Künstlerische Forschung
Im Fachbereich Plastische und Räumliche Darstellung (PRaDa) werden ausschließlich künstlerische Strategien und Arbeitsweisen erprobt. Die Studierenden arbeiten mit größtmöglicher Intensität an freien Kunstprojekten.
Ein Schwerpunkt unseres Unterrichts ist, Studierenden zu vermitteln, dass Bilder eine eigene Sprache und eine eigene Logik haben. Das Erlernen des Verstehens der nonverbalen Sprache der Bilder führt zu der Möglichkeit, auch in Bildern zu denken. Das Bildhafte Denken soll als eine besondere und wichtige Form des Denkens neben dem begrifflich-logisch basierten Denken thematisiert werden. Beim Denken in Bildern werden die vorbegrifflichen Wirkweisen und die starke Assoziationskraft von bildlich-räumlichen Konfigurationen in einem Moment der Gleichzeitigkeit gedacht. Mit „gedacht“ ist hier gemeint, dass Gefühle, Assoziationen, Bedeutungsebenen im selben Moment blitzschnell gesehen werden und zwar ohne logische und auch ohne hierarchische Ordnung. In diesem Denkmodus setzt die Intelligenz des Auges Fakten und erspürt Denkwürdiges.
Die Wirkmacht und die Assoziationsketten und damit die Botschaften von Bildern erkennen und einen bewussten Umgang (auch mit ungewollten Botschaften) zu finden ist der erste Schritt dieser Arbeit und ein zweiter, dieses Wissen in einem virtuosen und intuitiven Umgang als Werkzeug im Entwurfsprozess einzusetzen zu lernen.
Zusammen mit dem Erlernen des Bildhaften Denkens versuchen wir, die ureigenen Methoden der Kunst zu vermitteln: Das Erkennen und Nutzen von Zufall, die Erlaubnis zum mutigem Scheitern, dem beherzten Verwerfen geplanter Konzepte, dem Sprung ins Risiko, dem Erleben von Intensität aus individueller Energie. All dies geschieht unter permanent präsenter Einbeziehung der eigensinnigen Gesetze des Bildhaften: Ausdruck/Licht/Farbe/Komposition/Raumwirkung. Eigensinnig sind die Gesetze des Bildhaften, denn sie sind ein fluides Gefüge und können, je nach künstlerischer Idee, auch jederzeit ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten aus den Angeln heben, um deren Gegenteil zu behaupten.
Künstlerische Forschung bedeutet für uns also die differenzierte und komplexe Arbeit mit dem Unverstehbaren, dem Unberechenbaren und dem Unbeweisbaren. Sie unterscheidet sich damit grundlegend von wissenschaftlicher Forschung. Unsere Projekte sind Forschungsreisen in unbekanntes Terrain und in Fiktion. Dafür ist uns jede Darstellungsform und fast jedes Mittel recht: Performances in inszenierten Settings, Performances im öffentlichen Raum, fiktionale Kurzfilme, inszenierte Fotografie, Salon als experimentelles Diskussionsforum, persönliche Künstlerbücher von Wanderungen im Stadtraum, aber auch das Modellieren und Konstruieren von Skulpturen.