16/04/24 Start Bachelor SS 24

Sorgende Techniken

BA 2. Studienjahr, WS 2023/24

Haustechnik machen wir üblicherweise an Stoffströmen fest: Wasser- und Abwassertechnik, Raumlufttechnik, Elektrotechnik... Diese Zuordnung macht viel Sinn, weil Wasser nun einmal technisch anders transportiert wird als Strom. Aber sie bleibt auch etwas artifiziell: Technik scheint hier vor allem eine Sache des Versorgens und anschließenden Entsorgens oder Verbrauchens zu sein. Wir könnten uns der Haustechnik jedoch auch von einer ganz anderen, stoffunabhängigen Richtung nähern. Zum Beispiel, indem wir von Tätigkeiten ausgehen: Waschen, Kochen, Essen, Ausscheiden... Und wir könnten Verbindungslinien zwischen solchen Tätigkeiten ziehen: Zwischen dem Kochen und dem Ausscheiden, dem Waschen und dem Essen. Ein solches „sorgendes“ Techniksystem wäre dann ein kleiner Organismus in sich selbst, ein Akteur im Haus wie die Bewohnenden, der eine stofflich-materielle Dimension hat, darüber hinaus aber auch sozial und ökologisch wirksam ist. Technik müssten wir dann als etwas betrachten, das nicht allein dem Konsum und der Entsorgung dienen kann, sondern seinerseits als metabolistisches System Sorge und Pflege von uns benötigt. 

Im Semester wollen wir die kleinen und großen Stoffkreisläufe in den Mittelpunkt rücken und ausgehend von ihnen räumlich gestalten. Drei alte Häuser in Eberswalde - alle auf ihre eigene Weise reparaturbedürftig - bilden den Ausgangspunkt für kleinere und größere Umbauten. Das Semester wird eng begleitet von KanTe, dem „Kollektiv für angepasste Technik“ aus Berlin.


Start: Dienstag, 16.04.2024 um 13:00 Uhr, Raum 236