Bildwirkungen: Zum Funktionswandel der Pornographie (Seminar)

Dr. Karl-Josef Pazzini
Bildwirkungen: Zum Funktionswandel der Pornographie

Seminar, 2 SWS, 2 LP
Montags, 18-20 Uhr, wöchentlich ab 25.4.2016, Hardenbergstr. 33, Raum 150 

Bringt die Pornographie eine Präsentation und Repräsentation der Sexualität hervor? Ist die gegenwärtige Form eine „eigenständige“ Spielart von Sexualität? Ist sie das verschämt, indem sie die Scham protzig überspielt über Bilder, um nicht sprechen zu müssen?

Ist Pornographie Gefäß für bereitliegende Bilder, die aber nicht realisiert werden konnten, für Bilder, die nicht schon einfach vorhanden sind, sondern eher vage und in Fragmenten erahnt werden, Bilder, die Unruhe machen? Wird sie zu mächtigem Bild mit überprüfbarer Wirkung? 

Es geht im Seminar um den Versuch, ein Sprechen zu finden über mächtige Bildphänomene, die recht körpernah sind. Nach einer Einleitung, die Theoretisierungsmöglichkeiten anhand der Geschichte der Pornografie und ihres Bedeutungswandels zur Verfügung stellt, werden Einschätzungen der Mainstream-Pornographie, der historisch subversiven und mit Aufklärung verbundenen Pornographie sowie der differenzierteren Pornographie (feministisch, queere, etc., die für sich in Anspruch nimmt, nicht nur instrumentell und funktionalistisch zu sein) erarbeitet. Angeschlossen, kritisiert und aktualisiert werden Thesen von der „repressiven Entsublimierung“, Ideen von Sublimierung (d.h. Umwandlung oder Umlenkung von Libido in „sozial nützliche“, durchaus auch kritische, geistige, künstlerische, wissenschaftliche, kulturelle Errungenschaften), Bekennervideos der nicht mehr Pornographie-Konsumierenden etc.

Ein Reader wird zur Verfügung stehen, bzw. Dateien in einem elektrischen Medium.

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Studium-Generale-Schein: aktive Teilnahme im Seminargespräch, Vorbereitung einer Gesprächsgrundlage, einmal im Semester für alle zugängliche Notizen zu einer Seminarsitzung.

Dr. Karl-Josef Pazzini,

geb. 1950, studierte Philosophie, Theologie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Kunstpädagogik und arbeitet seit 1982 als Psychoanalytiker früher in Hamburg, jetzt in Berlin. Von 1989 bis 2014 war er Professor für Bildende Kunst und Bildungstheorie an der Universität Hamburg. Pazzini hatte Lehraufträge in Berlin, Hamburg, Zürich, Luzern, Wien. Gerade erschienen: Bildung vor Bildern. Kunst. Pädagogik. Psychoanalyse. transcript Verlag. Weitere Informationen unter mms.uni-hamburg.de/blogs/pazzini/ und

http://www.pazzini-psychoanalyse.de.