Preisträger 2020: Dr. Annemarie Jaeggi

Quelle: Deutscher Werkbund Berlin e.V.

Begründung der Jury zur Verleihung des Julius Posener Preises 2020 an Annemarie Jaeggi


Annemarie Jaeggi setzt sich seit vielen Jahrzehnten mit herausragendem Engagement
und höchstem fachlichen Anspruch für eine vertiefte und unvoreingenommene Erforschung
und Vermittlung der Architektur der Moderne ein.


Mit ihren Publikationen zu Adolf Meyer, zum Wohnungsbau des frühen 20. Jahrhunderts,
zu Egon Eiermann und vor allem zur Geschichte des Bauhauses und zu dessen Umfeld
hat sie seit den 1980er Jahren immer wieder kenntnisreiche und methodisch profunde Studien
vorgelegt. Auch für den erfolgreichen UNESCO-Welterbenantrag „Siedlungen der Berliner
Moderne“ war ihre Mitarbeit und Beratung von herausragender Bedeutung.


Seit vielen Jahren prägt Annemarie Jaeggi als Direktorin des Bauhaus-Archivs / Museum für
Gestaltung, Berlin dessen Vermittlungsprogramm, sei es durch die zahlreichen Ausstellungen
und Publikationsreihen zur Geschichte des Bauhauses und der Bauhäusler*innen, aber auch
durch Ausstellungen zu zeitgenössischen Designern wie Peter Raacke, Ingo Maurer,
Jasper Morrison oder Erik Spiekermann. Maßgeblich hat sie zur Realisierung der beiden großen
Jubiläumsausstellungen 90 Jahre Bauhaus sowie Bauhaus 100 beigetragen und deren Kataloge
konzipiert und herausgegeben. In ihre Zeit als Direktorin fallen auch die Aufnahmen der letzten
großen Nachlässe von Bauhaus-Familien wie zuletzt 2016 jene von Gertrud und Alfred Arndt oder,
im selben Jahr, von Hinnerk und Lou Scheper.


Annemarie Jaeggis beharrlicher Arbeit ist es mit zu verdanken, dass das Bauhaus-Archiv in
den kommenden Jahren seinen lang erwarteten, von Volker Staab Architekten entworfenen,
Erweiterungsbau erhalten wird. Mit dem „Open Archive: Walter Gropius“ wurde aber auch
über die traditionelle Museumsarbeit hinaus der international einzigartige Archivstandort dieser
Berliner Institution gestärkt und weiterentwickelt.


In Freiburg ausgebildet, hat die Kunsthistorikerin und Kuratorin Annemarie Jaeggi schon früh
den Schritt an die Architekturfakultäten gemacht und lehrte sowohl zunächst in Karlsruhe
und an der Technischen Universität Berlin, seit vielen Jahren auch an der Accademia di architettura
in Mendrisio Architekturgeschichte. 2019 wurde ihr von der Fakultät für Architektur am Karlsruher
Institut für Technologie die Ehrendoktorwürde verliehen.


Annemarie Jaeggi ist international hervorragend vernetzt und in zahlreichen Gremien und
Positionen vertreten und sie hat u.a. die Kooperation zwischen den drei Bauhaus-Standorten
Weimar, Dessau, Berlin aber auch das Netzwerk der Triennale der Moderne mitbegründet.
Annemarie Jaeggi steht für eine kenntnisreiche, engagierte, offene und nie abgeschlossene
Rezeption der Architektur der Moderne. Vor diesem Hintergrund ist Annemarie Jaeggi die
ideale Persönlichkeit, mit dem Julius Posener Preis 2020 geehrt zu werden.


Leonie Baumann
Kaye Geipel
Tim Heide
Matthias Noell
Christoph Rauhut
Helga Schmidt-Thomsen
Juliane Zach


Berlin, 26.10.2020