Es war früh am Morgen in der Berliner U-Bahn. Auf dem Weg zur Universität scrollte ich wie gewohnt durch mein UdK-Mail-Postfach, als mir die Ankündigung des International Office über das MyMATE-Programm ins Auge sprang. In den Semestern zuvor hatte ich die Ausschreibungen zwar jedes Mal registriert, aber immer wieder gezögert. Stets fand sich eine bequeme Ausrede, warum gerade jetzt keine Zeit dafür sei. Doch an diesem Morgen war es anders: Ich beschloss, mir diese Zeit ganz bewusst zu nehmen. Die Bewerbung war unkompliziert und schnell abgeschickt, doch das Warten darauf begann mit einer Mischung aus Neugier und Nervosität.
Wenig später erhielt ich eine Email mit der Zuteilung: Mein Match hieß H. Wir bekamen gegenseitig unsere Steckbriefe zugeschickt und begannen schon bald, uns per Mail auszutauschen. Anfangs war ich spürbar aufgeregt – wie oft lässt man sich im durchgetakteten Studienalltag schließlich noch auf völlig neue Begegnungen ein? Neben dem Kribbeln überwog aber vor allem die Vorfreude, mein Gegenüber nach den ersten digitalen Zeilen endlich persönlich kennenzulernen. Wir verabredeten uns für eine Woche später am UdK-Standort in der Hardenbergstraße 33. Als ich gespannt vor dem Hauptgebäude wartete und über die Straße blickte, sah ich sie bereits: Sie winkte mir fröhlich zu und strahlte über das ganze Gesicht. In genau diesem Moment fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Sie erzählte mir später, dass sie ebenso aufgeregt war wie ich.
Unser erstes Treffen verging wie im Flug. Wir erkundeten gemeinsam das Hauptgebäude, holten uns etwas in der Mensa und setzten uns nach draußen in die Sonne, um ins Gespräch zu kommen. Vor Programmstart hatte ich mir viele Gedanken und Sorgen gemacht. Meine größte Angst war gewesen, meiner Mentee vielleicht nicht ausreichend weiterhelfen oder den Anforderungen nicht gerecht werden zu können. Doch schon bei diesem ersten Treffen wurde mir klar: Unterstützung im Rahmen von MyMATE bedeutet so viel mehr als bloße organisatorische Hilfestellung. Aus einem anfänglichen Mentoring ist mittlerweile eine echte Freundschaft gewachsen. Wir unterstützen uns auf Augenhöhe: Wir tauschen Lernunterlagen aus, diskutieren über Lehrinhalte und führen lange, bereichernde Telefongespräche und Spaziergänge über das Leben und Studieren in Berlin.
Natürlich gab es auch kleine Hürden, die vor allem organisatorischer und fachlicher Natur waren: H. studiert einen anderen Lehramts-Studiengang als ich. Dadurch musste ich mich zunächst intensiv in ihre Studien- und Prüfungsordnung einlesen, um ihre Modulanforderungen überhaupt nachvollziehen zu können. Zudem belegte sie viele Seminare, die ich selbst schon vor Jahren absolviert hatte – was wiederum bedeutete, altes Wissen noch einmal aufzufrischen. Diese Herausforderung erwies sich jedoch schnell als Bereicherung, da ich so einen spannenden Blick über den Tellerrand meines eigenen Studiengangs werfen konnte.
Rückblickend war die Teilnahme am MyMATE-Programm eine enorme persönliche Bereicherung. Es ging weit über universitäre Formalitäten hinaus: Wir haben gemeinsam traditionell koreanisch gekocht, einander die Hausarbeiten zur Korrektur vorgelegt und tiefgründige Gespräche über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten geführt. Das MyMATE-Programm hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, die eigene Komfortzone zu verlassen. Wer noch zögert, dem kann ich nur raten, die Ausreden beiseitezuschieben: Man gewinnt nicht nur Erfahrung im Mentoring, sondern oft auch eine wertvolle Freundschaft fürs Leben.