Eine Reise durch die Kreativität

Quelle: CC-BY 4.0 Clarissa Elisa Walter

„Du kannst Kreativität nicht aufbrauchen. Je mehr du sie benutzt, desto mehr hast du.“ Maya Angelou

 

Kreativität ist das Kapital, aus dem wir schöpfen, um Dinge zu erneuern und nützlicher zu gestalten. Eine Fähigkeit, die besonders an Bedeutung gewonnen hat, um die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit angehen zu können. Der digitale Wandel, die Klimakrise, die Lösung von sozialen Problemen oder die Transformation unserer Wirtschaft: überall benötigen wir kreative Lösungen, um den gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben.

Das bedeutet natürlich, dass wir auch im Arbeitsleben immer häufiger kreative Lösungen finden müssen. Etwa bei der Einführung eines Produkts, der Neuausrichtung einer Strategie, für die Umsetzung eines Projekts oder bei der Aufstellung von Teams.

Doch was ist eigentlich Kreativität und wie kann man sie fördern?

In der folgenden Lernreise zur Psychologie der Kreativität beschäftigen sich Studiengangsleiter und Institutsdirektor Prof. Dr. Sascha Friesike und Jennifer Haase, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft, intensiv mit dieser Frage. Dazu begeben sie sich auf eine 12-teilige Lernreise, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Kreativitätsforschung für unsere Hörer*innen einzuordnen. Im Gespräch orientieren sie sich an den vier P's in der Kreativitätsforschung und nähern sich dabei einer Definition des Kreativitätsbegriffs an. Wir erfahren, was eine kreative Person ausmacht, wie man den kreativen Prozess beschreiben kann, wo ein kreatives Umfeld (Press) entsteht und wie ein kreatives Produkt aussieht.

Episodenanzahl: 12

Dauer pro Episode: etwa 30-50 Min.

Gesamtdauer der Lernreise: 8 Std. 58 Min.

Quellenangabe Intro/Outro: CC0

Folge 1 – Willkommen auf der Couch der Kreativität

In der ersten Folge zum Thema Psychologie der Kreativität geht es um die Frage, was Kreativität überhaupt ist und wie man sie definiert. Es werden unterschiedliche Kreativitätsverständnisse diskutiert und gezeigt, wie Kreativität gemessen werden kann. Außerdem gibt es eine nähere Beschreibung zum Aufbau des 12-teiligen Kurses.

Quellen:

Glăveanu, Vlad Petre (2018): Educating which creativity?. In:  Thinking Skills and Creativity (2018), 25-32. Elsevier. 

Runco, Mark A.; Jaeger, Garrett J. (2012): The Standard Definition of Creativity. In: Creativity Reasearch Journal, 24(1), 92-96. Routledge. 

Runco, M.A.; Kim, D (2011): The Four Ps of Creativity: Person, Product, Process, and Press. 534-537. Elsevier.

Folge 2 – Der Mythos der kreativen Persönlichkeit

Es geht los mit dem ersten P der kreativen Reise und damit um die »kreative Person«. Es wird der Einfluss der Persönlichkeit auf das kreative Schaffen thematisiert und davon ausgehend das Big-5 Modell der Persönlichkeit beleuchtet. Zum besseren Verständnis der Kreativität in den unterschiedlichen Bereichen wird auch das Vergnügungsparkmodell zur Domänenabhängigkeit kreativer Arbeit erklärt.

Quellen:

Baser, John; Kaufman, James C. (2005): Bridging generality and specificity: The amusement park theoretical (APT) model of creativity, 27:3, 158-163. Roeper Review.

Da Costa, Silvia; Páez, Darío; Sánchez, Flor; Garaigordobil, Maite; Gondim, Sonia (2015): Personal factors of creativity: A second order meta-analysis. In: Journal of Work and Organizational Psychology (2015). 165-173. Elsevier.

Folge 3 – Relevanz von Selbstwahrnehmung und Mindset

Im zweiten Teil zur »kreativen Person« geht es um die Selbstwahrnehmung. Was genau ist das, wie lässt sich diese differenzieren und welchen Einfluss hat sie auf die kreative Arbeit? Können wir unseren Blick auf uns selbst verändern und wozu ist das wichtig? Zentral ist dabei der Aspekt der Motivation und der verschiedenen Möglichkeiten, sich in den eigenen kreativen Kompetenzen zu verbessern.

Quellen:

Karwowski, Maciej (2013): Creative Mindsets: Measurement, Correlates, Consequences. In: Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts (2014), Vol. 8, No. 1, 62-70. American Psychology Association.

Folge 4 – Affekt und Kreativität braucht keine Lila-Wolken-Laune

In dieser Folge geht es um die Relevanz von Emotionen für das kreative Schaffen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen unseren Emotionen, Stimmungen und Launen und unserer Kreativität? Was hat es mit dem Stereotyp von schmerzerfüllten-depressiven Künstler*innen auf sich? Und wie nutze ich mein emotionales Spektrum bestmöglich für meine kreative Arbeit? 

Quellen:

Acar, Selcuk; Tadik, Harun; Myers, Danielle; van der Sman, Carian; Uysal, Recep (2021): Creativity and Well-being: A Meta-analysis. In: Journal of Creative Behavior – Publication of the Creative Education Foundation, 1-14.

Baas, Matthijs; De Dreu, Carsten K. W.; Nijstad, Bernard A. (2008): A Meta-Analysis of 25 Years of Mood-Creativity Research: Hedonic Tone, Activation, or Regulatory Focus? In: Psychological Bulletin (2008), Vol. 134, No. 6, 779-806. American Psychological Association.

Folge 5 – The Dark Side of Creativity

In Folge 5 werden die Schattenseiten der Kreativität in den Fokus gerückt. Können kreative Menschen besser lügen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen mentalen Störungsbildern und Kreativität? Ist extreme Emotionalität hilfreich beim kreativen Schaffensprozess? Macht stark ausgeprägte Kreativität vielleicht auch krank? Und was ist dran an der mad genius hypothesis?

Quellen:

Gino, Francesca; Ariely, Dan (2012): The Dark Side of Creativity: Original Thinkers Can Be More Dishonest. In: Journal of Personality and Social Psychology (2012), Vol. 102, No. 3, 445-459. American Psychological Association.

Silvia, Paul J.; Kaufman, James C. (2010): Creativity and Mental Illness. In: The Cambridge handbook of creativity (2010), 381-394.

Folge 6 – Den Heureka!-Moment erschaffen

Start von Teil 2 der »Psychologie der Kreativität«. Für die nächsten Episoden wird der kreative Prozess genauer unter die Lupe genommen. Den Auftakt bildet ein wahrer Evergreen in der Kreativitätsforschung: The Art of Thought von Graham Wallace. Es geht darum zu verstehen, welche Phasen durchlaufen werden, um zu kreativen Ideen zu kommen und welche Bedeutung Inkubationsphasen für den kreativen Prozess haben.

Quellen:

Sadler-Smith, Eugene (2015): Wallas’ Four-Stage Model of the Creative Process: More Than Meets the Eye? In: Creativity Research Journal (2015), 27(4), 342-352. Taylor & Francis Group, LLC.

Wallas, Graham (1926): The art of thought. London

Folge 7 – Kreative Routine: Das Oxymoron konstanter Kreativität

In dieser Folge geht es um Routinen und deren Bedeutung für kreative Prozesse. Dabei wird auch die Beschaffenheit organisationaler Routinen näher betrachtet: Wie unterscheidet sich die Arbeit innerhalb von Prozessen von der Arbeit an den Prozessen selbst? Welche kognitive Arbeit leistet das Gehirn dabei? Wie schaffen es Führungskräfte Schnittstellen in Organisationen für die kollektive Zusammenarbeit zu schaffen und gleichzeitig individuellen Präferenzen gerecht zu werden? Welche Rolle spielt die Arbeitssozialisierung dabei – Stichwort: Fließbandarbeit? Kurzum: Welche Routinen eignen sich dazu kreative Potenziale freizusetzen?

Quellen:

Cohendet, Patrick; Llerena, Patrick, Simon, Laurent (2014): The Routinization of Creativity. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik (2014), Bd. (Vol.) 234/2+3. Lucius & Lucius. Stuttgart

Folge 8 – Kreativität fördern

Es geht weiter im kreativen Prozess, in dieser Episode mit einer besonders beliebten Frage zum Thema Kreativität: Wie kann sie denn nun eigentlich gefördert werden? Anhand von verschiedenen Experimenten wird untersucht, welche inneren und äußeren Faktoren Einfluss auf das kreative Potenzial haben können, wie etwa die Gestaltung der Arbeitsumgebung, längere Auslandsaufenthalte oder der Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen. Im letzten Teil des Gesprächs geht es dann um populäre Kreativitätsmethoden im Arbeitskontext, die vor dem Hintergrund aktueller Erkenntnisse aus der Kreativitätsforschung evaluiert werden.

Quellen:

Plucker, J. A., Runco, M. A., & Hegarty, C. B. (2011). Enhancement of Creativity. In: Runco, M. A. & Pritzker. S. A. (Eds.): Encyclopedia of Creativity. 456–460. Elsevier.

Zec, Marin (2020): 5 Whys (5 Warums). Online unter: Kreativitätstechniken.info. 16.09.2023. https://xn--kreativittstechniken-jzb.info/problem-verstehen/5-warums/

Zec, Marin (2020): Walt-Disney-Methode. Online unter: Kreativitätstechniken.info. 16.09.2023. https://xn--kreativittstechniken-jzb.info/ideen-generieren/walt-disney-methode/

Zec, Marin (2020): HOW-WOW-NOW-Matrix. Online unter: Kreativitätstechniken.info. 16.09.2023. https://xn--kreativittstechniken-jzb.info/ideen-bewerten-und-auswaehlen/ideen-bewerten-die-how-wow-now-matrix/

Folge 9 – Wir wollen Veränderungen, aber lieber nichts verändern

Es beginnt der dritte Teil der zwölfteiligen Lernreise. Hierbei geht es um das Arbeitsumfeld und die Organisationskultur. Auf welchen Ebenen gibt es Einflussmöglichkeiten auf die Kreativität von Mitarbeitenden? Es geht um die Frage, wie Kreativität in Organisationen unbewusst abgeschnürt wird und welchen Einfluss die Diversität von Teams auf die Kreativität haben kann. Außerdem werden geeignete Maßnahmen auf Management-Ebene diskutiert, die die Balance zwischen Führen und Freiraum-Lassen aufrecht erhalten – mit dem Ziel nicht in die Falle eines „Negativity Bias“ zu tappen und sicherzustellen, dass originelle, sowie nützliche Arbeitsergebnisse entstehen.

Quellen:

Amabile, Teresa M. (1998): How to kill creativity. In: Harvard Business Review on breakthrough thinking (1999), 77-87, Boston, Mass.

Mueller, Jennifer S.; Melwani, Shimul; Goncalo, Jack A. (2012): The Bias Against Creativity: Why People Desire but Reject Creative Ideas. In: Psychological Science (2012), 23(1), 13-17.

Shalley, Christina E., Gilson, Lucy L. (2004): What leaders need to know: A review of social and contextual factors that can foster or hinder creativity. In: The Leadership Quarterly 15 (2004), 33-53

Folge 10 – Auf den richtigen Support kommt es an

Kreative erfolgreich zu führen und damit am Ende kreative Arbeitsergebnisse zu erzielen, ist die Königsdiziplin bei der praktischen Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kreativitätsforschung. Hierfür werden in dieser Folge verschiedene Pole von Führungsstilen genauer analysiert, die transformationale und transaktionale Art von Leadership. Wie entsteht in Teams Creative Empowerment und welche Rolle spielen Sinnhaftigkeit, Autonomie und Wirkungskraft bei der Erfüllung einer Aufgabe? Zuletzt geht es um besonders innovative Teams und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um den Idealzustand einer "Burstiness" im Team zu erreichen.

Quellen:

Rosing, Kathrin; Frese, Michael; Bausch, Andreas (2011): Explaining the heterogeneity of the leadership-innovation relationship: Ambidextrous leadership. In: The Leadership Quarterly (2011), 22, 956-974. Elsevier.

Vallance, David (2020): Forget brainstorming. Burstiness is the key to creativity. Online unter: blog.dropbox.com. 16.09.2022. https://blog.dropbox.com/topics/work-culture/forget-brainstorming--burstiness-is-the-key-to-creativity–

Folge 11 – Kreativität als Vorstufe von Innovation

In der vorletzten Folge der Lernreise werden die Produkte der Kreativität in den Fokus gerückt, oder anders formuliert: Wie aus guten Ideen Geld werden kann. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Kreativität und Innovation? Wie lassen sich gute oder schlechte Ideen schon im Vorfeld erkennen? Was braucht es alles noch, damit Organisationen aus Ideen erfolgreiche Produkte auf den Markt bringen können?

Quellen:

Amabile, Teresa M.; Pratt, Michael G. (2016): The dynamic componential model of creativity and innovation in organizations: Making progress, making meaning. In: Research in Organizational Behavior (2016), 36, 157-183. Elsevier

Folge 12 – Digitale Kreativität: Digitalisierung als Gamechanger?

Die letzte Folge der E-Learning-Reise bricht an. Doch bevor das Kapitel geschlossen wird: Let's talk about digital & remote creative work! Der Blick richtet sich damit nochmal explizit auf die Digitalisierung und wie diese sich auf das kreative Arbeiten auswirkt. Spätestens seit Corona haben viele Menschen in Teams remote gearbeitet – und das lief mal gut, mal weniger gut. Aber woran liegt das? Wie funktioniert die Kommunikation im Digitalen? Und wie steht es um die Aufmerksamkeitskapazitäten und das Potenzial für Ideengenerierung?

Quellen:

Brucks, Melanie S.; Levav, Jonathan (2022): Virtual communication curbs creative idea generation. In: Nature 605 (2022), 108-112.

Hunter, Philipp (2018): Remote working in research. In: EMBO reports (2019), 20: e47435. 

Reiter-Palmon, Roni; Kramer, William; Allen, Joseph A.; Murugavel, Vignesh R.; Leone, Salvatore A. (2021): Creativity in Virtual Teams: A Review and Agenda for Future Research. In: Creativity. Theories – Research – Applications (2021), 8(1), 166-188

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