Stimmen aus dem ersten Semester

Quelle: mn

"Mich fasziniert am Beruf der Architektin vor allem das komplexe Zusammenspiel zwischen Kreativität und Wissenschaft, die Balance zwischen ungezähmten Erforschen und Ausprobieren und das darauffolgende Überprüfen der Ergebnisse anhand rationaler Kriterien mit wissenschaftlicher Strenge. Die Vorstellung, immer wieder aufs Neue zu testen, wie hoch man fliegen kann, ohne zu stürzen, ist für mich extrem spannend.
Gute und wegweisende Architektur entsteht glaube ich nur dann, wenn Platz für bisher noch nicht dagewesene Ideen ist und Raum für Konzepte, die vielleicht abwegig klingen, bevor sie ausprobiert werden. Nichtsdestotrotz ist sie nun einmal auch eine Disziplin, an der kein Weg an den Regeln der Physik, vielleicht noch wichtiger an den Gesetzen der Gemeinschaft und des Lebensalltags vorbeiführt. In der Reibung dieser, nicht zwangsläufig gegensätzlichen, aber dennoch sich gegenseitig stark beeinflussenden Komponenten, entsteht ein Prozess, der für mich Entwicklung verkörpert. Außerdem gehört dazu ein Gleichgewicht zwischen Beobachtung und Eingriff, zwischen Erhalt und Neuschaffung, planerischen und ausführenden Arbeiten.
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Architektur ist in meinem Augen ein Fachbereich, der in großem Ausmaß die Herausforderungen, Träume und Hoffnungen seiner Zeit spiegelt. Sie trägt die Male ihrer Umstände und materialisiert mit ihnen eine Zukunft. Da Architektur eine Disziplin ist, die von denen, die in ihr arbeiten, immer ein eigenes Verständnis von Fortschritt erfordert, empfinde ich es als besonders interessant, sich damit auseinanderzusetzen, welches das meine ist.
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Ich möchte also hiermit für eine stärkere Beziehung zu unseren Dingen plädieren. Ich glaube wirklich, dass sie uns zu uns machen, zu uns gehören, uns definieren und für uns stehen. Dinge erzählen unsere Geschichte seit Jahrtausenden, egal ob durch archäologische Fundstücke, Erbe
oder Zufall.
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Architektin zu werden fühlt sich an wie meine Bestimmung. Die Frage nach dem Warum habe ich mir nicht erst mit dieser Arbeit angefangen zu stellen, sondern vor vielen Jahren, als ich selber überrascht darüber war, wie jung ich war, als ich genau wusste, wer ich einmal werden will. Seitdem habe ich meine Vorstellung davon, was genau das sein wird, immer und wieder im Kopf, im Herzen, aber vor allem in dem Weg den ich einschlage, überarbeitet und ich bin noch lange nicht fertig damit, zu werden, wer ich sein möchte. Ich bin jetzt seit sechs Monaten an der Universität der Künste und diese Zeit zählt jetzt schon zu den besten meines bisherigen Lebens. Es ist ein Privileg für mich, so lernen und machen zu können, wie ich mir das schon sehr lange gewünscht habe.

Lili G., Erster Jahreskurs, Architekturgeschichte + Architekturtheorie, März 2026