ertüchtigung der Außenhülle, gehen in diesem Vorhaben die Absichten des Projektverfassers weit über die Anforderung nach der bloßen Schaffung eines zusätzlichen Raumangebots hinaus, womit langfristig ein großes Potenzial für selbstverwaltete Aktivitäten von Studierenden geboten wäre.

 

Kommentar Karl Hofer Gesellschaft e.V. / Freundeskreis der UdK Berlin

An Merlin Nebas wurde für seinen Beitrag für die Neugestaltung des Steinhauses der Preis der Karl-Hofer-Gesellschaft verliehen. Er ist Studierender der Architektur an der UdK Berlin und der Philosophie an der FU Berlin.
Merlin Nebas präsentiert in seinem Wettbewerbsbeitrag das Steinhaus als retrospektives Ergebnis gestalterischer Abläufe und Theorieansätze und projiziert diese historische bauliche Schichtung als offenes, unabgeschlossenes Geschehen in die Zukunft. Markante Akzente wie das schräg nach vorn versetzte, rosafarbene Eingangsportal laden uns gleichsam zur Rückschau aus künftiger Perspektive ein. Die Freilegung und Belassung kruder baulicher Elemente aus früheren Umgestaltungen und Reparaturen des Gebäudes wie zugemauerte Fenster, die Einbringung neuer, gerade auch nachhaltiger Baumaterialien wie Holz verweisen kontextuell auf den umliegenden Ruinengarten und den gesellschaftlichen Imperativ einer klimagerechten und nachhaltigen Hochschule. Das Konzept einer variablen Nutzung des durch ein großes Oberlicht natürlich beleuchteten Innenraums und ein abgetrennter Besprechungsraum komplettieren den durchdachten und in sich stimmigen Vorschlag.
Merlin Nebas formuliert in seinem Entwurf – um seine Worte zu verwenden – eine metahistorisch „übergreifende Geste des Intervenierens, die nicht allein die Bruchlinie zwischen Altem und Neuem thematisiert, sondern gleichzeitig auch zu künftigen Veränderungen einlädt“.

Hier finden Sie die vollständige Präsentation von Merlin Nebas.