Anna Poubová, „Wir fahren nur in den Urlaub, wenn es regnet“, 2023

Quelle: Anna Poubová

„Wir fahren nur in den Urlaub, wenn es regnet“

mehrteilige Installation, Landwirtschaftsgeräte
Wenn man auf einem Bauernhof aufwächst, hat man nicht viel Sinn für die Romantik der Landwirtschaft. Landwirtschaft ist das Erste, was man kennt. Ständiges Beobachten des Wetters, Arbeit in der Werkstatt, Metall, Staub, Motoröl, monotone Feldarbeit und: Sommerurlaub nur, falls es regnet. Ich kehre aus der Stadt auf den Hof zurück, und zusammen mit meinem Vater renoviere ich alte Maschinen für meine Ausstellung. Es ist wie damals, als ich noch bei meinen Eltern wohnte: Wir verbringen Zeit zusammen in der Werkstatt. Landwirtschaft ist ein bisschen wie Kunst: Es gibt viele schwere Maschinen, die seltsame Formen haben, und Kreativität und Improvisation werden herausgefordert, weil Geräte ständig repariert, eingestellt, geparkt und transportiert werden müssen.
Wie andere auch, habe ich die Landwirtschaft lange Zeit als etwas Grundlegendes gesehen: Der Mensch ist fest mit dem Boden und dem Ort, an dem er sich befindet, verbunden. Er ist abhängig von der Qualität der Erde und dem Wetter an diesem Ort. Aber nach und nach habe ich gelernt, dass dies nicht das Einzige ist. Der Getreidehandel ist globalisiert. Der Preis, zu dem ein Landwirt Getreide verkauft, wird von der Börse und den Händlern bestimmt, die mit Kommoditäten spekulieren. Der Bauer ist also nicht nur mit dem Land verbunden, auf dem er lebt, sondern auch mit dem globalen Markt. 
Der Krieg in der Ukraine hat dies noch verschärft: Weil es schien, dass es einen Mangel an Getreide geben könnte, ist dessen Preis dramatisch gestiegen. Das ermutigte die Händler, die sich dann, als der Preis wieder sank, weigerten, Getreide zu verkaufen. Sie hofften, der Preis würde wieder steigen … und zum Zeitpunkt der Ernte beunruhigten sie die Landwirte: Die Silos sind jetzt voll, und der Preis fällt weiter.

Dieses Projekt konnte ich nur realisieren dank der enormen Unterstützung meines Vaters, Pavel Pouba, und der Möglichkeit, historische Maschinen aus dem Bauernhof und Museum des Landwirts Vladislav Hlinka aus Cervene Porici in der Tschechischen Republik auszuleihen. Ich bedanke mich herzlich.

Anna Poubová hat Bildende Kunst studiert und ist Absolventin 
der Klasse von Prof. Ursula Neugebauer.
@annapoubova