CLAUDE SIMON: JARDIN DES PLANTES

Prof. Daniel Ott & Prof. Enrico Stolzenburg & Malte Ubenauf  
CLAUDE SIMON: LE JARDIN DES PLANTES
Blockseminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS, 10 Plätze
Donnerstag, 11.6.2026, 16-18 Uhr, Bundesallee 1-11, Raum 310, Vorbereitungs- und Informationstreffen
Dienstag, 7.7.2026, 17 Uhr bis Samstag, 11.7.2026, 10 Uhr, Begegnungsstätte Sauen/Brandenburg: Konzeptionsphase
Montag, 2.11.2026, 16 Uhr bis Montag, 9.11.2026, 12 Uhr, Begegnungsstätte Sauen/Brandenburg: Proben- und Aufführungsphase
Sonntag, 8.11.2026, 15-20 Uhr, öffentliche Aufführung in Sauen
Achtung: Für Kompositions-Studierende nicht als Studium-Generale-Leistung anerkennbar!

Anmeldung
bis 15.6.2026 an: contact_ @klangzeitort.de.

Der Literaturnobelpreisträger Claude Simon (1913-2005) war als großer Spezialist für Reichtum, Schönheit und Chaos menschlicher Erinnerungsstrukturen in der Literatur einer der wichtigsten Vertreter des sogenannten Noveau Roman. Ein einziges persönliches (Kriegs-) Erlebnis wurde ihm zum Anlass für ein singuläres literarisches Werk, das von dem Roman „Die Strassen von Flandern“ (1960) - mit dem Simon frühe Berühmtheit erlangte - bis hin zu seinem letzten Werk „Die Trambahn“ (2002) reichte. Gerade in den letzten Jahrzehnten ist die Brisanz von Gedächtnis- und Erinnerungskonstruktionen in der Kunst wegen ihrer politischen und gesellschaftlichen Bedeutung für Zukunftsentwürfe, die weit über den Bereich des Ästhetischen hinausgehen, in Künsten und Wissenschaften mehr und mehr ins Zentrum getreten – so auch eine durchaus auch kritische Aktualisierung der Auseinandersetzung mit Simons schillerndem Werk.

Claude Simon hat seinen Roman „Jardin des Plantes“ (1997) als „portrait d’une mémoire“, Porträt eines Gedächtnisses, bezeichnet. Anstelle einer linearen Erzählstruktur entsteht beim Lesen ein vielschichtiges Kaleidoskop aus den unterschiedlichsten Gedanken- und Erinnerungs-Splittern. Im Zentrum steht die Beschreibung eines traumatischen Kriegserlebnisses vom 17. Mai 1940 in Flandern. Unterbrochen und ergänzt wird diese Beschreibung durch einen unaufhörlichen Gedankenstrom von Assoziationen, die sich frei und ohne Begrenzungen von Raum und Zeit durch die verschiedenen Kontinente und Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts bewegen: Berichte von Reisen ins postkoloniale Indien, in die ehemalige Sowjetunion, zum japanischen Kaiser. Erinnerungen an den Beginn des Spanischen Bürgerkriegs 1936.  Biographisches: Kindheits-Erinnerungen, Katholisches Internat, Flucht aus dem Gefangenenlager Mühlheim/Elbe, Résistance in Südfrankreich. Verknüpfungen mit literarischen Zitaten von Marcel Proust („Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“), Dostojewski („Die Gebrüder Karamasov“ u.a.), Gustave Flaubert, Joseph Conrad. Und ähnlich wie der titelgebende „Jardin des Plantes“ in Paris die Wildheit der Natur versucht zu zähmen, ordnet Claude Simon die Erinnerungs-Fragmente zu einer großangelegten literarischen Gesamt-Komposition.

In unserer mehrteiligen Lehrveranstaltung möchten wir die kompositorischen Verfahren in „Jardin des Plantes“ genauer untersuchen, und aus der gemeinsamen Beschäftigung mit diesen Verfahren und Inhalten eine kollektive Komposition aus Texten, Bildern, Assoziationen und Klängen entwickeln. Ziel ist die Erarbeitung einer MusikTheaterInstallation, die im November in der winterlichen Landschaft rund um die Begegnungsstätte Sauen/Brandenburg zur Aufführung kommen soll.

Das vorbereitende Team aus Studierenden und Lehrenden der UdK wird ergänzt durch Gäste von außerhalb der UdK, welche die einzelnen Phasen der Projektentwicklung mit ihrer Expertise u.a. zum Gesamtwerk von Claude Simon, zu Botanischen Gärten und zur dekolonialen Perspektive bereichern werden. 

Literatur:
Claude Simon: „Le Jardin des plantes”
Claude Simon: “La route des Flandres”
Claude Simon: “Le Tramway”

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Leistungsschein: regelmäßige, aktive Teilnahme.