Musikgeschichte im Überblick: Die Musik des 17. Jahrhunderts

Prof. Dr. Dörte Schmidt
Musikgeschichte im Überblick: Die Musik des 17. Jahrhunderts

Vorlesung, 2 SWS, 2 LP, 10 Plätze
Montags, 10-12 Uhr, wöchentlich ab 15.4.2019, Fasanenstr. 1B, Raum 322
Achtung: Für Studierende der Fakultät Musik und von Gesang/Musiktheater nicht als Studium-Generale-Leistung anrechenbar!

Der sogenannte „Stilwandel um 1600“ gehört zu den klassischen Themen in Überblicksmusikgeschichten. Tatsächlich passiert um diese Zeit einiges, das sich als Zeichen epochalen Umbruchs lesen ließe: Das Aufkommen des Generalbass-Satzes, die Erfindung der Oper – nichts davon allerdings entsteht plötzlich und es löst auch nicht revolutionsartig alles ab, was vorher galt. Ganz offenkundig kommen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Fragen auf, die im folgenden Jahrhundert bemerkenswerte Folgen haben und sich zu einem epochalen Wandel bündeln, der weit über stilistische oder kompositionstechnische Neuerungen hinausgeht. Der Wandel des Menschenbildes, aber auch die politische Geschichte des Jahrhunderts tragen zur Dynamik der Kunstentwicklung Entscheidendes bei. Die Vorlesung versucht, diesem Wandel über das Jahrhundert zu folgen. Komponisten wie Claudio Monteverdi, Heinrich Schütz oder Jean-Baptiste Lully sind aus Gründen, die in späteren Jahrhunderten liegen, in eine zur Meistererzählung verengte allgemeine Musikgeschichtsschreibung eingegangen, die noch heute die populären Überblicke prägt. Es wird in der Vorlesung nicht nur darum gehen, sie näher zu betrachten, sondern auch darum, sie aus der Isolation eines solchen Pantheons der Meister herauszulösen und wieder in den Kontext ihrer Zeit und ihrer Zeitgenossen zu stellen.

Literatur:
Braun, Werner: Die Musik des 17. Jahrhunderts (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Bd. 4), Wiesbaden 1981.
Carter, Tim | Butt, John: The Cambridge History of Seventeenth Century Music, Cambridge 2005.
Leopold, Silke: Art. „Barock“, in: MGG², Sachteil Bd. 1 (1994), Sp. 1235-1256.

Dörte Schmidt, geboren 1964. Studium der Schulmusik (künstl. Hauptfach: Viola), Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Hannover, Berlin und Freiburg; Stipendiatin des ev. Studienwerkes Villigst e.V. 1992 Promotion bei Hermann Danuser an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. (Lenz im Zeitgenössischen Musiktheater. Literaturoper als kompositorisches Projekt bei Bernd Alois Zimmermann, Friedrich Goldmann, Wolfgang Rihm und Michèle Reverdy, Stuttgart 1993). Danach als Stipendiatin der Paul-Sacher-Stiftung in Basel, sowie des DAAD und der Maison des Sciences de l'Homme in Paris. Ab Dezember 1992 als Wiss. Mitarbeiterin, später als Wiss. Assistentin von Werner Breig am Musikwissenschaftlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Von Okt. 95 bis Sept. 97 beurlaubt für ein Habilitationsstipendium der DFG, Forschungsaufenthalte in Wien und Paris; 1997 Habilitation in Bochum (Armide hinter den Spiegeln. Lully, Gluck und die Möglichkeiten der dramatischen Parodie, Stuttgart 2001). Nach Vertretungen in Freiburg, Bochum und Stuttgart von 2000 bis 2006 Professorin für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Stuttgart. Von 2002 bis 2005 als Schriftleiterin der Zeitschrift Die Musikforschung verantwortlich für den Aufsatzteil, seit 2005 Mitglied im Vorstand der Gesellschaft für Musikforschung. Seit WS 2006 Professorin für Musikwissenschaft an der Universität der Künste Berlin. Seit November 2010 Vizepräsidentin des Landesmusikrats Berlin, seit Oktober 2013 Präsidiumsmitglied im Deutschen Musikrat. Mitglied des Editorial Board von Acta Musicologica sowie im Advisory Board der Elliott Carter Studies Online. Seit 2016 Projektleiterin der Bernd Alois Zimmermann-Gesamtausgabe in der Trägerschaft der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Seit September 2017 Präsidentin der Gesellschaft für Musikforschung, seit 2018 Sprecherin des Zentrums Preußen-Berlin der BBAW.