Quelle: Images 1 and 2: Constellations Vol. 1 Spring 2025, Yasmin Civan & Amélie Gropaiz
Das Bauen wird derzeit von zwei sich scheinbar diametral gegenüberstehenden Krisen definiert: Der ökologische, die der übermäßige Ressourcenverbrauch des Bauens darstellt, und die Wohnungskrise. Aus sozialer Perspektive besteht ein akuter Bedarf an zusätzlichem Wohnraum, insbesondere an bezahlbaren Wohnungen. In urbanen Regionen wie Berlin ist dieser Bedarf besonders ausgeprägt: So prognostiziert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bis 2040 einen Bedarf von rund 272.000 neuen Wohnungen. Demgegenüber steht die ökologische Problematik des Bauens. Über seine gesamte Prozesskette hinweg trägt es erheblich zur ökologischen Krise bei: von der extraktiven Gewinnung natürlicher Ressourcen über Treibhausgasemissionen durch Transport und Verarbeitung bis hin zur Zerstörung von Lebensräumen und zur Bodenversiegelung. Hinzu kommen Abfälle aus Herstellung und Rückbau sowie der Abriss obsolet gewordener Gebäude. Für dieses Dilemma gibt es keine einfache Lösung. Dennoch lässt sich eine zentrale Aufgabe für Planerinnen und Architektinnen formulieren: Gebäude – sofern ihre Errichtung nicht durch die Weiternutzung des Bestands vermieden werden kann – müssen so konzipiert werden, dass sie über lange Zeiträume hinweg effizient, anpassungsfähig, und für unterschiedliche Nutzungen geeignet sind. Im Wohnungsbau verschärft sich das Problem dadurch, dass ökologische Fortschritte in Bauweise und Dämmung mit einem kontinuierlich steigenden Flächenverbrauch pro Kopf einhergehen. Die durch technische Optimierungen erzielten Einsparungen werden dadurch weitgehend kompensiert – ein Phänomen, das als Rebound-Effekt beschrieben wird. Maßgeblich hierfür sind zum einen die zunehmende Verkleinerung von Haushalten, zum anderen der Umstand, dass Bau oder Erwerb von Wohnraum häufig in der Lebensphase höchsten Flächenbedarfs erfolgt: jener der Kleinfamilie mit jungen Kindern. Dieses aus westlichen Nachkriegsgesellschaften hervorgegangene Modell wird im globalisierten Konsumkontext vielfach reproduziert, obwohl die Phase der Kernfamilie nur einen begrenzten Zeitraum umfasst. Über weite Teile des Lebens leben Eltern ohne ihre Kinder – sofern sie überhaupt als Paar zusammenbleiben. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Studio dem Thema Constellation Housing. Im Fokus steht eine radikale alternative Bauform, die zugleich mit der Mehrheit realer Wohnformen – verstanden als räumliche Organisation sozialer Beziehungen – kompatibel ist. Ziel ist eine langfristig angemessene Nutzung im Sinne von Suffizienz sowie Offenheit für vielfältige Lebensformen und Verwandtschaftsmodelle jenseits der heteronormativen Kernfamilie. Constellation Housing hinterfragt die etablierten Grenzen der Wohnung als abgeschlossene räumliche Einheit und entwickelt alternative Konzepte der räumlichen Verknüpfung, ohne eine spezifische Nutzungskonfiguration festzuschreiben. Sich wandelnde Lebens- und Wohnformen dienen als Ausgangspunkt, ergänzt durch Perspektiven aus anderen Disziplinen. Zugleich wird untersucht, welche Auswirkungen ein solcher Wohnansatz auf die Stadt haben kann und welche Herausforderungen sich daraus für Gebäudeorganisation, architektonische Details, Finanzierungs- und Betriebsmodelle, Baurecht und Wohnungspolitik ergeben. Kurz: Wir wollen Wohnen grundsätzlich anders denken – und freuen uns darauf.
Die Projektwahl erfolgt digital am Montag, 13.10.25. Studierende können an diesem Tag von 13:00 bis 16:00 Uhr über Moodle bis zu drei Projektwünsche einreichen.
Erasmus-Studierende ohne UdK-E-Mail-Adresse oder ohne Moodle-Zugang können ihre Projektwünsche alternativ bis spätestens Montag, 13.10.25, 16:00 Uhr, per E-Mail an m.numberger@udk-berlin.de senden.